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Wallander 02 - Hunde von Riga

Wallander 02 - Hunde von Riga

Titel: Wallander 02 - Hunde von Riga Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Henning Mankell
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Putnis. »Wir hoffen auch, nachweisen zu können, daß sie in den letzten Jahren in Drogengeschäfte verwickelt waren. Hagelman, so heißt der Verdächtige, würde außerdem nicht zögern, seine Mithelfer zu foltern oder zu ermorden, wenn er es für angebracht hielte. Er ist natürlich nicht allein gewesen. Wir suchen gerade nach weiteren Mitgliedern seiner Bande. Da viele von ihnen sowjetischer Staatsangehörigkeit sind, können sie sich leider in ihrem Heimatland befinden. Außerdem haben wir einige von Hagelmans Waffen gefunden. Wir untersuchen, ob die Kugeln, die Leja und Kalns töteten, aus einer dieser Waffen abgefeuert wurden.«
    »Die Verbindung zu Major Liepas Tod«, fragte Wallander. »Worin kann sie bestehen?«
    »Wir wissen es noch nicht«, antwortete Putnis. »Aber es war ein überlegter Mord, eine Hinrichtung. Er ist nicht einmal ausgeraubt worden. Wir müssen annehmen, daß es mit seiner Arbeit zu tun hat.«
    »Kann Major Liepa ein Doppelleben geführt haben?« fragte Wallander.
    Putnis lächelte müde.
    |142| »Wir leben in einem Land, in dem wir die Kontrolle unserer Mitbürger bis zur Vollendung entwickelt haben«, sagte er. »Das gilt vor allem für die interne Kontrolle der Polizei. Hätte Major Liepa ein Doppelleben geführt, wäre uns das bekannt gewesen.«
    »Wenn nicht jemand seine schützende Hand über ihn gehalten hätte«, erwiderte Wallander.
    Putnis sah ihn erstaunt an.
    »Wer sollte das sein?« fragte er.
    »Ich weiß nicht«, sagte Wallander. »Ich habe wohl nur laut gedacht. Ein nicht besonders qualifizierter Gedanke, fürchte ich.«
    Putnis stand auf.
    »Ich hatte eigentlich vor, Sie heute abend zu mir nach Hause zum Essen einzuladen«, sagte er. »Leider geht es nicht, weil ich das Verhör fortsetzen will. Vielleicht hatte Oberst Murniers ja dieselbe Idee? Es ist sehr unhöflich, Sie in einer fremden Stadt allein zu lassen.«
    »Das Hotel ›Latvija‹ ist ausgezeichnet«, meinte Wallander. »Außerdem hatte ich vor, meine Überlegungen in diesem Fall zu notieren. Dazu kann ich den Abend nutzen.«
    Putnis nickte.
    »Dann sagen wir morgen abend«, sagte er. »Ich möchte, daß Sie mich und meine Familie besuchen. Meine Frau Ausma ist eine sehr gute Köchin.«
    »Gern«, sagte Wallander. »Das ist sehr freundlich.«
    Putnis ging, und Wallander drückte auf die Klingel. Er wollte das Polizeihauptquartier verlassen, bevor Murniers die Gelegenheit hatte, ihn zu sich nach Hause oder in ein Restaurant einzuladen.
    »Ich fahre jetzt ins Hotel«, sagte Wallander, als Sergeant Zids in der Tür stand. »Ich habe einige Schreibarbeit, die ich heute abend in meinem Zimmer zu erledigen gedenke. Sie können mich morgen früh um acht Uhr abholen.«
     
    |143| Nachdem der Sergeant ihn am Hotel abgesetzt hatte, kaufte Wallander an der Rezeption Ansichtskarten und Briefmarken. Außerdem bat er um einen Stadtplan. Da der im Hotel angebotene Plan viel zu ungenau war, ließ er sich eine Wegbeschreibung zu einer Buchhandlung in der Nähe geben.
    Wallander sah sich in der Einangshalle um. Nirgends konnte er einen Mann entdecken, der Tee trank oder Zeitung las.
    Sie sind noch da, dachte er. Jeden zweiten Tag werden sie sichtbar sein, die anderen Tage unsichtbar. Sie wollen mich verunsichern, mich an meiner Beobachtungsgabe zweifeln lassen.
    Er verließ das Hotel, um die Buchhandlung zu suchen. Es war bereits dunkel geworden, und der Bürgersteig naß vom Schneeregen, der immer noch fiel. Es waren viele Leute unterwegs, und Wallander blieb hin und wieder stehen, um ein Schaufenster zu betrachten. Es waren nur wenige und immer die gleichen Waren ausgestellt. Als er zu der Buchhandlung kam, warf er einen schnellen Blick über die Schulter. Nirgendwo konnte er jemanden ausmachen, der plötzlich stehenblieb.
    Ein älterer Mann, der kein Wort Englisch sprach, verkaufte ihm einen Stadtplan. Er sprach ununterbrochen lettisch, als ob er sich einbildete, daß Wallander ihn trotz allem verstehen würde. Wallander kehrte ins Hotel zurück. Irgendwo hinter oder vor ihm war ein Beschatter, den er nicht sehen konnte. Er beschloß, am nächsten Tag einen der Obersten zu fragen, warum er überwacht wurde. Er nahm sich vor, dies freundlich zu tun, ohne Sarkasmus oder Gereiztheit.
    An der Rezeption fragte er, ob jemand für ihn angerufen habe. Der Portier schüttelte den Kopf.
No calls, Mister Wallander. No calls at all.
    Er ging auf sein Zimmer und schrieb die Ansichtskarten. Um der Zugluft auszuweichen, zog er den

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