Verrat der Welten - Niven, L: Verrat der Welten - Betrayer of Worlds
»Eigentlich wissen wir noch nicht einmal, ob Ol’t’ros Kolonie wirklich angegriffen wurde. Wir haben bislang nur eine nicht weiter durch Beweise erhärtete Behauptung gehört. Das Ganze könnte auch ein Trick sein, um an Computer von New Terra zugelangen, damit Ol’t’ro die erste Biowaffe entwickeln könnten.«
»Oder das Ersuchen um Unterstützung ist durch und durch ehrlich gemeint, aber die Rechner könnten sich trotzdem für einen Gegenschlag nutzen lassen. Oder Ol’t’ro haben einen anderen Grund, auf fortschrittlichere Computer zugreifen zu wollen. Oder Ol’t’ro wollen gegen einen anderen Gegner losschlagen, den sie bislang noch nicht einmal erwähnt haben. Oder, oder, oder.« Sigmund stand auf und schenkte sich ein Glas Wasser aus der Karaffe auf dem Beistelltisch ein. »Jetzt wissen Sie genauso viel wie wir, Louis. Was raten Sie uns?«
Seit wann war es denn Louis’ Job, Einfluss auf die Außenpolitik von New Terra zu nehmen? Doch gleichzeitig dachte ein sehr viel lautstärkerer Teil seines Verstandes etwas anderes: New Terra könnte meine neue Heimat werden. Ich möchte hier mitmischen dürfen! Es schmerzte ihn regelrecht, es eingestehen zu müssen: »Ich weiß nicht genug, um Ihnen irgendeinen Rat geben zu können.«
Wie zum Gruß hob Sigmund das Glas. »Zu erkennen, wie wenig wir wissen, ist der erste Schritt zur Weisheit.«
Ein unerwartetes Geräusch weckte Achilles. Mit müden Augen blickte er sich um. Da war das Geräusch schon wieder: ein leises, behutsames Klopfen. Und dann leise Stimmen: »Euer Exzellenz!«
Vesta!
Achilles wuchtete sich auf die Hufe. Um seine immer noch für die Schlafperiode abgedunkelte Zelle herum hatten sich drei Gestalten versammelt. Die schlanke da vorn war Vesta. Wer waren die beiden anderen, die im Augenblick schwiegen? Sie waren hochgewachsen, ziemlich kräftig gebaut und wirkten ein wenig verrückt, so wie Schläger oder Wachen. »Was gibt es?«, fragte Achilles schlaftrunken.
»Die Zeit ist da, Sie herauszuholen«, sang Vesta. Er senkte die Köpfe. »Die Beratungen des Gerichts verheißen nichts Gutes.«
»Dann tun Sie es doch endlich: Holen Sie mich hier heraus!«, fauchte Achilles, endlich wach.
Vesta gestikulierte, und einer der beiden Schweigenden zog einen Transportregler aus der Schärpe. »Die Zugangsscheibe sollte jetzt aktiv sein, Euer Exzellenz.«
Achilles trottete auf die Stepperscheibe in der Mitte seiner Zelle – und trat von einer anderen Stepperscheibe in dem nur matt beleuchteten Raum, der seine Zelle einschloss. »Wie lautet der Plan?«, fragte er Vesta.
»Diese beiden hier gehören zu Ihren treuesten Anhängern. Sie werden Sie nach Greensward Field bringen. Dort steht ein voll bemanntes Schiff bereit. Man erwartet Ihre Befehle.«
Greensward war ein bestenfalls drittklassiger Raumhafen – kein Ort, an dem man sich aufhalten mochte, eher im Gegenteil: Man wollte gleich wieder fort. Wenn die Zeit gekommen ist, auf die Heimatwelt zurückzukehren, versprach sich Achilles selbst, dann über einen Hafen, der diesen Namen verdient!
Doch das käme später. »›Diese beiden‹ haben Sie gesagt. Kommen Sie denn nicht mit?«
»Hier bin ich deutlich nützlicher.« Nervös zupfte Vesta an seiner Mähne. »Exzellenz, wir müssen uns beeilen! Die Wachen bleiben nicht ewig bewusstlos!«
Achilles trat ein wenig näher, sodass er die Insignien auf den Schärpen seiner Begleiter erkennen konnte. Sie gehörten zum Sicherheitsdienst des Geheimen Direktorats. Wer hätte die Wachen vor seiner Zelle besser überraschen können? Und wenn Vesta an Ort und Stelle bliebe und weiterhin die Rolle von Nikes Konfidenten einnähme, könnte das sicher nützlich sein. »Also gut, Vesta. Ich werde nicht vergessen, dass Sie im entscheidenden Moment eigenständig die Initiative ergriffen haben.«
Zustimmend ließ Vesta beide Köpfe auf und ab hüpfen. »Es ist mir eine Ehre, Ihnen zu dienen, Exzellenz.«
Sie trabten an den beiden betäubten Wachen vorbei, die zusammengebrochen auf dem Boden lagen. Dann ging es eine Treppe hinauf, an einer internen Sicherheitsstation vorbei, vor der drei weitere betäubte Wachen lagen, und einen langen Gang hinab. Schließlich gelangten sie in einen nicht abgeschirmten Teil des Gebäudes, der über Stepperscheiben auch für die Allgemeinheit zugänglich war.
Nervös scharrte Vesta mit den Hufen und drehte sich zu einem von Achilles’ Begleitern um. »Durchführen wie angeordnet! Aber machen Sie schnell!«
Die falsche Wache
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