Verfuehrung im Mondlicht
musste die Zipfel dieses verdammten Tuchs vor der Brust Zusammenhalten, damit es ihm nicht von den Schultern glitt. Trimley dagegen wirkte wie eine dieser uralten Römerstatuen, mit denen die Wohlhabenden ihre Villen schmückten. Larkin hatte dafür gesorgt, dass genügend davon herumstanden, als er die Eingangshalle dieses vornehmen großen Hauses gestaltet hatte, das er vor einigen Jahren erworben hatte.
»Was ist mit dem Gasbadeofen im Bad des neuen Flügels?« Er stand auf und ging rastlos in der kleinen, gefliesten Kammer auf und ab. »Jeder weiß doch, wie unberechenbar die sind.«
»Das Feuer ist nicht im Bad ausgebrochen.« Trimley klang ungeduldig. »Ich habe mit jedem einzelnen Angestellten gesprochen, die in dieser Nacht dort waren. Sie haben übereinstimmend ausgesagt, dass es zwei Explosionen gab. Beide ereigneten sich anscheinend in unmittelbarer Nähe des Speisesaals.«
Larkin knurrte. »Ihr meint, diese Explosionen waren Teil des Plans, die Mädchen zu entführen?«
»Es scheint so.«
»Verdammt noch mal!« Larkin drehte an der gefliesten Wand um und marschierte zurück. »Und niemand hat gesehen, wie die Mädchen und die Lehrerin entkommen sind?«
Trimley schüttelte den Kopf. »Es war mitten in der Nacht. Außerdem gab es viel Rauch, und es herrschte allgemeines Durcheinander. Einige Männer haben mir gesagt, dass sie irgendwann das Geräusch von Pferdehufen gehört hätten. Aber sie nahmen an, dass jemand die Pferde befreit hätte, damit sie den Flammen entkommen konnten.«
»Warum zum Teufel hat sich denn keiner um die Mädchen gekümmert, als das Feuer ausgebrochen ist?«, brauste Larkin auf. »Meine Männer wussten doch, wie wertvoll sie für mich sind!«
»Anscheinend hat Rimpton den anderen gesagt, er wolle sich um die jungen Ladys kümmern.« Trimley machte eine wegwerfende Handbewegung. »Er verschwand und tauchte in dieser Nacht nicht mehr auf. Am nächsten Tag wurde seine Leiche in der Nähe der alten Vorratsschuppen aufgefunden.«
»Und niemand hat bis zum nächsten Tag die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass die Lehrerin und die Mädchen verschwunden sein könnten?«
»Zuerst nahm man an, sie seien alle in den Flammen umgekommen.« Trimley setzte sich bequemer auf der Marmorbank zurecht. »Angesichts der Umstände ein durchaus nahe liegender Gedanke. Aufgrund der zahllosen rauchenden Trümmer und der herabgestürzten Dachbalken war es nicht so leicht, die Ruine und die Asche gründlich zu durchsuchen.«
»Verdammter Mist!« Larkin fühlte, wie die alte, glühende Wut langsam in ihm hochstieg. »All diese sorgfältige Planung umsonst. Die Auktion sollte in einigen Tagen stattfinden. Ich kann einfach nicht glauben, dass es dazu kommen konnte.«
Seine Wut kochte über und drohte ihn zu ersticken. Er schlug mit der Faust gegen die geflieste Wand.
»Verflucht und zugenäht!«
Doch dieser Fluch allein konnte ihn nicht besänftigen. Er packte den Krug mit Wasser, der auf einem kleinen Tisch stand, und schleuderte ihn in eine Ecke.
Der Keramikbehälter explodierte, und die Scherben tanzten klirrend über die Fliesen.
Sofort fühlte sich Larkin ruhiger und bekam sich wieder unter Kontrolle. Außerdem bereute er seinen jähzornigen Ausbruch sofort.
Er holte tief Luft und ließ sie in einem langen Atemzug zischend zwischen den Zähnen wieder ausströmen, während sein Blut abkühlte. Diese gelegentlichen Anfälle brutalen Jähzorns verfolgten ihn schon sein ganzes Leben. Er konnte sie mittlerweile zwar kontrollieren, wenn ihm danach war, doch manchmal ließ er ihnen auch einfach nur freien Lauf. Zumeist machten sie die anderen Menschen in seiner Nähe nervös, was er durchaus begrüßte. Es war nicht gut, wenn sich seine Angestellten und Geschäftspartner in seiner Nähe allzu wohl fühlten.
Doch der elegante Mr. Trimley reagierte auf diese Wutausbrüche nicht wie die anderen. Larkin spürte, dass seine Anfälle von Jähzorn bei diesem arroganten Bastard nur amüsierte Herablassung hervorriefen.
Er packte sein Leintuch fester und wirbelte unvermittelt herum. Er wollte Trimley überraschen und herausfinden, ob er bei dem Mann so etwas wie Furcht auslösen konnte. Doch wie gewöhnlich war der beherrschten Miene des Gentlemans nichts zu entnehmen.
»Alles steht und fällt mit diesen vier Mädchen!«, knurrte Larkin. »Und jetzt sind sie futsch, dank dieser verfluchten Lehrerin. Warum zum Teufel hat sie das getan?«
»Wir müssen wohl annehmen, dass sie Verdacht geschöpft hat,
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