Unter dem Zwillingsstern
sich sah, lag in Mai t gers Alkoholismus. Robert kannte sich m it Trinkern aus, er m achte sich keine Illusionen über Alkohol als Anfeuerungs m ittel für kreati v e Arbeit oder Michael Mait g ers Fähigkeit, seinen Konsum genügend zu kontrollieren, um diszipliniert an einem Drehbuch arbeiten zu können. Je m and mußte ihn die ganze Zeit überwachen. Seine Beziehungen zu Peter W e r m ut hatten sich weiter h i n versc h lechtert, was unter anderem daran lag, daß Peter von der Po s ition ei n es Freundes u n d Part n ers m ehr und mehr in d ie Rolle eines Angestellten gedrängt worden war. Aber er erklärte sich bereit, m it Micha e l M a itg e r in die Berge zu fahren; eine Hütte, die weit genug vom nächsten Dorf entfernt war, um einen zweistündigen Fuß m arsch nötig zu m a chen, ersch i en Robert als die beste Möglichkeit, um eine rechtzeitige Vollendu n g seines Drehbuchs sicherzustellen, und wie im m er, wenn ihn ein Plan begeisterte, hatte er es sehr eilig. Sobald die erste Fassung vorl a g, würde er sie überarbeiten und ergänzen, w i e er es schon während seiner Theaterregie ge m a cht hatte, und dann wieder an Michael M a itger zurückgehen lassen. Inzwischen nutzte er d i e zwei Ter m ine, an denen Carla zum Nachdrehen von Einstellungen gebraucht wurde, um sie nach Babelsberg zu begleiten und dort m it ihrer Unterstützung nach einigem Hin und Her die Erlaubnis zu erlangen, den laufenden Fil m produktionen beiwohnen zu dürfen.
Während Robert sich be m ühte, i m Schnellverfahren alles über den Film zu lernen, erhielt C arla eine Einladung von Monika, sie zu besuchen, zu einem Zeit p unkt, an dem er ganz bestim m t nicht anwesend sein w ürde. Sie war neugierig genug, um anzuneh m en.
Monika hatte die Vierzimmerwohnung, in der sie m ittlerweile m i t Robert lebte, m it ihrem unbestreit b ar guten Gesch m ack eingerichtet; nirgendwo gab es grelle oder kit s chige Töne, und sogar diejenigen von Roberts Zeichnungen, die an der W and hingen, taten es diskret und an Stellen, wo der Blick des B esuchers nicht sofort auf sie fiel.
Außerdem war Monika zurückhaltend genug, um sich auf einen Presseau s s c hnitt über Julius Ca e sar zu beschränken, anders als Dr. Gold m a nn, der m ittlerweile s e in halbes Münchner Do m i zil m it solchen Zeitungsartikeln gesch m ückt hatte.
Carla akzeptierte die Tasse Tee, die Monika ihr anbot, und musterte ihre e h emalige M it s c h üle r in nachdenklich. Monikas Figur war ein wenig fülli g er geworde n , doch bei ihrer Größe konnte sie s ich das leisten. Die graziöse Art, in der sie den Tee servierte und eingoß, war zweifellos das Produkt ihrer E rziehung; da Carla selbst ähnliche Bewegungen erst im Theater gelernt hatte, würdigte sie die unbewußte Selbstverständlichkeit, in der Monika sich h i elt. Nach einigen Minuten höflichen Geplauders über das Wetter, das allenfalls Zeugnis von Monikas Befähigung zu belangloser Konversation ablegte, entschloß sich Carla, d em Spiel ein Ende zu m a chen.
»Versteh m i ch nic h t fal s ch, der T ee ist sehr gut«, sagte sie, »aber ich wüßte wirklich gerne, worüber du m it m ir sprechen m öchtest.«
Wenn es Lilli oder eine von Monikas anderen Vorgängerin n en gewesen wäre, hätte sie die Frage nicht nötig gehabt, aber daß Monika sie um Rat bat, kam ihr denn doch zu unwahr s cheinli c h vor, selbst bei Roberts Auffassung von Monika als einsa m er Aristokratin, die nach m enschlicher W är m e dürstete.
»Ich m öchte dich um etwas bitten«, erwiderte Monika.
Sie saß, die Knie nebeneinander, auf dem breiten beigen Lehnstuhl aus Eichenholz, auf dem Robert zuletzt den Dogen von Venedig plaziert hatte. Ehe er das T heatergeb ä ude verließ, hatten er und der Rest des Ense m b les die Requisiten, die im Lauf der let z ten z w ei Jah r e angeschafft worden waren, unter s i ch aufgeteilt. Monikas Haltung erinnerte Carla unwillkürlich an die Direktorin ihres Internats und ihr Diktu m , eine D a m e schlage die Beine nicht übereinander. Ihre eigenen Beine waren natürlich gekreuzt. Sie unterdrückte den Impuls, das rechte Bein wieder auf d en Boden zu stellen.
»Ich weiß, daß Robert eine Rolle in dem Fi l m für dich vorgesehen hat. Bitte ü bernimm sie nicht. Carmilla wird bestim m t ein Erfolg, und selbst wenn nicht, du bekom m st sicher jetzt schon andere gute Engage m en t s angeboten, ob im Theater oder im Fil m .«
Nun, das war ehrlich. »Danke für das Vertrauen in m eine Fähigkeiten.
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