Weltenfresser - Die Tränen der Medusa (German Edition)
Draugr zu finden ist. Bei besonders verfluchten Orten vielleicht sogar mal zwei! Oder gar drei... Aber hier...ich alleine habe sicher fünf von ihnen gesehen! Versteht ihr, was das bedeutet?!«
Sein Augenlied zuckte leise als er unwirsch erklärte: »Es gibt nur zwei Arten, einen Draugr zu sehen. Eine davon habe ich im Krieg erlebt. Es war an einer Hügelkette, an der wir bereits Hunderte Männer verloren hatten. Während eines heftigen Gewitters habe ich mit ein paar Männern in der Abenddämmerung das Schlachtfeld nach Überlebenden durchsucht. Ich watete durch blutigen Regen und zerfetzte Körper, die überall verstreut lagen.
Ich war weit bereits von den anderen entfernt, als ich während eines Blitzes dann meinen ersten Draugr gesehen. Ein runzeliges, altes Weib. Sie war wohl gerädert worden, jedenfalls war ihr geschundener Körper an ein Rad gebunden. Sie kniete neben einem Toten und kaute an dessen Fingern herum. Das Knirschen der Knochen höre ich noch heute manchmal. Das Schlimmste aber war ihr Blick. Sie starrte mich einfach nur an... niemals werde ich diesen Blick vergessen! Wenn ich träumen würde – ich bin mir sicher, ich würde dieses vermaledeite Weib sehen.«
Sein Auge suchte Halt auf dem Boden. »Jedenfalls bin ich fast verrückt geworden, da sie immer nur im Schein von Blitzen zu sehen war. Im Lichte meiner Fackel war sie vollkommen unsichtbar! Aber auch dann habe ich ihren Blick gespürt... und das Knirschen gehört.«
Pereo brach ab und begann unruhig an seinem Schwergriff zu spielen.
Vorsichtig fragte Tyark: »Und die zweite Art einen Draugr zu sehen?«
Pereo blickte ihn mit dunklem Blick an und erklärte lakonisch: »Von der zweiten Art hat mir mein damaliger Hauptmann erzählt. Und sie ist es, um die wir uns sorgen müssen: Entweder ein Draugr wird in Gewittern sichtbar - oder er will , dass man ihn sieht. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was schlimmer ist!
Niemand weiß, warum Draugr sich manchmal zeigen. Aber es bedeutet nichts Gutes. Viele, die diese Gelegenheit hatte, sind danach umgekommen. Und ihre Leiber wiesen nie irgendwelche Verletzungen auf.«
Fröstelnd erinnerte sich Tyark an den schrecklichen Blick des Draugr, der direkt durch in durchgeschaut hatte – und er erinnerte sich an die entsetzliche Kälte, die seinen Arm hinaufgekrochen war, in Richtung seines Herzens. »Ich habe mit meinem Schwert nach dem Draugr geschlagen. Es ist in seinem Schädel steckengeblieben – man kann sie also... töten ?«
Pereo grinste humorlos und sagte dann: »Ich glaube, du hast zu viel Qual eingeatmet! Ich habe noch nie davon gehört, dass ein Draugr mit normalen Waffen verwundet werden könnte. Nicht einmal mit einer Schwarzen Klinge wie du sie hast. Gegen sie hilft nur Magie oder magische Waffen natürlich.
Ich denke, du hast dir das nur eingebildet – du warst schließlich halb erstickt, als wir euch aus der Halle herausgezogen haben. Und Zaja ging es auch nicht sehr gut.«
Zaja rieb sich ihren Hals und pflichtete Pereo bei: »Ich weiß nur noch, wie mein Stab durch den Kopf des Draugr hindurchging wie durch Luft. Und im nächsten Moment...ich weiß nicht, ich habe nur eine irrsinnige Kälte gespürt. Es hat sich angefühlt, als würde mir das Leben Stück für Stück herausgerissen werden! Es war schrecklich.«
Sie schluckte und fuhr dann fort: »Als nächstes weiß ich nur, wie ich mit Tyark zusammen durch einen langen Korridor gestolpert bin. Er warst halb ohnmächtig und konnte sich kaum noch auf den Beinen halten.«
Tyark sah sich um und erblickte erst dann erschrocken die Gestalt Jobdans, die neben einem kleinen Tümpel lag. »Jobdan...ist er...?«
Pereo drehte sich um und sagte: »Nein. Aber es fehlt nicht mehr viel. Diese... Dinger haben ihn schlimm am Unterleib erwischt. Wenn wir nicht bald hier herauskommen, wird es keine Hilfe mehr für ihn geben.«
Die mächtigen Kiefermuskeln im vernarbten Gesicht des Kriegers arbeiteten.
Tyark wankte vorsichtig zu Jobdan und betrachtete mit Zaja zusammen die tiefen Wunden, welche von diesen seltsamen Käfern hinterlassen worden waren.
Rund um die Einstiche der Rüssel war die Haut dunkel verfärbt, zähes Sekret lief heraus.
Jobdans Haut war nass vor Schweiß, er selbst aber bei Bewusstsein. Mit einem gequältem Lächeln sagte er: »Es tut fast nicht weh...aber ich spüre, dass sie mich übel erwischt haben.«
Tyark atmete tief ein und beobachtete Zaja, wie sie den Verwundeten sanft beruhigte und seine Wunden versorgte, so gut
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