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Wolfsbrut

Wolfsbrut

Titel: Wolfsbrut Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Whitley Strieber
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wollte.
    »Übrigens, es heißt Sergeant Neff«, sagte sie über die Schulter zu Ruiz, der immer noch dastand und sie ansah.
    »Ich helfe Ihnen«, sagte er.
    Aber Becky war schon zur Tür draußen und stellte den Karton auf den Rücksitz des Autos. Wilson folgte ihr, stieg ein und schlug die Tür zu. Becky ließ sich auf dem Fahrersitz nieder und drehte den Zündschlüssel um.
    »Ich möchte nur nicht, daß dies ein Zirkus wird«, sagte er, während sie Richtung Manhattan fuhren. »Dieser Fall wird das Sensationellste, woran wir je gearbeitet haben. Die Reporter werden morgens aus deinem Nachthemd gekrochen kommen.«
    »Ich trage keine Nachthemden.«
    »Wie dem auch sei, wir werden sie ständig um uns haben. Ich will damit sagen, es ist ein ernster Fall, und wir sollten ihn ernst nehmen.«
    Wilson konnte salbungsvoll sein, aber dies war lächerlich. Sie zwang sich, nicht zu sagen, daß sie sehr wohl wüßte, wie ernst der Fall sei. Wenn sie das täte, würde er in eine Tirade über Polizistinnen ausbrechen und wahrscheinlich damit schließen, daß er ihre Kompetenz in Frage stellte oder neuerliche Kritik an ihrer Arbeit übte. Sie beschloß, gar nicht auf ihn zu achten und ihn zum Schweigen zu bringen. Um das zu bewerkstelligen, fuhr sie wie eine Wahnsinnige die Straßen entlang, riß den Wagen in Kurven herum und sprang mit achtzig Stundenkilometern von einer Lücke zur nächsten. Wilson hatte zuerst die Schultern gesenkt; dann fing er an, die Sirene zu betätigen.
    »Hat Rilker dir einen Termin genannt?«
    »Nein.« Verdammt, sie hatte vergessen, Rilker anzurufen. Wenn er nicht zu Hause war, würde sie sich weitere Vorwürfe von Wilson anhören müssen.
    Sie zündete sich noch eine Zigarette an. Das Rauchen gehörte zu den Vergnügen, die ihr wirklich Spaß machten, seit der Arzt es Wilson verboten hatte.
    Er reagierte sofort. »Umweltverschmutzerin.«
    »Zieh eine Sauerstoffmaske auf, wenn es dir nicht paßt. Habe ich dir schon einmal gesagt.«
    »Danke für die Erinnerung.«
    Sie wünschte sich, sie würde Zigarren rauchen.

2
    Tom Rilker betrachtete die Bilder, die ihm die beiden Polizisten zeigten. Sein Gesicht drückte Fassungslosigkeit und, so Beckys Eindruck, Angst aus. Sie hatte ihn noch nie gesehen und war überrascht, wie alt er war - um die fünfundsiebzig. Nach den Beschreibungen ihres Mannes hatte sie gedacht, daß er ein junger Mann sei. Rilkers Haar war weiß und störrisch wie Putzwolle; seine rechte Hand zitterte ein wenig, so daß die Bilder raschelten; wenn er die Stirn runzelte, standen die melierten Brauen dicht beisammen und betonten seinen Gesichtsausdruck noch.
    »Das ist unmöglich«, sagte er schließlich. In dem Augenblick, als er sprach, wurde Becky klar, weshalb Dick ihn immer wie einen jungen Mann beschrieb - er hörte sich viel jünger an. »Das ist vollkommen unmöglich.«
    »Warum?« fragte Wilson.
    »Weil ein Hund so etwas nicht tun würde. Man müßte ihn darauf abrichten. Um Gottes willen, diese Männer sind ausgeweidet worden. Man kann einen Hund zum Töten abrichten, aber wenn man ihn dazu bringen wollte, das zu tun, müßte man ihn sehr, sehr gut abrichten.«
    »Aber es wäre möglich?«
    »Möglicherweise, mit der richtigen Rasse und dem richtigen Hund. Aber es wäre nicht leicht. Man bräuchte... menschliche Modelle, an denen der Hund lernen kann, wenn er zuverlässig sein soll.«
    »Und wenn man den Hund einfach aushungern würde?«
    »Ein Hund würde Muskelgewebe fressen... Ma'am, wenn Ihnen das zuviel wird...«
    »Nein«, schnappte Becky. »Sie haben gesagt, ein Hund würde Muskelgewebe fressen?«
    »Ja, aber er würde niemanden... ausnehmen. So ernähren sie sich nicht, nicht einmal im wilden Zustand.« Er griff nach den Pfotenabdrücken und schüttelte den Kopf. »Sind das alle Abdrücke?«
    »Wie groß müßte ein Hund hierfür sein?« fragte Wilson.
    Becky bemerkte, daß seine Fragen sanft aber beharrlich wurden; er schien zu spüren, daß der Anblick der Bilder Rilker ziemlich mitgenommen hatte. Das Gesicht des Mannes war gerötet, Schweißperlen standen ihm auf der Stirn. Er zuckte etwas mit dem Kopf, als wollte er eine Strähne zurückschleudern. Die Hand zitterte heftiger.
    »Ein Monster. Groß und schnell und böse genug, daß er diese Ausbildung akzeptiert. Das würden nicht alle Rassen tun.«
    »Welche Rassen?«
    »Verwandte von Wildtieren, Schlittenhunde, deutsche Schäferhunde. Nicht viele. Und ich muß Ihnen sagen, ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht

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