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Weltraumpartisanen 18: Sirius-Patrouille

Weltraumpartisanen 18: Sirius-Patrouille

Titel: Weltraumpartisanen 18: Sirius-Patrouille Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mark Brandis
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wurden, war der Tod auf der Erde nicht mehr so lähmend, so unerbittlich. Hier jedoch mußte man sich mit den Methoden aus der Vorzeit der Medizin behelfen: und das im Angesicht des Todes.
    Es war ein Versuch. Er mochte zu etwas führen; er konnte ebensogut fehlschlagen. Seebeck machte sich nichts vor. Es war auch nicht seine Absicht, Lieutenant Stroganows aufopfernde Pflege in Frage zu stellen. Er war lediglich der Ansicht, daß er zu einem solchen Schritt geradezu verpflichtet war. Es war sein Beitrag – der einzige und der wirksamste, den er liefern konnte.
    Lieutenant Demnitz saß lesend im FK. Die Geräte knisterten. Ferne, verzerrte Stimmen unterhielten sich: Menschen im Raum – irgendwo, auf der langen, einsamen Reise von einem Planeten zum anderen. Verschlüsselte Worte, Sätze in unverständlichem Code. Ein VOR-Schiff wurde gerufen. Seebeck wußte das nur, weil er das schon wiederholt gehört hatte; dem Ruf vorangesetzt war ein akustisches Signal, das sich anhörte wie ein tickender Wecker.
    Lieutenant Demnitz blickte auf.
    »Mr. Seebeck, was kann ich für Sie tun?«
    Seebeck zog Block und Schreibstift an sich heran und brachte ein paar Zeilen zu Papier.
    »Professor Dr. Adler auf dem Uranus«, sagte er, »der Leiter der Klinik. Wäre es kompliziert, zu ihm eine Verbindung herzustellen?«
    Lieutenant Demnitz schien von der Aussicht, etwas zu tun zu bekommen, erfreut zu sein.
    »Eine Privatnummer?«
    »Die Nummer der Klinik.«
    Lieutenant Demnitz trennte das beschriebene Blatt vom Block.
    »Es könnte ein paar Minuten dauern, Mr. Seebeck – je nachdem, was man bei Uranus-Radio gerade zu tun hat. Auf dem direkten Wege käme ich nicht durch.«
    Seebeck nickte.
    »Machen Sie es dringend, Lieutenant.«
    Er zwängte sich in eine Nische zwischen den Geräten und lehnte sich gegen die Wand.
    Lieutenant Demnitz legte sich den Zettel zurecht und rief Uranus-Radio.
    Für Demnitz war es das Alltäglichste auf der Welt. Seebeck jedoch glaubte mit Staunen und Faszination zu sehen, wie das gesprochene Wort sich in Wellen verwandelte, die in Gedankenschnelle durch den eisigen Raum jagten, um auf dem staubigen Planeten wieder die Gestalt einer menschlichen Stimme anzunehmen.
    »Uranus-Radio – SK Invictus.«
    Dreimal, viermal ging der Ruf hinaus, Seebeck wurde nervös, dann kam die Antwort.
    »SK Invictus – Uranus-Radio. Ich kann Sie kaum verstehen.«
    »Ich verdopple.«
    Lieutenant Demnitz fuhr eine zusätzliche Antenne aus.
    »Uranus-Radio – SK Invictus. Sprechprobe. Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs …«
    »SK Invictus – Uranus-Radio. Roger. Jetzt höre ich Sie laut und deutlich. Kommen.«
    Lieutenant Demnitz warf einen Blick auf den Zettel.
    »Ein Gespräch mit der Klinik. Dringend. Professor Dr. Adler. Alfa, Delta, Lima, Echo, Romeo. Er wird verlangt von Mr. Martin Seebeck.«
    »Roger, SK Invictus. Ein dringendes Gespräch mit der Klinik. Professor Dr. Adler von Martin Seebeck. Bleiben Sie auf standby.«
    Das Schiff vibrierte auf einmal. Die Triebwerke waren angesprungen.
    Seebeck warf Demnitz einen fragenden Blick zu. Demnitz bemerkte das nicht. Mit gerunzelter Stirn wartete er auf das Gespräch.
    Die Umlaufbahn war noch lange nicht erreicht. Das Anspringen der Triebwerke mußte andere Gründe haben. Seebeck erfuhr es fast im gleichen Augenblick.
    Major Degenhardt betrat das FK, blieb nach zwei Schritten stehen, überblickte die Situation und fragte scharf: »Was geht hier vor?«
    Lieutenant Demnitz wollte antworten, doch Seebeck kam ihm zuvor.
    »Ich habe eine funkärztliche Beratung beantragt, Major. Der Zustand von Commander Brandis hat sich verschlechtert. Ich hoffe, daß Professor Adler …«
    Seebeck war es nicht beschieden, zu Ende zu reden. Major Degenhardt hatte sich bereits wieder von ihm abgewendet.
    »Streichen Sie das Gespräch, Lieutenant. Ab sofort herrscht absolute Funkstille. Ich wiederhole: absolute Funkstille. Keine Gespräche mehr, keine Bestätigungen. Die Invictus ist von der Bildfläche verschwunden.« Seebeck blickte auf einmal in ein Paar eisiger Augen. »Und Sie, Mr. Seebeck, täten gut daran, mein Schiff nicht mit einer öffentlichen Telefonzelle zu verwechseln.«
    Major Degenhardt verließ das FK. Hinter ihm fiel die Tür ins Schloß. Lieutenant Demnitz machte ein betretenes Gesicht. Er seufzte und fuhr die Antenne ein.
    »Tut mir wirklich leid, Mr. Seebeck.«
    Seebeck hatte wie erstarrt dagestanden. Zu rasch, zu unvermittelt hatte sich das Unwetter über seinem Haupt entladen:

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