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Werke von Fjodor Dostojewski (Illustrierte) (German Edition)

Werke von Fjodor Dostojewski (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Werke von Fjodor Dostojewski (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Fjodor Dostojewski
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hatte, boshaft und giftig: »Wir sind beide schlecht, du und ich! Wir sind beide schlecht! Wie könnten wir verzeihen? Du kannst es nicht, und ich kann es nicht. Aber rette ihn, und ich werde mein Leben lang für dich beten.«
    »Aber verzeihen willst du ihr nicht!« rief Mitja ihr mit zornigem Vorwurf zu.
    »Du kannst beruhigt sein, ich werde ihn dir retten!« flüsterte Katja schnell und verließ eilig das Zimmer.
    »Und du konntest ihr deine Verzeihung verweigern, nachdem sie selbst zu dir gesagt hatte: ›Verzeih‹?« rief Mitja wieder in bitterem Ton.
    »Mitja, wag es nicht, ihr einen Vorwurf zu machen! Dazu hast du kein Recht!« rief Aljoscha seinem Bruder heftig zu.
    »Ihre stolzen Lippen haben es gesagt, nicht ihr Herz«, sagte Gruschenka beinahe angeekelt. »Wenn sie dich rettet, will ich ihr alles verzeihen ...«
    Sie brach ab, als ob sie etwas in ihrem Herzen unterdrückte. Sie konnte noch immer ihre Fassung nicht wiedergewinnen. Gekommen war sie, wie sich nachher herausstellte, ganz zufällig, ohne etwas zu argwöhnen.
    »Aljoscha, lauf ihr nach!« wandte sich Mitja hastig an seinen Bruder. »Sag ihr ... Ich weiß nicht was ... Laß sie nicht so weggehen!«
    »Ich werde noch vor Abend wieder zu dir kommen!« rief Aljoscha und lief Katja nach.
    Er holte sie erst außerhalb der Krankenhausmauer ein. Sie ging schnell und hastig, und als Aljoscha sie eingeholt hatte, sagte sie zu ihm: »Nein, vor ihr kann ich mich nicht demütigen! Ich habe zu ihr gesagt: ›Verzeih mir!‹, weil ich in der Selbstdemütigung bis an die äußerste Grenze gehen wollte. Sie hat mir nicht verziehen ... Ich liebe sie dafür !« fügte Katja mit unnatürlich klingender Stimme hinzu, und ihre Augen funkelten vor Zorn.
    »Mein Bruder hatte sie überhaupt nicht erwartet«, murmelte Aljoscha. »Er glaubte bestimmt, daß sie nicht kommen würde ...«
    »Ohne Zweifel. Lassen wir das!« erwiderte sie kurz. »Hören Sie, ich kann jetzt nicht mit zu dem Begräbnis kommen. Ich habe ihnen Blumen für den kleinen Sarg geschickt. Geld haben sie wohl noch. Wenn sie welches brauchen, sagen Sie ihnen bitte, daß ich sie auch in Zukunft nicht verlassen werde ... Jetzt aber verlassen Sie mich, bitte, verlassen Sie mich! Sie werden ohnehin zu spät kommen, es wird schon zur Spätmesse geläutet ... Verlassen Sie mich, bitte!«
    3. Iljuschetschkas Begräbnis und die Rede am Stein
     
    Er kam in der Tat zu spät. Man hatte auf ihn gewartet und sich bereits entschlossen, auch ohne seine Anwesenheit den hübschen, mit Blumen geschmückten kleinen Sarg in die Kirche zu tragen. Es war der Sarg des armen Iljuschetschka. Er war zwei Tage nach Mitjas Verurteilung gestorben. Aljoscha wurde schon am Tor des Hauses von Iljuschas Kameraden mit lauten Rufen empfangen. Sie hatten ungeduldig auf ihn gewartet und freuten sich, daß er endlich gekommen war. Es hatten sich im ganzen zwölf Jungen versammelt; alle waren mit ihren Ranzen auf dem Rücken und mit ihren Büchertaschen über der Schulter gekommen. »Papa wird weinen, kommt her und tröstet ihn!« hatte Iljuscha sie auf dem Sterbebett gebeten, und die Jungen hatten diesen Wunsch befolgt. An ihrer Spitze befand sich Kolja Krassotkin.
    »Wie freue ich mich, daß Sie gekommen sind, Karamasow!« rief er und streckte Aljoscha die Hand entgegen. »Hier ist es schrecklich. Wirklich, es wird einem schwer, das mitanzusehen. Snegirjow ist nicht betrunken, wir wissen bestimmt, daß er heute noch nichts getrunken hat, aber er ist wie betrunken ... Ich bin sonst ziemlich hart, doch das hier ist schrecklich ... Karamasow, wenn ich Sie nicht aufhalte, darf ich Sie noch etwas fragen, bevor Sie hineingehen?«
    »Was ist es denn, Kolja?« erwiderte Aljoscha und blieb stehen.
    »Ist Ihr Bruder unschuldig oder schuldig? Hat er seinen Vater ermordet, oder hat es der Diener getan? Was Sie sagen, ist für mich Tatsache. Ich habe vier Nächte wegen dieser Frage nicht geschlafen.«
    »Der Diener hat den Mord begangen. Mein Bruder ist unschuldig«, antwortete Aljoscha.
    »Das sage ich auch!« schrie plötzlich der kleine Smurow.
    »Dann geht er also als unschuldiges Opfer für die Wahrheit zugrunde?« rief Kolja. »Aber wenn er auch zugrunde geht, er ist doch glücklich! Ich könnte ihn beneiden!«
    »Was reden Sie da? Wie ist das möglich und warum?« rief Aljoscha verwundert.
    »Oh, wenn ich mich doch auch einmal für die Wahrheit opfern könnte!« sagte Kolja enthusiastisch.
    »Aber nicht in so einer Sache, nicht mit solcher

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