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Weltenfresser - Die Tränen der Medusa (German Edition)

Weltenfresser - Die Tränen der Medusa (German Edition)

Titel: Weltenfresser - Die Tränen der Medusa (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Carl Sulz
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Etwas beschäftigt dich – ist es sie ? Spürst du sie ?«
    Tyark zuckte leicht zusammen und fühlte sich beinahe ertappt. Tatsächlich hatte Zaja genau gespürt, was in ihm vorgegangen war, seit er in dieser Kaverne zu sich gekommen war. In all der Lebensgefahr und dem Rausch, den er in dem Scharmützel erlebt hatte, war eine bestimmte Ahnung in den Hintergrund gerückt – doch nur, um nun immer stärker an die Oberfläche seines Bewusstseins zu drängen.
    Tyark spürte zunehmend, dass noch vor gar nicht allzu langer Zeit eine starke Präsenz in dieser Festung zugegen gewesen war – sie .
    Es war, als läge überall ihr Geruch, wie der feine Staub, der hier alles bedeckte. Allerdings war ihre Präsenz hier seltsam schwach, als sei sie weit weg, an einem anderen Ort.
    Und tief in seinem Herzen spürte er immer noch diese tiefe, unnatürliche Sehnsucht nach ihr, nach ihrer Liebe. Als ob sie in diesem dunklen Kerker das Einzige war, das Hoffnung versprechen konnte.
    Unsicher blickte er in Zajas tiefgrünen Augen und einen Augenblick lang fühlte er sich ihr sehr nahe. »Ja – ich glaube, ich spüre sie. Allerdings nur schwach. Ich spüre deutlich, dass sie hier gewesen ist, vielleicht vor gar nicht allzu langer Zeit. Aber jetzt ist hier nur dunkler Fels und Staub.«
    Tyark nahm etwas von dem überall liegenden Staub auf und warf ihn in die Luft. Zaja beobachtete ihn aufmerksam und sagte: »Du spürst also ihre Präsenz – sie war hier? Meinst du, sie hat die Bergleute – getötet?«
    Tyark überlegte kurz und sprach dann, während er im Staub mit den Fingern herumkritzelte: »Nein – ich denke nicht, dass sie die Bergmänner einfach nur getötet hat. So leicht wird sie es ihnen nicht gemacht haben. Je länger wir hier drin sind, desto mehr fürchte ich, dass wir auch die Kinder nicht mehr lebend wiederfinden werden.«
    Sein Blick huschte verstohlen zu Jobdan und Pereo. Zaja blickte zu Boden und Tyark ahnte, dass auch sie schon lange nicht mehr vom Gegenteil ausgegangen war.
    Sie legte schließlich ihre Hand auf sein Knie und sprach leise: »Vielleicht werden wir morgen endlich wissen, was hier passiert ist. Sag – hast du weiter über deine Träume nachgedacht? Ich meine, über diese beiden Mädchen?«
    Ihre Hand fühlte sich auf einmal sehr schwer an und Tyark spürte das Verlangen, sie mit einer groben Bewegung von seinem Bein zu wischen. Rasch antwortete er: »Nein, mir ist nichts weiter eingefallen. Ich kenne die beiden Mädchen nicht. Ich weiß auch nicht, weshalb ich von diesen gesichtslosen Kindern träume! Wobei sie irgendwie immer älter zu werden scheinen. Es ist fast so, als würde der Traum immer weiter gehen. Wie eine Geschichte, weißt du?«
    Zaja blickte nachdenklich auf den dunklen Monolithen hinter ihm und sagte dann: »Vielleicht sind diese Träume noch viel mehr als nur Botschaften – vielleicht siehst du etwas, das sich vor langer Zeit irgendwo in dieser Gegend zugetragen hat. Wie eine Erinnerung von jemandem...«
    Tyark nickte zustimmend und fragte: »Aber warum habe ich dann nicht mehr solche...äh, Träume wie zu Beginn? In denen ich mich frei bewegen konnte, meine ich? Natürlich bin ich froh, nicht mehr Gefahr zu laufen, ihr zu begegnen...aber...«
    Er beendete den Satz nicht, fürchtete er doch, dass Zaja spüren könnte, dass er auch gleichzeitig große Sehnsucht danach empfand, wieder in diese seltsame Welt des Zwielichts einzutauchen.
    »Ich weiß es nicht – ich hoffe sehr, dass wir bald mit Bruder Goswin reden können. Er wird dir weiterhelfen, da bin ich mir sicher. Mir scheint es aber, dass diese beiden Arten von Träumen irgendetwas miteinander zu tun haben. Ich weiß nur noch nicht, was.«
    Gedankenverloren blickte Tyark neben sich in den Staub. Als er sah, was seine rechte Hand dort gemalt hatte, krampfte sich sein Herz zusammen. Er hatte, ohne es zu bemerken, die Gestalt einer Frau gemalt - die Arme einladend geöffnet und hinter der Gestalt ein strahlendes Licht...
    Hastig wischte er seine Zeichnung schnell weg und blickte verstohlen zu Zaja – einen kurzen Moment überzeugt davon, in Augen zu blicken, die ihn voller Angst und Misstrauen anschauen würden.
    Doch Zaja hatte zu Jobdan hinübergeblickt, der in seinem unruhigen Schlaf laut gestöhnt hatte. Als sie sich wieder ihm zuwendete blickte sie seine schwarze Hand an und sagte stirnrunzelnd: »Deine Hand ist schwarz.«
    Schuldbewusst glotzte Tyark seine Hand an. »Ich glaube, das hier ist gar kein Staub.«
    Vorsichtig

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