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Alter schützt vor Scharfsinn nicht

Alter schützt vor Scharfsinn nicht

Titel: Alter schützt vor Scharfsinn nicht Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Agatha Christie
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rief Tuppence. »Du warst mit Herrchen draußen.«
    Hannibal machte einen zweiten Versuch, der auf alle nur möglichen hündischen Ausdrucksarten zeigen sollte, dass jedem Hund ein zweiter Spaziergang zustand, hätte er nur einen Besitzer, der die Dinge im rechten Licht sähe. Über den ausbleibenden Erfolg enttäuscht, lief er die Treppe hinunter und schnappte laut bellend nach einem Mädchen mit zerzausten Haaren, das Staub saugte. Er mochte keine Staubsauger und hatte etwas dagegen, dass Tuppence sich in ein Gespräch mit Beatrice vertiefte.
    »Oh, passen Sie auf, dass er mich nicht beißt«, rief Beatrice.
    »Der beißt Sie nicht. Er tut nur so.«
    »Na, ich glaube, dass er eines Tages tatsächlich zubeißt. Ach, übrigens, Madam, haben Sie einen Augenblick Zeit?«
    »Oh«, sagte Tuppence. »Meinen Sie, dass Sie…«
    »Ja, sehen Sie, Madam, ich hab da ein Problem.«
    »Das hatte ich mir fast gedacht. Um was geht es denn? Übrigens, kennen Sie zufällig eine Familie oder einen Mann namens Jordan? Sie sollen früher hier gewohnt haben.«
    »Jordan? Nein, nicht dass ich wüsste. Die Johnsons, ja, die kenne ich. Der eine war Polizist, ein anderer Postbote: George Johnson. Er war mein Freund.« Sie kicherte.
    »Haben Sie nie von einer Mary Jordan gehört?«
    Beatrice sah sie verwundert an. Sie schüttelte nur den Kopf und ging dann wieder zum Angriff über. »Wegen meinem Problem, Madam…«
    »Ja, natürlich, Ihr Problem.«
    »Hoffentlich belästige ich Sie nicht zu sehr, Madam, aber ich bin in einer schwierigen Lage und möchte nicht…«
    »Könnten Sie sich nicht kurz fassen?«, fragte Tuppence. »Ich muss gleich weg. Ich bin zum Kaffee eingeladen.«
    »Ja, stimmt. Bei Mrs Barber, nicht wahr?«
    »Ja. Und was ist nun Ihr Problem?«
    »Es geht um einen Mantel. Es war so ein schöner Mantel. Bei Simmonds im Laden. Ich bin reingegangen und hab ihn anprobiert und er hat mir sehr gut gefallen. Na, und da war ein kleiner Fleck dicht über dem Saum, wissen Sie, aber ich dachte, dass das keine große Rolle spielt. Außerdem…«
    »Ja?«
    »Es war wohl der Grund, warum er so billig war. Ich hab ihn also gekauft. Als ich nachhause kam, hab ich das Preisschild gefunden, auf dem stand nicht drei Pfund siebzig, sondern sechs Pfund. Wissen Sie, Madam, da wusste ich nicht, was ich machen sollte. Schließlich bin ich wieder zum Geschäft gegangen. Ich dachte, es wäre besser, ich brächte ihn zurück und erkläre ihnen, dass ich ihn zu so einem Preis nicht kaufen würde. Aber dann war da die Verkäuferin – sie ist sehr nett und heißt Gladys –, die hat sich furchtbar aufgeregt und ich hab gesagt: ›Dann zahle ich eben den Rest.‹ Doch sie hat gesagt: ›Das geht gar nicht, es ist schon alles verbucht.‹ Verstehen Sie, was ich meine?«
    »Ich glaube, ja«, sagte Tuppence.
    »Und dann hat sie hinzugefügt: ›Das können Sie nicht, sonst bekomme ich Ärger.‹«
    »Wieso Ärger?«
    »Das hab ich auch nicht verstanden. Sie hat mir erklärt, es wäre ein Fehler gewesen, dass sie nicht den richtigen Preiszettel gesehen und mir den Mantel zu billig verkauft hätte. Und deshalb könnte sie entlassen werden.«
    »Ach, das glaube ich nicht«, erwiderte Tuppence. »Ich finde, Sie haben es ganz richtig gemacht. Eine bessere Lösung wüsste ich nicht.«
    »Schon, aber es kam ganz anders: Sie hat sich schrecklich aufgeregt und angefangen zu heulen, bis ich den Mantel wieder mitgenommen habe. Und nun ist mir nicht klar, ob ich den Laden betrogen habe oder – also, ich weiß nicht, was ich tun soll.«
    »Ich glaube, ich bin einfach zu alt, um Ihnen raten zu können. Heute ist in den Läden alles so verrückt. Die Preise sind mir unverständlich und alles ist so schwierig. An Ihrer Stelle würde ich, wenn Sie die Differenz bezahlen wollen, das Geld Gladys geben. Sie kann es einfach in die Kasse legen.«
    »Das möchte ich nicht so gern, weil sie es vielleicht behält, wissen Sie. Ich meine, jetzt ist es so, als hätte ich das Geld gestohlen, aber das wollte ich gar nicht. Wenn ich es ihr gebe, sieht es so aus, als hätte sie es gestohlen. Und so ganz traue ich ihr nicht. Ach, du meine Güte!«
    »Tja«, sagte Tuppence. »Das Leben ist schwierig, was? Tut mir leid, Beatrice, ich glaube, das müssen Sie selbst entscheiden. Wenn Sie Ihrer Freundin nicht trauen können…«
    »Es ist keine richtige Freundin. Ich kaufe nur bei ihr und sie ist immer so nett. Ich glaube, sie hat schon mal Ärger gehabt, es hieß, sie hätte bei einem Verkauf

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