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Alle vier Martin-Schlosser-Romane: Kindheitsroman - Jugendroman - Liebesroman - Abenteuerroman: Mit einem Vorwort von Frank Schulz (German Edition)

Alle vier Martin-Schlosser-Romane: Kindheitsroman - Jugendroman - Liebesroman - Abenteuerroman: Mit einem Vorwort von Frank Schulz (German Edition)

Titel: Alle vier Martin-Schlosser-Romane: Kindheitsroman - Jugendroman - Liebesroman - Abenteuerroman: Mit einem Vorwort von Frank Schulz (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gerhard Henschel
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Küchenradio, und Mama sagte, die habe gar nicht mal so unrecht.
    Verarzten mußte ich mich alleine, mit Pflaster und Nagelschere, und nach dem Essen sollte ich den Komposteimer ausleeren gehen. Über der stinkenden Kompostmatsche surrten draußen Insekten aller Waffengattungen herum.
    Die Hitze war schon nicht mehr feierlich. Am besten streckte man irgendwo im Schatten die Glieder aus und rührte sich nicht mehr. Aus Mamas Bücherschrank hatte ich mir zur Siesta die Autobiographie des Schauspielers Anthony Quinn mitgenommen. Darin berichtete der ganz offen, daß er als Achtjähriger ein paar älteren Jungs zugekuckt habe, die in einem Keller um die Wette onaniert hätten. Der Größte habe sich ein Ding aus der Hose geholt, »das wie ein Stück Gartenschlauch aussah«.
    Plötzlich lachte der Große wir irr. Ich bekam es mächtig mit der Angst zu tun. Und dann sah ich, wie etwas aus seinem Pimmel spritzte wie das Gift aus einer Kobra ...
    In dem Buch gab es noch mehr solche Stellen. Zum Beispiel die, wo Anthony Quinn sich als Vierzehnjähriger beim Wellenreiten an ein älteres Mädchen drängt und unauffällig deren Brüste und Schenkel berührt und sich dann mit Bier einen andudelt und am Sandstrand einschläft:
    Als ich aufwachte, spürte ich etwas höchst Seltsames. Ich hatte das Gefühl, daß jemand an meinem Penis lutschte. Es war das Mädchen. Sie nahm ihn sehr behutsam in ihren warmen Mund. Ich wagte nicht, mich zu rühren, aus Furcht, den Bann zu brechen und sie in Verlegenheit zu bringen. Ich täuschte tiefen Schlaf vor. Bald war mein Penis steif, und sie schien mit noch größerer Begeisterung dabeizusein. Ich explodierte in ihrem Mund und versuchte, es so ruhig und unauffällig wie möglich zu tun, damit sie immer noch glauben mußte, ich schlafe.
    Danach ging’s wieder normaler weiter. Ob Mama das wohl auch alles gelesen hatte? Oder Papa?
    Ich blätterte noch ein paar andere Bücher durch – »Dshamilija«, »Der wachsame Träumer«, »Der Geist der Mirabelle«, »Asche und Diamant«, »Wenn das Auto Schnupfen hat« –, aber an die Memoiren von Anthony Quinn oder an den »Paten« reichte keins von denen im entferntesten heran.
    Und dann hieß es endlich: Sommerferien! Das hieß allerdings auch: Zeugnisse!
    Meins hätte schlechter ausfallen können. Drei Dreien hatte ich und fünf Zweien, selbst in Erde und Physik, und der einzige Makel, die Vier in Mathe, würde Mama mehr kratzen als mich.
    »Wiedersehen tun wir uns dann in der neunten Klasse«, sagte der Schlüter. »In alter Frische!«
    Schulfrei bis zum 5. August, und dabei war’s noch nicht mal Juli. Und ich war nicht sitzengeblieben. Nie wieder achtes Schuljahr!
    All’s well that ends well.
    Mama fand auch Volkers Zeugnis nur mittelprächtig. Volker graute es dagegen vor Latein, das er nach den Ferien auf dem Maristengymnasium als zweite Fremdsprache wählen mußte, weil sich für den geplanten Französischkurs nicht genügend Schüler angemeldet hatten.
    »Da kommt ja noch was auf uns zu«, sagte Papa. In Jever hätten ihn die Pauker bis zum Gehtnichtmehr mit Latein getriezt. Mamas Einwand, daß Latein das logische Denken schule, verfing bei Papa nicht: »Das logische Denken wird auch durch Mathematik geschult, und damit kann man mehr anfangen als mit ’ner toten Sprache, für die sich bloß noch Bücherwürmer interessieren!«
    Es sei denn, Volker wollte Theologie studieren, aber so sah er nicht aus. Sein Lateinbuch hatte er schon. Was da so drinstehe, verheiße nichts Gutes, sagte er mit düsterer Miene.
    Wiebke hatte nur Zweien und Dreien, außer in Kunsterziehung. Da war sie auf ’ne Vier abgerutscht.
    Vor der Abreise nach Vallendar wollte Wiebke ihren Hamster bei Carola Kowalski in Pflege geben, die selbst alle möglichen Viecher besaß. Volker bettelte darum, die Strecke mit dem Moped fahren zu dürfen, aber das erlaubte Papa nicht. Viel zu gefährlich! »Wenn du soviel Wert auf das Ding legst, mußt du’s eben im Zug mitnehmen und beim Umsteigen von einem Güterwaggon in den anderen verfrachten.« Das sei billiger, als das Moped mit der Bahn per Expreß aufzugeben.
    Damit sich in den kommenden Wochen kein Spaziergänger durch den Anblick von Grashälmchen oder Disteln auf dem Unkrautstreifen vor unserer Hecke beleidigt fühlen konnte, wurden wir alle wieder zum Jäten eingeteilt, bis auf die rekonvaleszente Renate natürlich. Die durfte nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus mit einem von Papas Arbeitskollegen, der da jedes

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