Und der Herr sei ihnen gnädig
immer.« Er legte im Gehen die Hand auf meinen Arm. »Du hast mir sehr gefehlt.«
»Eine seltsame Art, das zu zeigen.«
Er hielt mir die Tür auf. »Ich weiß.«
»Was war der Grund?«
»Das erkläre ich dir ein anderes Mal, ja? Bitte. Ich bin so müde.«
Plötzlich hatte ich Mitleid mit ihm. »Klar.«
Als wir auf den Gehsteig hinaustraten, erkannte ich die Tigertätowierung, bevor ich das Gesicht sah. Ich löste mich von Koby und machte ein paar Schritte auf ihn zu. »Halt!«, rief ich. »Polizei!«
Germando sprintete los.
Ich rannte hinter ihm her, froh, dass ich flache Schuhe mit Gummisohlen trug. Doch ich merkte rasch, dass ich in einer anderen Liga lief als er. Koby dagegen war schnell wie der Blitz. Ein paar schnelle Sätze, und er war nur noch eine Armlänge von Ger- mando entfernt. Er versetzte ihm einen Schlag zwischen die Schulterblätter, sodass mein Verkehrssünder nach vorne stolperte und direkt aufs Gesicht fiel. Als ich die beiden einholte, hechelte ich wie ein Hund. Koby hingegen schien nicht mal richtig warm geworden zu sein. Ich drückte mein Knie zwischen Germandos Schulterblätter und drehte ihm die Arme auf den Rücken.
»Ich habe gesagt: >Polizei!< Das heißt, dass du stehen bleiben sollst!«
»Ich habe nichts gehört -«
»Dann hörst du es eben jetzt! Ich bin Polizistin, Germando. Halt verdammt noch mal still, oder ich breche dir deine Knochen!«
»Das dürfen Sie nicht!« Er verdrehte den Hals, um Koby anzusehen, was mit meinem Knie im Rücken aber ziemlich schwierig war. »Haben Sie das gehört -«
»Du sprichst mit Luft, mein Freund!«, schrie ich ihn an. »Es ist niemand hier!« Ich holte meine Waffe aus der Tasche und drückte sie ihm in den Nacken. »Nicht bewegen, Germando. Meine Kugeln sind ungefähr drei Zentimeter von deinem Gehirn entfernt, und ich möchte nicht, dass ein Unfall passiert. Ich werde dir jetzt Handschellen anlegen.«
Sobald er gefesselt war, spürte ich, wie mein Puls sich ein wenig beruhigte. Ich blickte auf... Koby starrte mich mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen an. Er wirkte geschockt. Ich holte mein Handy heraus und forderte Verstärkung und einen Streifenwagen an.
Kobys Mund stand immer noch offen. »Du kannst jetzt gehen«, sagte ich. »Ehrlich gesagt wäre es wirklich gut, wenn du jetzt gehen würdest.«
Er klappte den Mund zu und drehte sich um. »Hey«, rief ich ihm nach. Er wirbelte herum.
»Danke«, sagte ich. »Aber mach nie wieder meinen Job für mich, okay?«
Er gab mir keine Antwort, sondern starrte mich nur an, blinzelte einen Moment und joggte dann davon. Gerade als er mit seinem Toyota wendete, sah ich das blinkende Licht eines Streifenwagens näher kommen.
28
»Lassen Sie es uns noch einmal durchgehen, Decker.«
Ich warf den Kopf zurück, rutschte unbehaglich auf dem harten Stuhl hin und her und betrachtete die grelle Deckenbeleuchtung des Verhörraums. Das war gar nicht so schlecht, dachte ich. Auf diese Weise konnte ich mich wenigstens in die Ganoven hineinversetzen, die ich eines Tages hier löchern würde. »Was genau wollen Sie noch mal hören, Detective?«
»Sie sind ins Boss's gegangen, weil...«
»Weil ich auf der Suche nach Germando El Paso war, der dort oft die Bananenpfannkuchen isst. Ich war auf der Suche nach ihm, weil ein Haftbefehl gegen ihn vorlag.«
»Wegen ein paar Verkehrssünden.«
»Ein Haftbefehl ist ein Haftbefehl.«
Brill rieb sich die Stirn. »Und so was machen Sie in Ihrer Freizeit? Kerle jagen, die ihre Strafzettel nicht bezahlt haben?«
»Ich betrachte das als meine Bürgerpflicht.«
Er lächelte sarkastisch. »Sie sollten sich so was wie ein Privatleben zulegen.«
»Ja, wahrscheinlich«, gab ich ihm Recht. »Aber das ändert nichts an der Situation. Es war eine rechtmäßige Verhaftung, und die Tüte X habe ich ihm nicht untergejubelt, egal, was er behauptet.«
»Sie haben keine Zeugen, die Ihre Aussage bestätigen.« »Er auch nicht.«
»Er behauptet, Sie seien in Begleitung eines Mannes gewesen.«
»Er behauptet vieles.« Ich warf einen Blick auf die einseitig verspiegelte Glaswand. »Wer ist da draußen?«
Brills Blick folgte dem meinen. Er trug einen schwarzen Anzug und ein weißes Hemd. Seine rote Krawatte saß ein wenig schief, er war beim Anziehen wohl ziemlich in Eile gewesen.
»Jemand von der Staatsanwaltschaft. Und mein Loo«, antwortete er.
»Er kann doch reinkommen und mir selbst ein paar Fragen stellen, wenn er will.«
»Seien Sie nicht so
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