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Alle vier Martin-Schlosser-Romane: Kindheitsroman - Jugendroman - Liebesroman - Abenteuerroman: Mit einem Vorwort von Frank Schulz (German Edition)

Alle vier Martin-Schlosser-Romane: Kindheitsroman - Jugendroman - Liebesroman - Abenteuerroman: Mit einem Vorwort von Frank Schulz (German Edition)

Titel: Alle vier Martin-Schlosser-Romane: Kindheitsroman - Jugendroman - Liebesroman - Abenteuerroman: Mit einem Vorwort von Frank Schulz (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gerhard Henschel
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Namen dieses Torjägers eingeprägt hatte. Als Bundestrainer berief Schön, wie ich fand, viel zu selten neue Talente in den Kader. Torgefährliche Newcomer wie Wolfgang Frank, Horst Hrubesch und Rüdiger Wenzel hätte er ruhig mal nominieren können, der gemächliche Mann mit der Mütze. Aber wer wußte schon, welchen Einflüsterungen der Bundestrainer gehorchte. Wenn man sich die Freßleisten der DFB-Funktionäre ankuckte, wunderte einen gar nichts mehr. Die glichen den häßlichsten Fettsäcken der CSU, allen voran der widerwärtige Hermann Neuberger mit seiner Hornbrille und dem fetten Schwabbelgesicht. So sahen die Typen aus, die dafür verantwortlich waren, daß Gerd Müller, der gefährlichste Goalgetter aller Zeiten, nicht mehr in der Nationalmannschaft mitspielen wollte.
    In der Saison 1981/82, meiner ersten in der Bundesliga, würden die übelsten alten DFB-Säcke hoffentlich pensioniert sein.
    In Israel hatte der Politiker Menachem Begin vom rechtsnationalistischen Likud-Block die Wahlen gewonnen. Wie man als Jude rechtsnationalistisch sein konnte, kapierte ich nicht. Die rechtsnationalistischen Politiker in Deutschland hatten die Juden doch auszurotten versucht?
    Unter den Juden, sagte Mama, gebe es leider welche, die allen Ernstes glaubten, daß sie einem von Gott auserwählten Volk angehörten. Aber jedes Volk sei so gut oder so schlecht wie alle anderen. Sie habe Adolf noch im Ohr und den Reichsheini und Goebbels und Göring und die ganze Bande, und sie habe mehr als genug gehört von deren selbstgefälligen Sprüchen.
    Widerspenstigen Kongolesen, die sich geweigert hatten, Elfenbein und Kautschuk an die Krone auszuliefern, waren von Schergen der belgischen Kolonialverwaltung einst die Hände abgehackt worden. Mir kam ein Foto davon vor Augen: Da hielten die Neger ihre Armstümpfe hoch.
    Eine Pleite sondergleichen war das Endspiel um den Europapokal der Landesmeister in Rom. In dieser Partie ging Gladbach gegen den FC Liverpool mit 1:3 unter, und es half nichts, daß ich in Meppen als daumendrückendes Maskottchen vorm Fernseher hockte. Irgendwas war falsch gelaufen.
    Im neuen Spiegel , den es wegen Pfingsten schon am Samstag gab, stand ein Artikel über Jever und die Proteste gegen die geplante Kreisreform: Der Landkreis Friesland sollte aufgelöst und zweigeteilt und Jever einfach dem ostfriesischen Landkreis Wittmund einverleibt werden. Das paßte den Jeveranern nicht, die ihre Stadt schon zu Fräulein Marias Zeiten gegen alle Übergriffe der Ostfriesen verteidigt hatten.
    Am Pfingstsonntag fuhren Mama, Wiebke und ich nach Jever. Mama wollte abends in den Schloßkrug, zu einem Treffen der Schüler aus Moorwarfen, wo Mama als kleines Mädchen zur Schule gegangen war.
    Über die Kreisreform regte sich auch Oma Jever auf: »Was dieser Schaapschiet nun bloß soll! Als ob wir schlecht gelebt hätten in unserem alten Landkreis Friesland! Weshalb muß man den denn jetzt kaputtreißen?« Und an Gustavs Zimmertür klebte ein Aufkleber mit der Aufschrift:
    Ich will den Landkreis Friesland ungeteilt!
    Das sei hohe Politik, sagte Opa Jever, der aus Altfunnixsiel stammte und selber ein Ostfriese war.
    Oben in der Mühlenstraße 47 wohnte jetzt eine Familie mit zwei kleinen Kindern, und das Schwanenpaar im Schloßgarten hatte acht Junge bekommen.
    Gustav besaß die LP »Revolver« von den Beatles und erlaubte mir, die Platte in seinem Zimmer anzuhören. Der Song »For No One« war der beste.
    You want her, you need her
    And yet you don’t believe her when she says her love is dead
    You think she needs you ...
    Der Song wurde nicht langweilig, egal wie oft ich mir den anhörte.
    And in her eyes you see nothing
    No sign of love behind the tears
    Cried for no one
    A love that should have lasted years ...
    Eine andere gute LP war die mit dem Gestammel des ehemaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke. Der hatte einmal in Helmstedt eine Rede gehalten und dann schon gleich zu Anfang vergessen, wo er sich befand:
    Liebe Mitbürger, liebe Jugend! Ich danke zunächst einmal herzlich für den großartigen Empfang, den mir hier diese Stadt und hier der Marktplatz voller gedicht-, dichter Leute, steh-, äh, dichtstehender Leute bereitet hat ... Ich darf Ihnen aber auch das eine versichern: Wenn ich dieses Jahr hier zum siebzehnten Juni in ... äh ... äh ...
    Die Leute riefen es ihm zu: »Helmstedt!« Und dann Lübke:
    ... Helmstedt spreche ... Sie sehen daran, daß es nötig war, wenn ich hier dieses Jahr in Helmstedt

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