Und der Herr sei ihnen gnädig
klugscheißerisch.«
»Glauben Sie mir, Detective, das ist nicht meine Absicht.« Ich sah auf die Uhr. Zwei Uhr morgens. Wenigstens lag Koby inzwischen in seinem Bett. Der Gedanke an ihn trug nicht dazu bei, meine Stimmung zu heben. »Dann fange ich eben noch mal von vorne an. Ich erzähle es Ihnen, sooft Sie wollen.«
Brill forderte mich mit einer Handbewegung zum Loslegen auf.
Ich setzte zum Sprechen an, zögerte dann aber. »Diesmal werde ich ganz am Anfang beginnen«, sagte ich schließlich. »Diese ganze Geschichte hängt nämlich mit dem Baby zusammen, das ich vor ein paar Wochen aus dem Müll gezogen habe. In Ordnung?« »Lassen Sie hören.«
Ich betrachtete den Kassettenrecorder, der in der Mitte des Plastiktisches stand. Auf dem ramponierten, stark verkratzten Gerät thronte ein voller Aschenbecher. »Ich möchte hinzufügen, dass ich die Mutter ganz allein gefunden habe -«
»Das ist jetzt nicht die Zeit, um mit Ihren Erfolgen zu prahlen, Decker.«
»Ich habe das nur erwähnt, damit der Staatsanwalt auf der anderen Seite des Spiegels weiß, wie hartnäckig ich bin. Das grenzt bei mir oft an Besessenheit.«
»Das scheint bei euch in der Familie zu liegen«, meinte Brill.
»Das haben jetzt Sie gesagt, nicht ich, Sir.«
Er grinste. »Sie haben das Baby gefunden, und Sie haben die Mutter gefunden.« »Genau.« Ich setzte mich zum hundertsten Mal anders hin. »Das hätten wir also geklärt. Nachdem ich die Mutter gefunden hatte, wollte ich wissen, wer der Vater ist -« »Warum?«
»Weil ich der Meinung bin, dass dieses arme kleine Wurm einer behinderten Mutter ein Anrecht darauf hat, möglichst viel über seine Herkunft zu erfahren.«
»Warum?«
»Weil mir die Kleine ans Herz gewachsen ist. Ich habe sie ein paarmal im Krankenhaus besucht - in meiner Freizeit. Diese ganze Sache hat also durchaus einen Hintergrund.« Brill wartete.
»Ich habe also die Mutter zu Hause besucht, um sie nach dem Vater des Kindes zu fragen«, fuhr ich fort. »Das geschah mit ausdrücklicher Erlaubnis von Detective Van Horn und Detective MacGregor. Ich habe zu dem Gespräch meinen Vater mitgenommen, Lieutenant Decker, weil ich wusste, dass ich die Hilfe eines erfahrenen Detective brauchen würde und Detective Van Horn gerade in Urlaub gegangen war. Detective Russ MacGregor, der den Fall übernommen hatte, war an dem Wochenende auch nicht da.«
»Und bei dieser Gelegenheit hat das Mädchen« - Brill blätterte in seinen Aufzeichnungen - »Sarah Sanders... erwähnt, dass sie von einer Bande vergewaltigt und ihr Freund verprügelt und in eine Mülltonne gesteckt wurde.«
»Genau. Aber da es sich dabei um ein sechs Monate zurückliegendes Verbrechen handelte, gab mir Lieutenant Decker den Rat, erst einmal Detective MacGregor über die neuesten Entwicklungen zu informieren, bevor ich etwas unternahm. Was ich auch getan habe.«
»Und?«
Ich lächelte. »Detective MacGregor war der Meinung, es könnte sich um eine Phantasiegeschichte handeln. Trotzdem kam das Mädchen aufs Revier und machte eine Aussage. Ich fragte MacGregor, ob ich der Sache weiter nachgehen dürfe - nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass Sarahs Geschichte doch stimmte. Er meinte, wenn ich in meiner Freizeit nach dem Vater suchen wolle, habe er damit kein Problem.«
»Er hat von dem Vater gesprochen und nicht davon, ein sechs Monate zurückliegendes Phantasieverbrechen zu lösen.«
»Hören Sie... Sir. Ich war auf der Suche nach Germando, weil ich gehört hatte, dass er mit Typen herumhängt, die Obdachlose belästigen und in öffentlichen Toiletten Leute überfallen. Ich wusste, dass ein Haftbefehl gegen ihn vorlag. Ich wusste, dass ich ihn deswegen verhaften konnte. Warum hätte ich mir die Mühe machen sollen, ihm eine Tüte Ecstasy unterzujubeln?«
»Um die Verhaftung noch rechtmäßiger erscheinen zu lassen.«
»Ich habe wegen dieser blöden Tüte doch nichts als Ärger.«
»Das konnten Sie zu dem Zeitpunkt ja noch nicht wissen.«
»Nein, aber ich weiß, wie das LAPD über Polizisten denkt, die mit solchen Methoden arbeiten. Unterziehen Sie mich doch einem Lügendetektortest, wenn Sie mir nicht glauben.«
»Was ist mit dem Typen, den Sie angeblich dabeihatten?«
Ich starrte auf meine Hände.
Brill deutete auf den Spiegel. »Die Herren da draußen mögen es nicht, wenn man ihnen etwas verschweigt. Wenn Sie in diesem Punkt lügen, wird Ihnen auch niemand glauben, was Sie über die Tüte sagen.«
Ich zog eine Grimasse. »Ich habe ihn nach
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