0234 - Der Boß kennt kein Erbarmen
lasse mich nicht reinlegen!«
»Niemand hat die Absicht«, erwiderte die Stimme aus der dunklen Ecke kühl. »Erledigen Sie Ihre Seite des Geschäftes ordentlich, dann wird auch unsere Seite von uns ordentlich geregelt werden.«
»Okay«, sagte Faloire. »Okay. Aber -wer sind Sie eigentlich?«
»Ich?« Die Stimme in der Ecke schien erstaunt. »Haben meine Jungs Ihnen das noch nicht gesagt? Ich bin Calhoone.Thomas Brian Calhoone…«
***
Nachmittags um drei Uhr erreichte mich ein Anruf der Stadtpolizei. Ich saß allein im Office, als das-Telefon anschlug. Phil war dienstlich unterwegs. Ich nahm den Hörer und sagte:
»Cotton.«
»Hallo, Jerry«, erwiderte die Stimme eines Kollegen aus unserer Vermittlung. »Detektiv-Leutnant Anthony möchte dich sprechen. Ich stelle durch.«
»Ja, bitte«, stimmte ich zu. Ich erwartete das Gespräch ohne sonderliches Interesse. Was auch immer Anthony wollen konnte, es stand nicht zu erwarten, dass es irgendetwas mit dem von uns gesuchten Faloire zu tun hatte, und das war im Augenblick eigentlich alles, was mich wirklich interessierte.
»Hallo, Cotton!«, sagte Anthonys ewig weinerliche Stimme. »Wie geht es Ihnen?«
»Wie es einem Gehaltsempfänger kurz vor dem Ersten geht«, erwiderte ich. »Ich hoffe, Sie haben nicht die Absicht, bei mir Geld zu pumpen, Anthony. So leid es mir tut, ich könnte Ihnen nicht helfen. Diesen Monat bin ich selber sehr knapp.«
»Wer ist das nicht?«, stöhnte Anthony. »Aber ich hatte nicht die Absicht, Sie anzupumpen. Ich hörte, Sie wären der zuständige Mann für die Fahndung nach Faloire. Stimmt das?«
Ich setzte mich unwillkürlich aufrecht hin, als der Name Faloire fiel.
»Stimmt«, sagte ich gespannt. »Haben Sie etwa eine Spur von dem Halunken?«
»Na, wie man’s nimmt«, erwiderte Anthony. »Heute Nacht ist da so eine mysteriöse Geschichte passiert, und die Beschreibung passt auf Faloire.«
»Spannen Sie mich nicht auf die Folter, Anthony«, bat ich. »Erzählen Sie!«
»Eine Frage vorweg: Der FBI hat also Faloire noch nicht verhaftet?«
»Leider nein«, seufzte ich. »Sonst würde ich wohl kaum fragen, ob Sie eine Spur von ihm haben.«
»Seltsam«, sagte Anthony. »Sind Sie ganz sicher, dass der FBI die Verhaftung nicht durchführen ließ?«
Ich verstand überhaupt nichts mehr. »Ich sage Ihnen doch, dass wir ihn nicht haben!«
»Nun schreien Sie mich doch nicht gleich an, Cotton. Heute Nacht ist in einem Juwelierladen eingebrochen worden. Die Beschreibung des Täters passte genau auf Faloire.«
»Anthony, ich verstehe Sie nicht«, sagte ich und zwang mich zur Geduld. »Wenn Fkloire heute Nacht eingebrochen hat, ist es doch wohl ein sicheres Zeichen dafür, dass wir ihn noch nicht verhaftet haben, nicht wahr? Oder glauben Sie, wir geben unseren Häftlingen Sonderurlaub, damit Sie mal schnell irgendwo einbrechen können?«
»Cotton, Sie werden noch Magengeschwüre kriegen, wenn Sie weiter so giftig reden! Hören Sie mir mal in Ruhe zu! Der Einbrecher arbeitete mit einem ziemlich plumpen Trick, der aber sehr gut wirkte. Er rief den Juwelier mitten in der Nacht an und gab sich Mühe, ein bisschen zu keuchen. Er glaubte, dass in dem Laden eingebrochen würde, stieß er keuchend hervor. Der Juwelier sollte sofort herunterkommen. Er, der Anrufer, werde an der Haustür warten.«
Ich verdrehte die Augen
»Und auf so etwas ist der Juwelier hereingefallen?«
»Genau. Er warf sich einen Hausmantel über und kam schnell runter. Als er leise und ein bisschen ängstlich die Haustür auf schloss, huschte ein Mann herein und hielt ihm eine Pistole hin. Angesichts der Waffe blieb dem Juwelier nichts anderes übrig, als den Mann durch die Hintertür in den Laden zu lassen und schließlich sogar den Panzerschrank aufzuschließen.«
»So weit, so gut«, sagte ich »Wie kann man denn auch auf so etwas reinfallen. Wenn er einen solchen Anruf bekommt, soll er das nächste Revier anrufen und sich ruhig verhalten, bis die Cops mit dem nächsten Streifenwagen eingetroffen sind.«
»Das habe ich ihm selber auch schon gesagt, Cotton, das brauchen Sie mir nicht zu erzählen«, sagte Anthony. »Hören Sie nur zu, wie die Geschichte weitergeht. In der Wohnung des Juweliers, in der ersten Etage nämlich, stand unterdessen die Frau des Juweliers am Schlafzimmerfenster und beobachtete ängstlich die Straße. Ein Wagen fuhr vor. Zwei Polizisten stiegen aus. Die Frau war sehr erleichtert, als sie das sah. Wenige Minuten später kamen die Polizisten
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