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Unter dem Safranmond

Unter dem Safranmond

Titel: Unter dem Safranmond Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: N Vosseler
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trennen würde. Der Länge nach auf dem Teppich ausgestreckt, hatten sie ihre Schuhe abgestreift, und Mayas Nacken ruhte auf Ralphs Unterarm. Es war, als zögerten sie beide diese Nacht hinaus, um sich gegenseitig zu versichern, dass sie von nun an alle Zeit der Welt hatten. Als genössen sie das Wissen, nichts Verbotenes zu tun, wie sie hier eng umschlungen lagen, und doch den Reiz ihres Abenteuers auskosteten. Sachte Berührungen gab es: Mayas Finger, die über Ralphs Gesicht strichen und über seinen Hals; seine Lippen, die über ihre Handfläche wanderten, Küsse hineindrückten, so viel zarter als diejenigen, mit denen er ihren Mund bedachte, mit denen er eine Hitze durch sie hindurchströmen ließ, die bis in ihre Fingerspitzen drang, sich in Mayas Mitte sammelte und dort förmlich ihren Siedepunkt erreichte. Als sie beide innehielten, um Atem zu schöpfen, schob Maya ihn von sich weg und setzte sich auf. Eine nach der anderen zog sie die Nadeln aus ihrem Haar und ließ sie achtlos auf den Boden fallen, schüttelte dann den Kopf, bis die dunklen Kringel frei über Schultern und Rücken glitten und wandte sich wieder Ralph zu. Dieser sah sie nur an, und sein Gesicht zeigte den gleichen Ausdruck wie an jenem Abend vor dem Dinner in Black Hall, als sie sich das erste Mal in die Augen gesehen hatten. Maya erhob sich, und er leistete keinen Widerstand, als sie ihn mit sich zog, hinter sich her durch den Raum zum Bett.
    »Warte«, hauchte sie, als er sich an ihrem marineblauen Miederjäckchen zu schaffen machte. »Ich will es selber tun.« Der Reihe nach öffnete sie die stoffbezogenen Knöpfe und löste die Haken, mit denen der Rock an der Innenseite daran befestigt war. Sie schälte sich aus der eng anliegenden Jacke mit den weiten Ärmeln, streifte die Ärmelstulpen mit den Rüschen um das Handgelenk ab, knöpfte das ärmellose Blusenhemdchen mit den Biesen und Spitzen auf und zog es sich über den Kopf. Der rückwärtige Verschluss des Überrocks wurde geöffnet, die Bänder ihrer Unterröcke gelöst, die sie schließlich allesamt wie in einer voluminösen Stoffwolke zu Boden rauschen ließ, aus der sie herausstieg. Geschickt angelte sie nach hinten, zog die Schnüre des Korsetts auf, enthakte es an der Vorderseite und warf es beiseite. In Trägerhemdchen und langen Unterhosen setzte sie sich auf die Bettkante, schob die wadenlangen Volants hoch und rollte die Strümpfe ab, die sie einfach fallen ließ. Dann sah sie Ralph an und streckte die Hand nach ihm aus. Zusammen ließen sie sich auf das Bett sinken, und Mayas Haar wirkte schwarz wie Ebenholz auf den weißen, gestärkten Bezügen, im Schummerlicht des Raumes.
    »Du bist so schön«, flüsterte er, als er seine Blicke über sie schweifen und behutsam seine Hände folgen ließ, die die Kurven ihres Körpers nachzeichneten: die vollen Brüste, deren Spitzen sich dunkel unter dem dünnen Batist abzeichneten, die Einbuchtung ihrer schlanken Taille, die Wölbung ihrer Hüften.
    »Hattest … hattest du schon viele Frauen?«, fragte sie leise.
    Als hätte er sich die Finger an ihr verbrannt, hielt er inne, und ein verlegenes Grinsen blitzte in seinem Gesicht auf. »Ein paar waren es schon, ja.« Er zögerte kurz, dann beugte er sich wieder über sie. »Aber keine war so wie du.« Und er küsste sie, drängender, fordernder als bisher, sodass sie nach Luft rang und doch immer noch mehr davon wollte. Maya glaubte im Fieber zu liegen, als sie ihm seine Hosenträger von den Schultern streifte. Nach drei Knöpfen verließ sie die Geduld und sie zerrte ihm das Hemd einfach über den Kopf, tastete nach dem Bund seiner Hose. Mit einem Laut der Überraschung und Bewunderung stieß sie den Atem aus. Ralphs Äußeres ähnelte tatsächlich einer aus Stein gehauenen Statue, einer aus blassgoldenem Marmor: fest, kühl und glatt, breitschultrig, schmalhüftig, Muskeln und Sehnen fein modelliert.
    Maya vergaß, was sie über diese Dinge in Richards Briefen gelesen hatte und in den Anatomiebüchern ihres Bruders, die er während der Semesterferien so achtlos in seinem Zimmer offen hatte herumliegen lassen. Sie erkundete voller Staunen den Körper, der dem ihren so gar nicht ähnelte, so in sich geschlossen war, hart, wo der ihre weich. Was sie gelesen hatte, hatte sie nicht im Geringsten darauf vorbereitet, was Münder, Zungen, Hände miteinander und auf nackter Haut tun konnten und wie herrlich sich das anfühlte, welche Schauder es durch sie hindurchjagte, was an Wärme und

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