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Zu Staub Und Asche

Zu Staub Und Asche

Titel: Zu Staub Und Asche Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Martin Edwards
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über sie und Ben gehört hatte. Rasch blickte sie zu Daniel hinüber, doch seine Augen verrieten nichts.
    »Haben Sie von dem Anwalt gehört, der heute Nachmittag tot aufgefunden wurde, Sergeant?«
    »Stuart Wagg? Es ist ...«
    »Meine Schwester und ich haben seine Leiche entdeckt«, unterbrach Daniel geschickt. »DCI Scarlett wollte mir ein paar Fragen dazu stellen, und natürlich helfe ich gern. Sie scheint davon auszugehen, dass es Verbindungen mit einem Cold Case gibt, den sie zurzeit bearbeitet.«
    »Wir sind eigentlich so gut wie fertig. Vielen Dank, Greg. Morgen um neun findet ein gemeinsames Briefing mit dem Team von DCI Larter statt. Neun Uhr!«
    Wharf stand auf. Hannah erkannte sofort, dass er vor Neugier brannte zu erfahren, warum ihre Ermittlung mit der von Fern zusammengelegt wurde. Doch in Daniels Anwesenheit durfte sie nicht aus dem Nähkästchen plaudern.
    »Schön, Sie kennengelernt zu haben, Mr Kind.« Er hob seine Augenbrauen. Er bringt es einfach nicht fertig, über seinen Schatten zu springen, dachte Hannah. »Bis morgen früh, Ma'am.«
    Er wandte sich um und warf einem dünnen, sonnenbankgebräunten Mädchen mit einem hoch geschlitzten Rock eine Kusshand zu. Ihr Name war Millie, und sie arbeitete im Präsidium als Angestellte. Was immer man über Greg sagen mochte - er arbeitete wirklich schnell.
    Daniel lehnte sich auf seine Bank zurück und atmete hörbar aus.
    »Machen Sie sich keine Sorgen.«
    »Wer sagt, dass ich mir Sorgen mache?«, entgegnete sie knapp. »Greg ist ein Scharfmacher, aber Sie haben ihn genau richtig angepackt. Viele Stunden vor vollen Hörsälen und Fernsehkameras scheinen wirklich etwas zu bringen. Natürlich darf ein gewiefter DCI sich nicht von einem plötzlich auftauchenden Untergebenen stören lassen.«
    »Es gab nichts, wobei er Sie hätte stören können.«
    Irgendetwas veranlasste Hannah, ihm zuzuflüstern: »Ich muss Ihnen etwas erzählen.«
    Mit stoischem Gesichtsausdruck lehnte er sich über den Tisch.
    »Ja?«
    »In der Zeit, als ich mit Ihrem Vater zusammenarbeitete, hat man uns im Präsidium ständig auf die Schippe genommen.«
    »Auf die Schippe genommen?«
    »Junge Frau, älterer Mann - den Rest können Sie sich sicher denken. In der Kantine blüht der Klatsch, und natürlich werden mit Vorliebe Anzüglichkeiten ausgetauscht. Aber zwischen Ben und mir hat es nie etwas Privates gegeben. Keine Beziehungskiste - welcher Art auch immer.«
    »Er schätzte Ihre kriminalistischen Fähigkeiten. Und er hatte Sie sehr gern.«
    »Diese Gefühle beruhten auf Gegenseitigkeit. Aber er hat mich nie berührt.«
    Daniel sah auf seine Uhr. Hoffentlich mit Bedauern, dachte Hannah. Aber ihr Gespräch driftete in gefährliche Bereiche ab.
    »Marc wird sich sicher fragen, wo Sie bleiben.«
    »Ich glaube nicht, dass er aufbleibt.«
    »Nicht?« Er runzelte die Stirn, aber wenn er etwas wie Dann haben wir ja noch Zeit hätte sagen wollen, überlegte er es sich noch einmal. »Ich denke, ich sollte Sie trotzdem jetzt heimgehen lassen. Wenn man ein Buch schreibt, kann man sich immer darauf hinausreden, dass man arbeiten kann, wann man will, allerdings vermute ich, dass Sie im Gegensatz zu mir vor Tau und Tag aufstehen müssen. Darf ich Sie zu Ihrem Wagen begleiten?«
    Draußen war der Schnee an einigen Stellen liegen geblieben. Am nächsten Morgen würden die Straßen sicher glatt sein. Als sie bei den Autos waren, blieb Daniel plötzlich stehen. Das helle Licht einer Sicherheitslampe lag auf seinem Gesicht, doch Hannah konnte nicht erkennen, was in seinem Kopf vorging. Sie murmelte einen Gutenachtgruß und streckte die Hand nach dem Türgriff aus. Einen Augenblick lang stand er völlig unbeweglich da, doch plötzlich trat ein seltsamer Ausdruck in seine Augen. Mit einer geschmeidigen Bewegung beugte er sich zu ihr hinunter und drückte ihr einen fordernden Kuss auf die Lippen.
    »Gute Nacht, Hannah.«
    Dann wandte er sich ab, lief zu seinem Auto und hatte es bereits gestartet, als Hannah noch nicht einmal richtig zu Atem gekommen war. Sie ließ sich in den Fahrersitz fallen und sah seinen Rücklichtern nach, die langsam in der Dunkelheit verschwanden, ohne die Zündung zu betätigen.
    Erst fünf Minuten später fuhr sie los. Wie sollte sie nun mit Marc umgehen? Bis sie in Undercrag ankäme, würde es nach elf Uhr sein. Wahrscheinlich hatte er sich im Gästezimmer verschanzt wie ein schlecht gelaunter Teenager und bestrafte sie auf diese Weise dafür, dass sie die Stirn besessen

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