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Und der Herr sei ihnen gnädig

Und der Herr sei ihnen gnädig

Titel: Und der Herr sei ihnen gnädig Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Faye Kellerman
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Schweigen. »Was bedeutet das... dieses Wort?« »>Sakrosankt    »Dann vielleicht nach dem Essen...«
    Der Mann ließ wirklich nicht locker. Seine Hartnäckigkeit hatte ihm im Leben bestimmt schon oft geholfen. Ich gab nach, wahrscheinlich, weil er mich nach der Bedeutung von »sakrosankt« gefragt hatte. Aus irgendeinem Grund fand ich das süß. Trotzdem war ich noch immer auf der Hut. »Übrigens bin ich tatsächlich in der Gegend. Ich muss aber noch ein paar Sachen erledigen. Wie wär's, wenn ich dich in einer halben Stunde noch mal anrufe? Wenn ich dann noch fit genug bin, können wir uns ja auf einen Kaffee treffen. Einverstanden?«
    »Wunderbar... ganz, wie du willst. Großartig. Hervorragend -«
    Ich legte auf, bevor er sich noch mehr Adjektive einfallen lassen konnte.
    Nach fünfundvierzig Minuten klingelte mein Telefon zum zweiten Mal.
    »Arbeitest du immer noch?«
    »Ja, genau wie du die letzten fünf Tage.«
    Schweigen.
    Ich fühlte mich ziemlich mies, nicht weil er es nicht verdient hatte, sondern weil es mir einfach widerstrebte, so schroff zu ihm zu sein. Ich warf ihm einen Trostbrocken zu. »Falls du es innerhalb der nächsten halben Stunde ins Boss's schaffst, bin ich bestimmt noch da. Weißt du, wo das ist?«
    »Ja.«
    »Dann bis dann.« Ich unterbrach die Verbindung.
    Schon zwanzig Minuten später tauchte er auf. Das Erste, was mir auffiel, waren seine Augen. Aus ihrem warmen, leuchtenden Goldton war ein schmutziges Braun geworden, und seine sonst so weiße Iris hatte sich in eine Mischung aus Gelb und Rot verwandelt. Er mochte Farben. Jetzt hatte er sie.
    Mein erster Gedanke war, dass er Drogen genommen hatte. Er wäre nicht der erste Krankenpfleger gewesen, der sich aus dem Medikamentenschrank bediente. Mit einem verlegenen Lächeln ließ er sich mir gegenüber nieder. Ich schob ihm meine Kaffeetasse hin und beobachtete ihn genau. Als er nach der Tasse griff, sah ich, dass seine Hände kein bisschen zitterten.
    »Ich war hier eigentlich mit jemandem verabredet«, erklärte ich. »Man hat mich wohl versetzt. Wäre ja nicht das erste Mal«, fügte ich lächelnd hinzu.
    Er sah mich aus müden Augen an. »Es tut mir Leid, dass ich dich nicht angerufen habe.«
    »Schon gut. Du warst bestimmt sehr beschäftigt.«
    »Mit wem warst du denn verabredet?«
    »Mit einem Ganoven.«
    »Ich hoffe, du betrachtest mich als die bessere Gesellschaft, auch wenn die Übergänge oft fließend sind.«
    Gegen meinen Willen musste ich lächeln. »Du siehst erschöpft aus.«
    »Das bin ich auch. Ich habe denen im Krankenhaus gesagt, dass ich jetzt endlich mal ein paar freie Tage brauche, weil ich sonst zusammenbreche.«
    »Du solltest daheim in deinem Bett sein, statt hier miesen Kaffee zu trinken.« »Stimmt.« Ich spürte, dass er mich anschaute, aber ich hielt den Blick gesenkt. »Ich würde mein schlimmes Verhalten dir gegenüber gern wieder gutmachen«, fuhr er fort. »Können wir uns dieses Wochenende sehen?«
    »Welches schlimme Verhalten? Du hast doch nur gearbeitet.« Plötzlich musste ich an Schwester Marnies besitzergreifenden Tonfall am Telefon denken. Da war bestimmt mal was gewesen. »Es sei denn, du hast mir noch was zu beichten.«
    »Wie meinst du das?«
    »Vielleicht warst du ja mit einer anderen beschäftigt?« Ich versuchte möglichst beiläufig zu klingen. »Was ist passiert, Koby? War es dir mit ihr zu langweilig? Hast du mich angerufen, weil du im Bett mal wieder Abwechslung brauchst?«
    Er starrte mich erschrocken an. »Nein! Ich habe wirklich gearbeitet - drei Zwölf- Stunden-Schichten und eine Sechzehn-Stun-den-Schicht.«
    Ich schwieg.
    »Du kannst jeden im Krankenhaus fragen«, fuhr er fort. »Ich habe während der letzten Woche praktisch dort gewohnt.«
    Er rieb sich die blutunterlaufenen Augen. Sie waren so gereizt, dass sie tränten. »Cindy, ich würde dich dieses Wochenende wirklich gern zum Essen ausführen.«
    Ich musterte ihn eindringlich.
    »Bitte!«
    Ich zuckte mit den Schultern. »Meinetwegen. Wie wär's mit Sonntagabend?« Erleichtert atmete er aus und lehnte sich zurück. »Danke. Ich werde versuchen, es wieder gutzumachen.«
    »Ich bin müde. Ich möchte jetzt nach Hause.« Ich stand auf, legte einen Zehner auf den Tisch und steuerte auf den Ausgang zu.
    »Ich begleite dich zu deinem Wagen.« Koby folgte mir.
    »Mir passiert schon nichts Koby, ich bin bewaffnet.«
    »Das vergesse ich

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