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Alaska

Titel: Alaska Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Albert Michener
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herumzufuchteln, und sich an seine Seite warf.
    Als sie sah, dass ihr Mann nicht zu retten war, packte sie das Messer am Griff, entriss es dem Leib des Sterbenden und schaute rasend vor Wut um sich. Sie erblickte den Mann, den ihr Sohn zu Boden gestreckt hatte, kroch auf ihn zu und stieß das Messer mit aller Gewalt in seine Kehle, drehte es einmal herum und zog es dann wieder heraus, nur um sich dem Wächter zuzuwenden, der ihren Mann niedergestreckt hatte. Sie warf sich mit einem wilden Schrei über ihn und stieß das Messer dreimal in sein Herz.
    Die vier anderen Wächter, als sie mit Grausen sahen, wozu die Frau in ihrer Raserei fähig war, ergriffen die Flucht, ließen die angeblichen Ballen mit Otterpelzen zurück, aber Innokenti stellte einem ein Bein, hielt ihn fest und rief seiner Mutter zu, sie solle ihm das Messer geben, was sie auch tat. Mit ihm stach er den Mann nieder.
    Drei der Banditen und der Kaufmann Poznikov lagen tot in der Furt, und nachdem Trofim und Innokenti den Kaufmann unter einem Steinhaufen beerdigt hatten, sagte Madame in bewegten Worten die Wahrheit über den Kampf: »Innokenti war sehr tapfer, und ich habe allen Grund, stolz auf ihn zu sein. Ich wusste, was ich zu tun hatte, als ich das Messer in die Hand bekam. Aber wir wären alle tot, wenn Zhdanko nicht die ersten Angreifer zurückgehalten hätte ... so lange ... und so heldenhaft.« Sie verneigte sich kurz vor ihm und bat ihren Sohn, es ihr nachzutun, aus Respekt dafür, dass er sich wie ein wahrer Kosake aufgeführt hatte, aber der Sohn weigerte sich, denn er trauerte um seinen toten Vater.
    Aus Furcht, die drei geflohenen Wächter könnten versuchen, mit Komplizen zurückzukehren und den Wagen zu überfallen, blieben Trofim und die beiden Poznikovs wachsam und berieten, wie sie sich und ihre wertvolle Fracht am besten schützen könnten, und da sie schon die Hälfte der Strecke bis zur Lena geschafft hatten, kamen sie überein, dass es wohl das klügste sei, den Rest möglichst zügig zurückzulegen. Am nächsten Morgen also, nach einem tränenreichen Abschied vom Grab Ivan Poznikovs, machten sie sich auf den Weg durch eine der einsamsten Landschaften der Welt: jene endlosen, öden Weiten Zentralsibiriens, am Tage nichts als elende Leere bis zum Horizont, des Nachts die Schrecken des heulenden Windes.
    In diesem Landstrich, für jeden Menschen eine Bewährung, lernte Trofim diese außergewöhnliche Familie schätzen. Ivan Poznikov hatte keine Angst in seinem Leben gekannt und war beherzt auch im Augenblick des Todes gewesen. Seine Witwe Marina war eine bemerkenswerte Frau, jedem Mann an Umsicht in Handelsangelegenheiten ebenbürtig, und zu Erstaunlichem fähig, wenn man sie mit einem langen Messer auf einen Feind losließ. Er beobachtete, wie sie sich allmählich mit dem Verlust ihres Mannes abfand und wie wenig ihr die Strapazen der Reise ausmachten, und er verstand, warum Ivan bereit gewesen war, die Leitung seiner Geschäfte in ihre Hände zu legen. Und sogar jetzt, während des gefährlichsten Abschnitts der Reise, bot sie an, Wache zu halten, wenn die beiden Männer sich schlafen legten. Sie aß dieselben einfachen Mahlzeiten wie sie, sie legte die schwierige Wegstrecke, ohne zu klagen, zurück, sie kümmerte sich um die Pferde und schenkte Trofim ein Lächeln, wenn er ihr ein Kompliment machte: »In deinen Kleidern steckt ein echter Kosake.«
    Ihr Sohn Innokenti dagegen erwies sich als ein schwieriger Mensch, denn obwohl er sich während des Angriffs auf ihren Wagen erstaunlich gut geschlagen hatte, blieb er ein unangenehmer Bursche, und dass er einen Menschen getötet hatte, machte ihn noch überheblicher. Gegen Trofim verspürte er eine instinktive Verachtung. Ihm missfiel, dass seine Mutter die Leitung übernommen hatte, und er hatte die Neigung, sich den Älteren gegenüber so gereizt aufzuführen, dass sie ihm misstrauten. Er war zweifellos begabt, aber er würde nie beliebt sein. Trofim hörte, wie er sich bei seiner Mutter beschwerte: »Drei Räuber tot, und der Kosake hat nicht einen von ihnen getötet. Ein Junge und eine Frau haben den Wagen gerettet.«
    In Yakutsk stand sie vor einem neuen Problem: ehrliche Kaufleute zu finden, die ihre Ballen auf Schleppkähnen die Lena hinauf zu den Märkten an der mongolischen Grenze beförderten. Sie wandte sich deshalb an alte Bekannte ihres Mannes und schloss mit ihnen ein Geschäft ab, wovon beide Seiten profitierten. Sie nahm die Kaufleute beiseite und zeigte ihnen den

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