AC/DC - Maximum Rock N Roll
wurde am 29. Februar verbrannt. Seine Asche wurde im Memorial Garden des Fremantle Cemetery in der Nähe von Perth in aller Stille beigesetzt. Zu übertriebenen Trauerbezeugungen durch Fanmassen kam es nicht. Nur wenige kamen vorbei und hielten sich respektvoll im Hintergrund. Es war zweieinhalb Jahre her, dass AC/DC zum letzten Mal auf einer australischen Bühne gestanden hatten. Obwohl in der Zeitung West Australian eine Todesanzeige erschienen war, erregte Bons Ableben wenig Aufsehen – aus den Augen, aus dem Sinn. Weder die Medien noch die einflussreichen Köpfe der australischen Musikindustrie, von den Albert’s-Mitarbeitern einmal abgesehen, waren bei der Beerdigung in Freemantle zugegen.
Für Jeffery wirkte es sehr surreal, nach der Einäscherung draußen auf dem Friedhof einen Pfahl im Boden stecken zu sehen, der die Stelle markierte, an der Bons Asche bestattet werden sollte. Das war alles, was von dieser großen Persönlichkeit, diesem kraftvollen Geist übriggeblieben war?
In den folgenden Jahren entwickelte sich ein bizarres Ritual: Fans verbrachten die Nacht an Bons Grab. Eine Legende besagt, dass jede Frau, die das tat, am nächsten Morgen mit Knutschflecken am Hals aufwachte.
Mrs. Scott wurde erst am Tag vor der Beerdigung das ganze Ausmaß dieser Tragödie bewusst, als die Band nach ihrer Ankunft in Perth bei den Scotts vorbeischaute.
Ian Jeffery: »Im Radio und in der Presse wurde jede Menge Scheiße erzählt. Überdosis, Selbstmord, dieser ganze Unsinn. Aber ich werde nie vergessen, wie wir zu Bon nach Hause fuhren und Mrs. Scott Sandwiches machte. Sie hätte deine oder meine Mutter sein können. Sie war so verdammt froh, mit jemandem reden zu können, der mit Bon befreundet gewesen war, der die letzten Tage mit ihm verbracht hatte und wusste, wie sich alles abgespielt hatte. Sie holte fünf Stühle … und stand völlig neben sich. Ich glaube, es war das erste Mal, dass ihr klar wurde, dass Bon wirklich tot war. Für mich war das einer der schlimmsten Augenblicke meines Lebens.«
Das australische Musikmagazin RAM zeigte auf seiner Titelseite am 21. März ein klassisches Livefoto von Bon, mit der Unterzeile »Tribut an einen gefallenen Kämpfer«. Im Heft gab es einen vierseitigen Artikel von Vince Lovegrove und eine schlichte, ganzseitige Anzeige mit dem Text:
Ein wunderbarer Sänger, ein wunderbarer Texter, ein wunderbarer Freund, ganz und gar einzigartig.
Wir werden dich vermissen – Harry und George.
In der gleichen RAM -Ausgabe hatte auch Kristine Leary, ein Fan aus Tasmanien, ihrer Trauer Ausdruck verliehen und Bon für eine Karte und ein Foto mit Autogramm gedankt, das er ihr noch geschickt hatte. Bon hatte stets gute Kontakte zu den Fans gepflegt.
Trust widmeten Bon ihr äußerst erfolgreiches zweites Album, Repression , das 1980 erschien. Cheap Trick, die »Highway To Hell« oft bei ihren Gigs spielten, zollten ihm mit dem Song »Love Comes A’Tumblin’ Down« auf ihrem 1980 veröffentlichten Album All Shook Up Tribut.
Rick Nielsen (Cheap Trick): »Während der Aufnahmen zu All Shook Up mit George Martin bekam ich an einem Tag in Monserrat zwei Anrufe. Zuerst erfuhr ich, dass ein Drittel meines Hauses abgebrannt war. Danach teilte man mir mit, dass Bon gestorben war. Meine Familie war bei mir, daher wusste ich, dass bei dem Brand niemand verletzt worden war. Aber der Verlust von Bon machte diesen Tag zu einem der traurigsten in der Rockgeschichte.«
Nielsen hatte mit Bon große Pläne gehabt.
»Ich wollte mit ihm, Alex Harvey, Steve Marriott, Roger Chapman [Family], Freddie Mercury und [Cheap-Trick-Sänger] Robin Zander ein großes Projekt verwirklichen.«
Auch Joe Elliott von Def Leppard war erschüttert, als er von Bons Tod erfuhr.
»Ich schulde ihm immer noch die zehn Pfund – ich hatte nie Gelegenheit, ihm diesen Zehner wiederzugeben. Aber andererseits muss ich sagen – wenn er noch leben würde, bekäme er den auch nicht wieder. Selbst schuld, was leiht er mir auch Geld!«
Auch nach seinem Tod schien Bon weiterzuleben. Noch im Frühjahr 1980 trudelten immer wieder Weihnachtskarten von ihm bei Freunden ein, die in der Post verloren gegangen waren. Auch Perry Cooper von Atlantic erhielt einen dieser unerwarteten Grüße.
Perry Cooper: »Es dauerte einfach so lange, bis mich diese Karte erreichte. Zu der Zeit war er schon tot. Es war völlig verrückt. Bon hatte geschrieben: ›Ich wusste nicht, wem ich die hier schicken sollte, aber nachdem ich [den Spruch
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