09 - Befehl von oben
Angeles
und Las Vegas.
»Messestädte. Genau, wie ich vorgegangen wäre«, seufzte Alex. »Sieht aus wie die Übung Bio-War 95, John.«
»Nahe dran. Das war ein Wargame mit der Defense Nuclear Agency. Da
ging es um Milzbrand. Alex hier war einer unserer Besten für die Planung
biologischer Angriffe«, sagte Pickett seinen Zuhörern. »Damals war er
Kommandant der roten Mannschaft.«
»Ist das nicht gesetzwidrig?« fragte Cathy, über die Enthüllung entsetzt. »Angriff und Abwehr sind zwei Seiten einer Münze, Dr. Ryan«,
antwortete Pickett und nahm damit seinen einstigen Untergebenen in
Schutz. »Wir müssen wie die Bösen denken, wenn wir sie aufhalten
wollen.«
»Operationskonzept?« fragte der Präsident. Er konnte dieses besser
verstehen als seine Frau.
»Auf strategischer Ebene bedeutet biologische Kriegsführung die
Auslösung einer Kettenreaktion in der Zielbevölkerung. Man versucht, so
viele zu infizieren wie möglich - und das sind nicht sehr viele; hier ist nicht
die Rede von Kernwaffen. Das Ziel ist, die Menschen, also Opfer, die
Krankheit verbreiten zu lassen. Darin liegt die Eleganz biologischer
Kriegsführung. Die Opfer übernehmen das Töten -selbst. Jede Epidemie
beginnt langsam und beschleunigt, erst langsam, wie eine Tangente, um
dann wie eine Rakete geometrisch steil anzusteigen.
Wenn man also Bio offensiv verwendet, erzielt man möglichst einen
Schnellstart durch Infektion vieler Menschen, vorzugsweise solcher, die reisen. Las Vegas ist der Schlüsselhinweis. Es ist eine Messestadt, und da fand auch gerade eine große Veranstaltung statt. Die Besucher werden infiziert, besteigen ihre Maschinen für den Heimflug und übernehmen die
Verteilung.«
»Bestehen Chancen, herauszufinden, wie sie's angestellt haben?« fragte
Murray und zeigte seinen Dienstausweis, damit der General wußte, wer
sprach.
»Wahrscheinlich Zeitverschwendung. Der andere Vorteil biologischer
Waffen ist - nun, in diesem Fall ist die Inkubationszeit mindestens drei
Tage. Was immer man zur Freisetzung verwendet hat, es wurde inzwischen
aufgelesen, eingesackt und mit Lastern zu Deponien gekarrt. Keine
physischen Beweismittel, kein Nachweis dafür, wer uns das hier angetan
hat.«
»Stellen wir das noch zurück, General. Was machen wir jetzt? Ich sehe
eine Menge Bundesstaaten ohne Infektion ...«
»Das ist nur eine Momentaufnahme, Mr. President. Für Ebola gibt's eine
drei- bis zehntägige Vorlaufzeit. Wie weit verbreitet es wirklich ist, wissen
wir nicht. Das erfahren wir nur durchs Abwarten.«
»Aber wir müssen CURTAIN CALL einleiten, John«, sagte Alexandre. »Und zwar schnell.«
*
Mahmoud Hadschi las gerade. Er hatte ein Arbeitszimmer neben dem Schlafzimmer, das er wegen der vertrauten Umgebung dem Büro vorzog. Es gefiel ihm aber nicht, dort gestört zu werden, deshalb war die Leibwache über seine Reaktion auf diesen Anruf einigermaßen erstaunt. Zwanzig Minuten später ließen sie den Besucher ein - allein.
»Hat es begonnen?«
»Es hat begonnen.« Badrayn reichte ihm den Ausdruck von CDC. »Wir werden morgen mehr wissen.«
»Sie haben gut gedient«, sagte ihm Daryaei und ließ ihn gehen. Als die
Tür wieder zu war, griff er zum Telefon.
Alahad wußte nur, daß der Anruf von Übersee kam. Er vermutete London, würde nie nachfragen. Die Anfrage war, von der Tageszeit abgesehen, absolut üblich. In England war es Abend, die Geschäftszeit vorbei.
Die Art des Teppichs und der Preis waren die Schlüssel und sagten ihm, was er wissen mußte, in einer vor langem auswendig gelernten und nie aufgeschriebenen Chiffre. In seinem Unwissen konnte er wenig verraten. Dieser Teil des Handwerkszeugs leuchtete ihm völlig ein. Er hängte das >Gleich wieder da<-Schild in sein Fenster, verließ das Geschäft, schloß ab und ging zwei Blocks weiter zu einer Telefonzelle. Dort rief er an, um einen letzten Befehl an Aref Raman weiterzugeben.
*
Die Besprechungen waren mittlerweile in den Cabinet-Raum gelangt, wo die Minister fast gleichzeitig ankamen, und ihre Ankunft konnte nicht geheim bleiben. Zu viele Dienstwagen, zu viele Leibwachen, zu viele Gesichter, die den Reportern bekannt waren.
Pat Martin kam für Justiz. Bretano war SecDef, mit Admiral Jackson hinter ihm. (Jeder brachte irgendeine Art Stellvertreter, vor allem zum Mitschreiben.) Winston war SecTreas und zu Fuß von gegenüber hergekommen. Handel und Inneres waren Überbleibsel von der DurlingPräsidentschaft, eigentlich noch von Bob Fowler eingesetzt. Von den übrigen waren die
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