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Und der Herr sei ihnen gnädig

Und der Herr sei ihnen gnädig

Titel: Und der Herr sei ihnen gnädig Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Faye Kellerman
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sprechen wir bei einer Tasse Kaffee darüber.«
    Warum boten mir die Kerle eigentlich immer nur eine lausige Tasse Kaffee an, wenn sie etwas von mir wollten? Was war aus dem guten alten Abendessen mit anschließender Einladung ins Kino geworden?«
    »Danke für die Informationen, Detective.«
    »Ich werde Sie auf dem Laufenden halten, Decker«, antwortete er. »Sie machen Ihre Sache wirklich gut.«
    Während ich mich mit einem Lächeln von ihm verabschiedete, musste ich an Koby denken. Wie sehr hatte ich mir gewünscht, dass aus der Sache mit ihm etwas geworden wäre. Ich hatte den Mann wirklich gemocht. Aber selbst wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte es sich allein schon deswegen gelohnt, ihn als Freund zu haben, weil mir das die anderen vom Leib gehalten hätte.

27
    Da Germando El Pasos früherer Betreuer sich noch nicht bei mir gemeldet hatte, beschloss ich, dass ich genauso gut eine weitere Nacht damit verbringen konnte, Theorien durchzuspielen, die sich höchstwahrscheinlich wie Rauch in Luft auflösen würden. Ich machte mich auf den Weg zum Boss's, einem rund um die Uhr geöffneten Cafe, das hauptsächlich von Ausgeflippten, Bekloppten, Bekifften und anderem lichtscheuen Gesindel besucht wurde. Ich hoffte, dort einen Blick auf »Mr. Tiger Tattoo« persönlich werfen zu können. Der Tipp von Alice Anne war wirklich nützlich gewesen. Ich nahm mir vor, ihr zum Dank einen weiteren Zehner zuzustecken, wenn ich sie das nächste Mal traf.
    Ich bekam meinen Platz von einem klapperdürren Typen mit blühender Akne zugewiesen, der gerade von einem ziemlich schlechten Trip runterzukommen schien. Zum Glück entpuppte er sich als der Oberkellner und war für meinen Tisch nicht zuständig. Stattdessen bediente mich eine bezaubernde junge Dame mit blauem Stachelhaar, die von Kopf bis Fuß in schwarzes Kunstleder gehüllt war. Sowohl ihreOberlippe als auch die Nase waren gepierct; die beiden Metallstecker waren durch eine kleine Silberkette miteinander verbunden. Ich fragte mich, ob es ihr wehtat, wenn sie sich die Nase putzte.
    Sie schenkte mir Kaffee ein und ließ die Kanne auf dem Tisch stehen. Ich saß im hinteren Teil des Lokals. Nachdem ich allerlei Brotbrösel von der Tischplatte gewischt hatte, zog ich die Zeitung heraus, die ich mitgebracht hatte, und überflog die üblichen Florrormeldungen, blickte dabei aber immer wieder in die Runde, um ja nicht meine Beute zu verpassen. Es waren viele interessante Leute zu sehen, aber Germando war nicht darunter. Ich nippte an meinem Kaffee und kaute auf trockenen Salatblättern herum, die einen Beilagensalat darstellen sollten. Als mein Telefon klingelte, zuckte ich erschrocken zusammen. Ich hatte vergessen, es auszuschalten. »Decker.«
    »Ich bin gerade mit meiner Schicht fertig. Bist du zufällig noch irgendwo in der Gegend?«
    Die Stimme aus der Unterwelt. Ich wollte ihn nicht anlügen, hatte andererseits aber definitiv keine Lust, ihn zu sehen. »Es ist schon spät.«
    »Du könntest doch noch ein bisschen bei mir vorbeikommen«, säuselte Koby. »Ich mache dir eine Kleinigkeit zu essen... und massiere dich... «
    Trotz meiner Wut bemühte ich mich um einen ruhigen Ton.
    »Du glaubst wohl, du brauchst nur anzurufen, wenn dir gerade mal danach ist, und ich stehe Gewehr bei Fuß?«
    Am anderen Ende der Leitung herrschte Schweigen.
    »Nein, ganz und gar nicht, Cindy.«
    »Dann erklär mir, was das soll.«
    Die Sekunden verstrichen.
    »Lass uns noch mal neu durchstarten.« Er klang nicht mehr so munter wie am Anfang. »Ich habe den ganzen Sonntag frei und würde mich sehr freuen, dich zu sehen. Wie wär's, wenn wir uns erst mal zum Brunch treffen und dann überlegen, was wir machen könnten?«
    Immerhin schien er bereit, Geld für mich auszugeben. Das war ja schon mal ein Fortschritt. Aber ich hatte noch immer kein Interesse. Deswegen log ich ihn nun doch an. »Am Sonntag muss ich arbeiten.«
    »Ich hab von Samstagabend bis Montagvormittag Zeit. Eigentlich bin ich schon am Freitagabend frei, aber am Samstag ist Sabbat. Falls es bei dir nur am Samstag geht, können wir uns natürlich trotzdem sehen. Bitte. Sag mir einfach, wann es dir passt.« Was um alles in der Welt ging im Kopf dieses Mannes vor? Erst ließ er vier Tage überhaupt nichts hören, und dann überschlug er sich plötzlich vor Eifer. Wahrscheinlich war er einfach nur geil. »Am Samstag treffe ich mich mit meiner Mutter zum Mittagessen. Das ist absolut sakrosankt.«
    Wieder herrschte am anderen Ende

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