Zurueck ins Glueck
nicht aus meiner Haut.« Samantha legte die Hände gegeneinander und lächelte dümmlich. Reiß dich zusammen, befahl sie sich scharf. Erst jetzt erkannte sie, wie sehr sie sich vor der Begegnung mit James gefürchtet hatte.
»Stört es dich, wenn ich die Tür schließe, Samantha? Ich denke, es ist Zeit, dass wir einmal in aller Ruhe miteinander reden.«
Zu ihrem Entsetzen und ihrer tiefen Beschämung brach Samantha plötzlich in Tränen aus und schlug die Hände vor das Gesicht. James zog rasch die Tür zu und ließ die Jalousie des Fensters zwischen ihrem Büro und dem Korridor herunter, dann trat er zu ihr und nahm sie in die Arme. Samantha schmiegte sich Trost suchend an ihn.
»Ich kann dir gar nicht sagen, wie leid mir das alles tut, Samantha. Ich hatte keine Ahnung, das musst du mir glauben. Deine Mutter und ich – nun, das ist schon lange, lange her. Ich hätte nie gedacht, dass du mit Katie Garcia verwandt sein könntest.«
»Dir ist hoffentlich klar, dass ihr beide mein Leben zerstört habt!«
James spürte, wie seine Augen gleichfalls feucht wurden. »Wenn es in meiner Macht stünde, die Dinge ungeschehen zu machen, würde ich es tun.« Er strich ihr sanft
über den Rücken. »Du bist eine so schöne und intelligente Frau, Sam. Ich konnte kaum glauben, dass Cameron so viel Verstand bewies, dich heiraten zu wollen.«
Samantha lächelte unter Tränen. »Wir haben uns eben ineinander verliebt.«
»Das ist eine Sache. Die andere ist, dass Cameron noch nie über große Menschenkenntnis verfügt hat. Deshalb habe ich mich derart gefreut, als ihr beide ein Paar wurdet. Ich konnte ja nicht wissen...« Er brachte den Satz nicht zu Ende.
»Was alle Welt jetzt anscheinend weiß«, half Samantha aus. Allmählich gewann sie ihre Fassung zurück. Sie löste sich aus seiner Umarmung. »Setz dich doch, James. Möchtest du einen Kaffee?«
»Vergiss es. Wir können jetzt beide einen Whiskey gebrauchen – wenn du nichts dagegen hast«, fügte er rasch hinzu.
Samantha lächelte. Er hatte Recht, sie konnten beide einen Schluck vertragen, außerdem war ja schon Nachmittag.
»Ein Drink wäre jetzt genau das Richtige«, stimmte sie zu. »Ich trinke ja nicht jeden Tag mit einem Mann, von dem ich seit gestern weiß, dass er mein Vater ist.«
James zwinkerte ihr zu, huschte zur Tür hinaus und kehrte kurz darauf mit zwei Gläsern und einer Flasche Royal Judge 20 zurück.
»Nobel geht die Welt zugrunde.« Samantha hob eine Braue.
»Für meine neue Tochter nur das Beste!«
»Daran muss ich mich erst gewöhnen, und du dich sicher ebenfalls, James.«
»Nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst, Kind.«
»Das Problem besteht nicht darin, dass du mein Vater bist, James. Du bist mein und Camerons Vater, das ist der springende Punkt. Begreifst du nicht, was das für mich … für uns bedeutet?« Ein gehetzter Ausdruck trat in ihre Augen.
James seufzte schwer. »Ich verstehe. Ein böser Streich, den uns das Schicksal da gespielt hat – und einer, den man so schnell wie möglich zu den Akten legen sollte.«
»Ich kann nicht einfach auslöschen, was ich die letzten beiden Jahre getan habe, James.«
»Sich deswegen den Kopf zu zermartern, bringt aber nichts, Mädchen.« Er lachte gezwungen auf. »Wusstest du eigentlich, dass der berühmte Dichter Byron jahrelang ein Verhältnis mit seiner Schwes…«
»Ja, ja, ich habe schon davon gehört«, unterbrach ihn Samantha schroffer als beabsichtigt.
James fuhr unbeirrt fort: »Versuch es doch so zu sehen: Ich wäre beinhahe dein Schwiegervater geworden, und jetzt bin ich halt einfach dein Vater.«
Samantha dachte einen Moment über seine Worte nach. »Aber irgendwie kommt mir das wie ein Verrat an Pablo vor, obwohl ich ihn schon seit Jahren nicht mehr gesehen habe.«
James reichte ihr ein fast bis zum Rand gefülltes Glas mit bernsteinfarbenem Whiskey, dann schenkte er sich eine ebenso großzügig bemessene Portion ein. »Glaubst du, er könnte Bescheid wissen?«
Samantha sah ihn erschrocken an. »Du denkst, sie hätten sich deswegen getrennt? Dass alles meine Schuld war?«
James griff über den Tisch hinweg nach ihrer Hand. »Ganz bestimmt nicht, Liebes. Nichts von alledem ist
deine Schuld. Wenn das wirklich der Grund für die Trennung war – und ich behaupte nicht, dass es so gewesen sein muss -, dann liegt die Schuld ganz allein bei deiner Mutter und mir.«
»Mum«, wiederholte Samantha tonlos. »Ich weiß noch nicht einmal, wo sie jetzt ist.«
»Wieder zu Hause, so wie
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