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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

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Titel: Wanderungen durch die Mark Brandenburg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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    1144
    wahrnehme und spüre, wie nützlich und nöthig mir
    eine solche Person sei, auf die Ich mich verlassen
    und welche allemahl bei mir gegenwärtig sein könne,
    umb bei allerhand vorfallenden wichtigen Angele-
    genheiten mir mit raht und taht an Hand zu gehen,
    zumahlen da Ihr nach Gottes Verhängniß nun eine so
    geraume Zeit hero unpäßlich und nicht im stunde
    gewesen Eure Dienste bei mir zu versehen, als hat
    es sich neulicher Tagen also gefüget, daß der Maré-
    chal Graf von Schomberg, welcher der Religion hal-
    ber Frankreich und Portugal verlassen müssen, sich
    allhier bei Mir eingefunden und sich nicht abgeneigt
    gezeiget, meine Dienste allen anderen zu präferiren,
    ungeachtet Ihm vom Kayser, Engelland und Prinz
    von Oranien allerhand stattliche und vortheilhafte
    Conditions offeriret worden. Ich habe mich solchem
    nach in Gottes Namen resolviret, denselben in Mei-
    nen Diensten zu accomodiren, und ihm die Stadthal-
    terschaft in Preußen, wie auch das Generalat über
    meine Truppen zu conferiren... Und gleichwie Ich der
    Zuversicht lebe, daß er Mir und Meinem kurfürstli-
    chen Hause gute und nützliche Dienste werde leisten
    können, also bin ich auch versichert, Ihr werdet als
    einer meiner liebsten ältesten und treuesten Diener diese meine gefaßte Resolution und Wahl allerdings
    in unterthänigkeit approbiren .«

    Dem alten Feldmarschall aber, der sich einfach zu-
    rückgesetzt fühlte (er war einundachtzig), genügten
    diese huldvollen Ausdrücke keineswegs, und er ant-
    wortete:

    1145

    »Durchlauchtigster Churfürst, Gnädigster Herr .
    Eure Kurfürstliche Durchlaucht gnädigstes Rescript
    unterm Dato Cölln an der Spree den 16. April habe
    ich heute mit unterthänigstem Respekt erhalten und
    mit mehreren daraus verstanden, wie Eure Chur-
    fürstl. Durchlaucht gnädigst resolviret, den Herrn
    Marschall Grafen von Schomberg das Generalat über
    Dero Truppen zu conferiren. Ob ich nun zwar woll
    gemeinet, daß Ew. Churfürstl. Durchlaucht meine
    denenselben treu geleisteten unterthänigsten, lang-
    wierigsten Dienste, wozu ich auch den Rest meines
    Lebens gänzlich gewidmet gehabt, hätten gnädigst
    consideriren wollen, insonderheit da mir Gott nun-
    mehro einen guten Anfang zu meiner Besserung ver-
    liehen hat, so habe ich doch Ew. Churfürstl. Durch-
    laucht gefaßte anderweite gnädigste Resolution (die mir in meinem hohen Alter niemand vermuthet) vernehmen müssen.«
    Und so klagt er weiter und schließt damit, daß er
    persönlich »vorstellig« werden wolle.
    Der Kurfürst gab auch diesmal wieder, soweit er konnte, der Empfindlichkeit seines Dieners nach und
    ernannte den Duc nicht zum Feldmarschall, sondern beließ ihm nur seinen Titel als »Maréchal«, den er
    bereits in französischen Diensten geführt hatte.
    Aber neben dieser Empfindlichkeit her ging ein sehr
    feines Pflicht- und Ehrgefühl, so daß Pöllnitz mit al-

    1146
    lem Rechte von ihm schreiben durfte: »Das elende
    Handwerk eines Hofmannes war ihm fremd; Eigen-
    nutz und Prachtliebe haßte er gleich stark«, Äuße-
    rungen, die lebhaft an die Worte erinnern, die Prinz
    Heinrich dem alten Zieten widmete: »Was ihn mehr
    auszeichnete als sein rascher Blick und sein hoher
    Mut, das waren seine Rechtschaffenheit und Uninte-
    ressiertheit und seine Verachtung gegen alle diejeni-
    gen, die sich auf Kosten unterdrückter Völker berei-
    cherten.« Überhaupt zeigen diese beiden, neben Blü-
    cher und Seydlitz populärsten preußischen Reiterfüh-
    rer eine große Übereinstimmung: Frömmigkeit, Ehr-
    lichkeit, Derbheit. Daneben eine bevorzugte Stellung
    zu den zwei größten Hohenzollern und das Ausster-
    ben ihrer Familie in der nächsten Generation. Auch
    darin sind sie sich ähnlich, daß beide gute Landwirte,
    überhaupt gute Wirte waren und etwas vor sich
    brachten.
    Dies führt uns auf Derfflingers Besitzverhältnisse .
    Diese waren die glänzendsten, und Graf Lippe, in
    seiner trefflichen, an mehr als einer Stelle von mir
    benutzten Biographie des Helden, durfte von ihm
    sagen, »daß er zu den märkischen Granden erster
    Klasse« gehört habe. Seine bloßen jährlichen Gehäl-
    ter beliefen sich auf etwa 18 000 Taler, die er aus
    seinen hohen Stellungen als Generalfeldmarschall,
    Geheimer Kriegsrat, Statthalter von Hinterpommern,
    Obergouverneur aller Festungen und Oberster dreier
    Regimenter2) zog. Zu diesen Gehältern kam ein be-
    deutendes Barvermögen und die Revenue von sechs
    märkischen und vierzehn

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