Ueber Deutschland
dem Frühlingsblumentanz
Der Ueberwinder Triumphgeschrei!
Der Schwestern mehr wollt' er Kannä geben,
Gespielen Varus in Elysium!
Ohne der Fürsten neidenden überrufenden Rathschluß,
Ward Varus Gespiele Zäzina!
In Hermanns heißer Seele war
Lang' ein größerer Gedanke!
Um Mitternacht, bei dem Opfer Thorrs, und dem Kriegsgesang,
Bildet' er sich in ihr, und schwang sich entgegen der That!
Auch dacht' er ihn, wenn er tanzen ließ bei dem Mahl
Unter den Lanzen die Jünglinge,
Und umher um den kühnen Tanz
Blutringe warf, den Knaben ein Spiel.
Der Sturmbesieger erzählt:
In dem Ozeane des fernen Nords ist ein Eilandsberg,
Der flammenverkündenden Dampf, als wälz' er Wolken, wälzt,
Dann strömet die hohen Flammen, und meilenlang krachende Felsen wirft!
So verkündete Hermann durch seine Schlacht,
Entschlossen, zu gehen
Ueber die schützenden Eisgebirge! zu gehen
Hinab in die Eb'nen Roms!
Zu sterben da! oder im stolzen Kapitol,
Dicht an der Wagschaal Jupiters,
Zu fragen Tiberius, und seiner Väter Schatten,
Um ihrer Kriege Gerechtigkeit!
Das zu thun! wollt' er tragen Feldherrnschwert
Unter den Fürsten; da zückten sie den Tod auf ihn!
Und in Blute liegt nun der, in dessen Seele war
Der große Vaterlandsgedanke!
D. Hast du sie gehört, o Hela,
Meine zürnende Thräne?
Hast du ihr Rufen gehört,
Hela, Vergelterin?
K. In Walhalla wird Siegmar, unter der goldenen Aeste Schimmer,
Siegeslaub in der Hand, umschwebt von den Tänzen der Enherion,
Von Thuiskon geführt und von Mana,
Der Jüngling den Jüngling empfangen!
W. Siegmar wird, mit stummer Trauer,
Seinen Hermann empfangen.
Denn nun fragt er nicht Tiberius, und die Schatten
Seiner Väter, an der Wagschaal Jupiters.
So finden sich noch mehrere Gedichte Klopstocks, in denen er, wie in diesem, den Deutschen die Großthaten ihrer Altvordern, der Germanen, zurückruft; aber diese Erinnerungen haben fast keine Beziehung mehr mit der Nation, wie sie jetzt ist. Man fühlt durch die Poesie dieser Gattung einen haltlosen Enthusiasmus, ein Sehnen, das sein Ziel nicht zu erreichen vermag, und das kleinste Volkslied eines freien Volks erregt eine wahrere Rührung. Es sind nur noch Spuren der alten Geschichte der Germanen übrig, ihre neuere Geschichte ist zu getheilt und zu verworren, um volksmäßige Empfindungen zu erzeugen; darum müssen die Deutschen in ihren Herzen allein die Quelle wahrhaft vaterländischer Gesänge suchen. Klopstock zeigt oft viel Anmuth bei mindern ernsten Gegenständen; diese Anmuth hängt mit Einbildungskraft und Gefühl zusammen, denn in seinen Poesieen findet sich wenig von dem, was wir Esprit nennen und was sich mit der lyrischen Poesie nicht verträgt. In seiner Ode über die Nachtigall (Bardale) weiß der deutsche Dichter einen sehr abgenutzten Gegenstand neu zu verjüngen, indem er dem Vogel so sanfte und lebendige Empfindungen für die Natur und für den Menschen leiht, daß er wie ein geflügelter Vermittler erscheint, der den Zoll des Lobes und der Liebe von einem zu dem andern trägt. Seine Ode: der Rheinwein, hat viel Originalität, die Rheinufer sind für die Deutschen eine wahrhaft nationale Vorstellung; sie haben nichts Schöneres in ihrem ganzen Lande; die Reben wachsen an der Stelle, wo so viel Kriegsthaten gethan wurden, und der hundertjährige Wein, Zeitgenosse glorreicherer Tage, scheint noch die edle Wärme verflossener Zeiten zu bewahren.
Klopstock hat nicht allein aus dem Christenthume die größten Schönheiten seiner religiösen Werke geschöpft; sondern, da es sein Zweck war, seine vaterländische Literatur von der des Alterthums völlig unabhängig zu machen, versuchte er auch zuerst der deutschen Poesie eine neue, von den Scandinavischen Völkern erborgte, Mythologie zu geben. Zuweilen machte er davon einen zu gelehrten Gebrauch, aber zuweilen benutzt er sie auf eine sehr glückliche Weise, so daß seine Einbildungskraft die Beziehungen fühlte, die zwischen den Gottheiten des Nordens und dem Anblick der Natur, über welche sie herrschen, Statt finden.
Eine seiner reizenden Oden, die Kunst Tialfs, schildert die Kunst des Schlittschuhlaufens, deren Erfindung man dem Riesen Tialf zuschreibt. Eine junge schöne Frau, geschmückt mit einem Hermelinpelze, stellt sich auf einem Schlitten in Gestalt eines Wagens dar; die jungen Männer, die sie umgeben, schieben diesen Wagen mit Blitzesschnelle fort, indem sie ihn nur leicht anstoßen. Man wählt zur Bahn den gefrornen
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