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Von Feuer und Nacht

Von Feuer und Nacht

Titel: Von Feuer und Nacht Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kevin J. Anderson
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Küsse und zärtlichen Berührungen. Sie entsann sich an ihre erste Umarmung - und daran, wie sie des Nachts überfallen und aus dem Prismapalast gebracht worden war, wo ildiranische Wächter die alte Botschafterin Otema umgebracht hatten. Das verzierte Schiff landete, den Bug auf die Hauptsiedlung gerichtet, von der noch immer Rauch aufstieg. Die ersten Ildiraner, die das Kampfboot verließen, gehörten zum Soldaten-Geschlecht und waren auf einen Kampf vorbereitet. Erstaunt musterten sie die schmutzigen, erschöpften Personen, die wie schuldbewusste Kinder vortraten, in Erwartung einer harten Strafe.
    Dann trat Jora'h nach draußen, gekleidet in ein prächtiges Gewand mit eingenähten Streifen, die im Sonnenschein glit zerten. Seine Augen fanden Nira, und er starrte sie an, nahm ihren Anblick in sich auf.
    Zuerst zitterten ihre Beine, und ihre Füße fühlten sich an, als hätten sie Wurzeln entwickelt. Dann brach etwas in ihr, und alles Zögern verschwand. Sie lief los, direkt auf ihn zu.
    Die ildiranischen Wächter zogen ihre Waffen, um sie zurückzuhalten, doch der Weise Imperator sagte laut: »Wer sie anrührt, wird von mir persönlich hingerichtet!« Die Wächter erstarrten sofort, wie von einem Lähmstrahl ge- troffen.
    Nira setzte den Weg zu Jora'h fort, aber langsamer, von neuer Unsicherheit erfüllt. Als sie schließlich vor ihm stehen blieb, fürchtete sie fast, von ihm berührt zu werden. Nach ihren Erfahrungen auf Dobro war es nahezu unmöglich für sie, sich nicht bedroht zu fühlen. Doch sie widerstand der Versuchung, wieder zurückzuweichen. Ganz sanft umarmten sie sich.
    »Du lebst«, sagte er zärtlich und ungläubig. »Du lebst.« Nira stützte den Kopf an seine von verziertem Stoff bedeckte Brust, fühlte Jora'hs Herzschlag und hörte die Wärme in seiner Stimme. »Udru'h hat mehr als einmal von deinem Tod gesprochen. Und dann sagte er plötzlich, dass du lebst. Ich wusste nicht, ob ich ihm glauben konnte, aber jetzt sehe ich, dass es stimmt.«
    »Ja, ich lebe.« Nira sah zu Jora'hs Gesicht auf. »Trotz allem.« So viel war geschehen. Es hatte so viele Stürme und Albträume gegeben, so viel Leere.
    »Wie weit kann ich dir trauen, Jora'h? Was kann ich noch glauben?«
    Die Bewohner von Dobro, Ildiraner und Menschen, warteten darauf, dass der Weise Imperator sprach. Sie fürchteten seine Reaktion. Jora'h schien eine immens schwere Bürde zu tragen, und Nira sehnte sich danach, ihn zu trösten, trotz ihrer Zweifel.
    Einige Sekunden rang er mit sich selbst und suchte nach geeigneten Worten. »Ich werde dir zeigen, was du glauben kannst. Es wird keine Geheimnisse zwischen uns geben ... aber vielleicht dauert es eine Weile.«

2 WEISER IMPERATOR JORA'H
    Jora'h sah über Nira hinweg zu den Resten niedergebrannter Gebäude. Bedrückt versuchte er sich vorzustellen, wie viele Leben an diesem Ort geopfert worden waren.
    Er hatte noch immer die Arme um Nira geschlungen und wusste, dass sie zu ihnen gehörte. Sie war älter geworden; in entbehrungsreiches Leben und viel Leid hatten Spuren an ihr hinterlassen. Die Erkenntnis, dass er selbst teilweise die Verantwortung dafür trug, zerriss ihm fast das Herz. Nira sah erwartungsvoll zu ihm auf. Ihr Gesicht, in dem qualvolle Erinnerungen und Erfahrungen tiefe Falten bildeten, erhellte sich, als hätte die tote Sonne Durris-B für sie wieder zu leuchten begonnen. Aber sie war auch wachsam -kein Wunder nach all den Jahren des Leids. Was musste sie nur von ihm denken?
    Seit der Besteigung des Throns verfolgten ihn die Projekte, die sein Vater in Bewegung gesetzt hatte und die er fortführen musste. Selbst als Weiser Imperator war er nicht in der Lage gewesen, ihren Verstrickungen zu entkommen. Er sah zum klaren, leeren Himmel hoch, dankbar dafür, dass die Hydroger keine Aufpasser-Kugelschiffe nach Dobro geschickt hatten, so wie nach Hyrillka, Dzelluria und zu mindestens elf anderen Splitter-Kolonien - gar nicht so subtile Drohungen, die die Kooperationsbereitschaft der Ildiraner garantieren sollten.
    Wie viele Designierte lebten in Furcht, weil Hydroger-Schiffe über ihren Welten schwebten, während sich die meisten Schiffe der Solaren Marine bei Ildira sammelten, um auf die Anweisungen der Hydroger zu warten? Adar Zan'nh war bereits zur Erde aufgebrochen, mit einem angeblich gut gemeinten Angebot. Die Fremden aus den Tiefen der Gasriesen würden ihn genau beobachten.
    Aber der Zorn des hiesigen Aufstands hatte alles andere verdrängt und Aufmerksamkeit verlangt.

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