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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Titel: Wanderungen durch die Mark Brandenburg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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sei,
    müsse derselbe Fell oder Federn lassen, worauf der
    Feldmarschall Derfflinger antwortete: ›Wohlan, Mon-
    seigneur, ich glaubte, als General verbunden zu sein,
    meine Meinung zu sagen, welcher Art ich es für am
    vorteilhaftesten und sichersten hielte; aber wenn es
    Eure Hoheit gefällt, die andre Meinung zu wählen, so
    hält mich dies nicht ab, dem Feinde allen Schaden zu

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    tun, wenn dies auch mit mehr Gefahr und größerem
    Wagnis verbunden ist.‹
    Der Feind hatte mittlerweile, durch den Prinzen von
    Homburg gedrängt, seinen Rückzug immer weiter
    fortgesetzt und stand jetzt bei dem Dorfe Haken-
    berg, zwischen Linum und Fehrbellin. Er sperrte den
    über das Plateau führenden Weg und hatte das Luch
    zur linken, ein Gehölz zur rechten Hand. In Nähe
    dieses Gehölzes befand sich ein kleiner Sumpf,
    daneben ein paar Sandhügel, auf deren Höhe
    Strauchwerk wuchs. An dieser Stelle drangen wir vor, postierten auf die Höhe der Sandhügel unsre
    Geschütze und gaben ihnen, da wir keine Infanterie
    zur Hand hatten, das Regiment Derfflinger-Dragoner
    zur Bedeckung, das an diesem Tage, da sein O-
    berstlieutenant bei Rathenow getötet worden war,
    vom Capitain von Kottwitz geführt wurde. Bei jedem
    Geschütze standen 50 bis 100 Mann, einigermaßen
    durch die Büsche geschützt. Gleichzeitig stellten wir
    noch vier Schwadronen auf: eine von den Trabanten
    und drei vom Regiment Anhalt. Sie waren nicht gut
    placiert; aber wir mußten es, da das Fußvolk fehlte
    und wir die Geschütze nicht ohne Deckung lassen
    durften.
    Der Prinz von Hessen-Homburg stand dem feindli-
    chen linken Flügel gegenüber, also dem Luche zu.
    Nun begannen wir, unsere Geschütze spielen zu las-
    sen. Der Feind indessen, als er wahrnahm, daß wir
    kein Fußvolk hatten, avancierte mit einem Infante-
    rieregiment gegen unsere Hügelposition. Dies wurde

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    von G. E.2) bemerkt. Er eilte sofort zum Generalfeld-
    marschall Derfflinger und sagte ihm: ›wenn er nicht
    schnell die vier Eskadrons von den Trabanten und
    dem Regiment Anhalt unterstütze, würden die Ge-
    schütze verlorengehen‹. Da er sich dabei ein gewis-
    ses Ansehen gab, welches dem Generalfeldmarschall
    Derfflinger nicht gefiel, so sagte dieser: ›er solle sich keine Sorgen machen, sondern nur tuen, was seine
    Schuldigkeit sei‹. Da ich mittlerweile sah, daß die
    Not wirklich drängte, so sagte ich dem Feldmar-
    schall, während ich zugleich um der Freiheit willen,
    die ich mir nahm, um Entschuldigung bat, ›daß die
    Feinde schon mit gefällten Piken vorrückten und daß
    es sich vielleicht empfehlen würde, zwei oder drei
    weitere Eskadrons durch das kleine, ganz unbesetzte
    Holz vorrücken zu lassen, um die vier gefährdeten
    Eskadrons sowie die seines eigenen Regiments zu
    soutenieren‹. Dies fand er gut. Er sagte mir also:
    ›Mein Herr, da Sie heute die Gegend rekognosziert
    haben, kennen Sie die Situation; und so bitte ich Sie,
    drei Eskadrons, die Sie zuerst finden, durch das lich-
    te Holz zu führen und die Geschütze dadurch besser
    zu decken.‹ Als ich drei Eskadrons zur Hand hatte,
    begegnete ich dem Prinzen von Homburg. Er fragte
    mich, ›wohin ich wolle‹, und als ich ihm die erhalte-
    nen Befehle mitteilte, antwortete er mir, ›er wolle
    mitgehen‹. Und so nahm er das Kommando. Es war
    die höchste Zeit. Denn die vier Eskadrons von den
    Trabanten und dem Regiment Anhalt flohen bereits
    und schrien die Derfflinger-Dragoner um Hülfe an.
    Diese aber, die gewillt waren, sich bei den Geschüt-
    zen niederhauen zu lassen, konnten ihnen keine Hül-
    fe gewähren. In diesem Augenblicke war der Prinz

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    von Homburg heran und attackierte das schwedische
    Fußvolk. Es war das Infanterieregiment Dalwigk, frü-
    her Königsmarck, und nachdem der Kampf eine Wei-
    le hin und her geschwankt hatte, wurde der Feind in
    Stücke gehauen. Nicht zwanzig Mann entkamen;
    sechzig oder siebzig wurden gefangengenommen,
    der Rest war getötet. Unter ihnen der Kommandeur,
    Oberstlieutenant von Maltzahn. Er fiel an der Tête
    des Regiments. Dies war ein sehr tapferer Mann, der
    in großer Achtung bei den Schweden stand. Er starb
    ja auch gut.«
    Ich breche hier die Mitteilungen aus »von Buchs Ta-
    gebuch« ab, da mir nur daran lag, aus jenen Mittei-
    lungen das herauszugreifen, was in nähere Bezie-
    hung zu Derfflinger tritt.
    Fehrbellin war geschlagen, aber der Krieg nicht be-
    endet. Zur Strafe für den tückischen Angriff sollten
    die Schweden jetzt in ihren

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