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Zurueck ins Glueck

Titel: Zurueck ins Glueck Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Suzanne Higgins
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was Cameron am meisten zu schätzen wusste, war der Umstand, dass die Drinks nie zu stark gemischt wurden. Er konnte von morgens bis abends Cocktails trinken und fühlte sich doch nie benebelt, nur angenehm schläfrig.
    Sein Blick kreuzte sich mit dem von Frank. Frank war einer der Strandkellner des Sandy Lane. Cameron hatte ihn am Tag zuvor kennengelernt und ihm ein großzügiges Trinkgeld zugesteckt. Er gab regelmäßig gleich am Anfang und dann am Ende eines jeden Urlaubs reichlich Trinkgeld, um sich während seines Aufenthalts einen exzellenten Service zu sichern. Frank trug ein schneeweißes Jackett und frisch gebügelte schwarze Hosen. Doch trotz seiner untadeligen Kleidung und seiner ausgezeichneten Manieren schlug seine angeborene, für die Inselbewohner typische unbekümmerte Fröhlichkeit immer wieder durch.
    Mit drei Schritten war er an Camerons Seite. »Wie geht es Ihnen an diesem schönen Nachmittag?«, fragte er mit seinem weichen karibischen Lachen.

    »Bestens, Frank. Ich habe eine Bitte. Können Sie mir für heute Abend einen Tisch im The Cliff reservieren?«
    Frank hob die Brauen und ließ ein Gebiss aufblitzen, gegen das sein Jackett stumpf grau wirkte. »Sie wollen im großen Stil ausgehen, Boss? Haben Sie eine neue Flamme aufgetan?« Er rollte viel sagend die Augen.
    Cameron lachte. »Nein, Frank, leider nicht. Ich führe meine Mutter aus, also wird das keine so heiße Nacht, wie Sie denken.«
    »Ihre Ma? Sie gehen mit Ihrer Ma ins The Cliff? Sie sollten eine hübsche Frau dorthin mitnehmen. Sie wird es Ihnen danken... später.« Franks weiche, melodische Sprechweise, die ihn an den Akzent der Bewohner der Grafschaft Cavon erinnerte, entlockte Cameron ein Lächeln. Die Barbadier schienen beim Sprechen ununterbrochen zu lachen, und alles hier drehte sich entweder um Sex oder um Drinks. Nein, eigentlich drehte sich alles um Sex und Drinks. Kein Wunder, dass er diese Insel so liebte.
    »Kennen Sie denn ein paar hübsche Mädels, die ich ins The Cliff ausführen könnte, Frank?«
    »Schauen Sie sich doch um, Mann. Sie sind überall. Dies ist Barbados – die Insel der schönen Frauen!« Frank strahlte. Seine Augen funkelten vor wacher Intelligenz. Wenn Cameron eine Frau wollte, musste er sich selbst um eine bemühen, so lautete seine Botschaft, aber sie wurde mit einem so offensichtlichen Augenzwinkern übermittelt, dass Cameron schon wieder lachen musste.
    »Um der Wahrheit die Ehre zu geben, Frank – ich bin mit meiner Mutter hier, weil ich eine Weile Ruhe vor Frauen brauche.«
    »Sie wollen keine Frau?« Franks Augen weiteten sich
vor Staunen. »Wie sieht denn ein Leben ohne Frauen aus, Mann?« Er wartete Camerons Antwort nicht ab. »Sterbenslangweilig, glauben Sie mir. Ein Mann braucht eine Frau, um Spaß zu haben.«
    Cameron grinste. »Das glaube ich Ihnen aufs Wort, Frank, aber trotzdem brauche ich ein bisschen Abstand. Ich muss eine Weile abschalten.«
    »Ah, jetzt weiß ich, wo Ihr Problem liegt, Mann. Sie haben zu viel Spaß gehabt in der letzten Zeit. Sie sind ausgelaugt, Mann.« Frank nickte weise. »Zu viele Frauen?«, fragte er dann verschwörerisch.
    »Das wird’s wohl sein, Frank. Jetzt möchte ich nur noch schlafen und Sonne tanken.«
    »Da sind Sie hier genau richtig. Ich reserviere Ihnen jetzt einen Tisch im The Cliff, und Sie hängen hier ein bisschen ab.«
    Das war ein Begriff aus dem hiesigen Dialekt, den Cameron kannte. ›Abhängen‹ hieß, dass er sich entspannen sollte.
    Er streckte sich auf seiner Liege aus. Das Handtuch, das er heute Morgen über die dicke blau-weiß gestreifte Unterlage gebreitet hatte, war ausgetauscht worden, und er registrierte zufrieden, dass zudem sein kleines Tischchen abgeräumt und saubergewischt worden war. Den Sonnenschirm hatte Frank so ausgerichtet, dass die Liege nicht im prallen Sonnenlicht stand. Was soll’s, dachte Cameron, als er merkte, dass er halb im Schatten lag. Verschieben wir das Sonnenbad eben auf später. »Nur keine Hektik«, murmelte er, ehe er die Augen schloss.
     
    Ein Abendessen mit seiner Mutter hatte ausgereicht, um ihn daran zu erinnern, wie sehr sie ihm auf die Nerven
ging, wenn sie schlechter Laune war. Am Tag zuvor hatte sie während der gesamten Fahrt vom Flughafen zum Hotel unaufhörlich gejammert und genörgelt und beim Essen sofort wieder damit angefangen. Himmel, es war doch nicht seine Schuld, dass sie Samanthas Erste-Klasse-Ticket nicht benutzen konnte und eines für die Touristenklasse kaufen musste, weil

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