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Virus (German Edition)

Virus (German Edition)

Titel: Virus (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kristian Isringhaus
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immer die meiste Freude bereitet? Natalias Gesellschaft. Okay,
schlechtes Beispiel. Was hatte ihm früher die zweitgrößte Freude beschert?
Anderen Menschen zu helfen, sie zu unterstützen, sie zu lenken, ihnen Hoffnung
zu geben. Debbie hatte Recht. Das konnte er auch tun, ohne an Gott zu glauben.
    Vielleicht würde es ihm wieder
Freude bereiten, aber selbst wenn nicht, so würde es doch zumindest eines
erreichen: Es würde seinem Leben wieder einen Sinn geben. In diesem Moment
beschloss Holger, seinen Beruf als Pfarrer wieder ernst zu nehmen, wieder ein
guter Hirte für seine Herde zu werden.

79.
    Wegmann frohlockte, dieser Tag
wurde besser und besser. Er hatte Lars in der Hoffnung angerufen, erfahren zu
können, wo sich Bruncke aufhielt, denn er musste mit dem BKA-Chef sprechen.
Nicht nur hatte er erfahren, dass Bruncke im Hotel ‚Seeadler’ mit dem
Innenminister konferiere, sondern nebenbei hatte er auch noch in Erfahrung
gebracht, dass Herforth aufgrund eines anonymen Anrufs nach einem
Globalisierungsgegner fahndete. Auch das würde er prächtig gegen sie verwenden
können. Herforths Stern war dabei, unterzugehen. Zudem hatte Lars ihn auf den
neuesten Stand gebracht. Offenbar ging man nun von einem religiös motivierten
Täter aus und hatte die Systematik des Mörders, was seine Opferauswahl
anbelangte, durchschaut.
    Wegmann musste nicht einmal lange
in der Lobby des Hotels warten, bis er Bruncke sah. Der BKA-Mann machte einen
erleichterten Eindruck. Was konnte er mit dem Minister besprochen haben?
Wegmann hatte keinen Schimmer, doch er würde es bald erfahren. Er stand von dem
Sofa, auf dem er Kaffee schlürfend gewartet hatte, auf und ging auf Bruncke zu.
    „Guten Morgen, Herr Bruncke”,
sagte er mit ernster Miene. „Hätten Sie eine Minute für mich?”
    „Herr Wegmann.” Der BKA-Chef sah
ihn überrascht an. „Bitte wenden Sie sich doch an Ihre Vorgesetzte. Ich habe
wirklich keine Zeit für Sie.”
    „Das ist es ja gerade”, erwiderte
Wegmann. „Ich kann Frau Herforth nicht erreichen, weil sie einem anonymen Anruf
folgend nach einem Globalisierungsgegner fahndet. Sie scheint recht verzweifelt
zu sein, wenn sie schon derartigen Spuren nachgeht. Doch während Frau Herforth
so ihre Zeit verschwendet, habe ich neue Erkenntnisse ermittelt, die absolut
keinen Aufschub zulassen. Diese Sache hier ist weitaus größer, als wir alle
bislang angenommen haben. Es geht um eine ernsthafte Bedrohung.”
    Bruncke sah ihm lange und prüfend
in die Augen, doch Wegmann hielt seinem Blick mit ernster, besorgter Miene
stand. Er brauchte nicht einmal allzu große schauspielerische Qualitäten an den
Tag zu legen, denn die neuen Entwicklungen waren in der Tat besorgniserregend.
Oder um es ein wenig präziser auszudrücken: Besorgniserregend für den Rest der
Welt und ein Segen für ihn.
    „Okay”, sagte Bruncke
schließlich. „Kommen Sie mit mir, Herr Wegmann.”
    Der BKA-Mann führte ihn in einen
Seminarraum des Hotels.
    „Wir nutzen diesen Raum häufiger
für Meetings”, erklärte Bruncke. „Hier können wir ungestört reden. Setzen Sie
sich bitte, Herr Wegmann.”
    Die beiden Männer nahmen am
großen Konferenztisch aus schwarz lackiertem Holz Platz.
    „Und jetzt erzählen Sie: Was für
eine ernsthafte Bedrohung entsteht durch die Morde?” fragte Bruncke.
    „Im Blut der Professoren Meng
Hong und Dickinson ist ein und derselbe Krankheitserreger gefunden worden, ein
Coronavirus”, begann Wegmann. „Dieser Virus ist anschließend als ein SARS
auslösender identifiziert worden. Fachleute sprechen von einem
SARS-assoziierten Coronavirus. Doch die Tatsache, dass beide Opfer den gleichen
Erreger in sich trugen, ist nicht einmal das Beunruhigendste.” Wegmann machte
eine spannungsgeladene Pause und blickte Bruncke direkt in die Augen, um seinen
Worten mehr Dramaturgie zu verleihen. „Es darf als überaus unwahrscheinlich
oder sogar nahezu unmöglich eingestuft werden, dass die Professoren sich auf
natürlichem Wege infiziert haben. Erstens ist der Virus seit 2003 nicht mehr
aufgetreten. Zweitens waren beide Opfer Epidemiologen, keine Virologen. Sie
hatten also mit Viren direkt nichts zu tun. Und drittens waren beide in den
letzten anderthalb Jahren in keinem asiatischen Land, wo Epidemien dieser Art
häufig ihren Ursprung nehmen.”
    „Verstehe”, schob Bruncke ein.
„Und was schließen Sie daraus?”
    Wegmann gab sich Mühe, ein
ernstes Gesicht aufrecht zu erhalten. Er hatte den BKA-Chef gefesselt, doch

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