Andromeda
sterilisieren lassen. Aus unseren Berechnungen geht hervor, daß die Wahrscheinlichkeit einer Verseuchung selbst dann, wenn im Raum eine Sterilisierung der Kapseln vorgenommen würde, immer noch eins zu zehntausend, vermutlich weitaus höher, bliebe. Diese Schätzungen gründen sich auf das uns bekannte organisierte Leben; andere Lebensformen könnten gegenüber unseren Sterilisationsverfahren sogar völlig resistent sein. Daher empfehlen wir dringend, eine Einrichtung zu schaffen, die sich mit einer außerirdischen Lebensform befassen könnte, falls eine solche unabsichtlich zur Erde gebracht werden sollte. Diese Einrichtung müßte einem zweifachen Zweck dienen: Erstens die Ausbreitung dieser Lebensform verhindern und zweitens im Hinblick auf den Schutz irdischer Lebensformen vor fremdem Einfluß Laboratorien zur Untersuchung und Analyse bereitstellen. Wir empfehlen, eine solche Einrichtung in einem unbewohnten Teil der Vereinigten Staaten zu schaffen; sie unterirdisch anzulegen; sie mit allen bekannten Isoliertechniken auszustatten; sie für den Notfall mit einer atomaren Vorrichtung zur Selbstzerstörung zu versehen. Nach unserer Kenntnis gibt es keine Lebensform, die eine bei einer Kernexplosion entstehende Hitze von zwei Millionen Grad überleben könnte.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Jeremy Stone, John Black, Samuel Holden, Terence Lisset, Andrew Weiss
Die Antwort auf diesen Brief erfolgte erfreulich prompt. Vierundzwanzig Stunden später wurde Stone von einem der Berater des Präsidenten angerufen, und schon am darauffolgenden Tag flog er zu Besprechungen mit dem Präsidenten und Mitgliedern des Nationalen Sicherheitsrates nach Washington. Zwei Wochen danach besprach er in Houston mit NASA-Beamten die weitere Planung. Stone erinnert sich zwar an ein oder zwei bissige Bemerkungen über »das gottverdammte Zuchthaus für Ungeziefer«, doch die meisten Wissenschaftler, mit denen er konferierte, standen dem Projekt wohlwollend gegenüber. Es dauerte nur einen Monat, dann war aus Stones informeller Arbeitsgruppe ein offizieller Ausschuß zum Studium der Probleme einer Ansteckung und Verseuchung und zur Ausarbeitung von Empfehlungen geworden.
Dieser Ausschuß wurde vom Verteidigungsministerium auf seine Liste für »Fortgeschrittene Forschungsprojekte« gesetzt und von diesem Ministerium auch finanziert. Zu jenem Zeitpunkt lag das Schwergewicht der Förderung von Forschungsprojekten auf den Gebieten der Chemie und Physik – Ionenstrahlen, Umkehrduplikation oder pi-Mesonen-Substrate –, aber es war auch schon zunehmendes Interesse an biologischen Problemen festzustellen. So befaßte sich eine Forschungsgruppe mit elektronischen Schrittmachern für Gehirnfunktionen (ein beschönigender Ausdruck für psychische Beeinflussung); eine zweite hatte einen Bericht über Biosynergismen vorgelegt, die in Zukunft möglichen Kombinationen von Mensch und Maschine durch implantierte Apparate; eine weitere wertete das Projekt Ozma aus, die in den Jahren 1961-64 durchgeführte Suche nach außerirdischem Leben. Eine vierte Gruppe arbeitete an den Vorentwürfen zu einer Maschine, die alle Funktionen des Menschen ausführen und sich selbst fortpflanzen konnte. All diese Projekte waren höchst theoretisch, alle waren sie mit namhaften Wissenschaftlern besetzt. Wer auf die Forschungsliste kam, genoß beträchtliches Ansehen und durfte für die Zukunft sicher mit der Bewilligung von Mitteln für Planung und Entwicklung rechnen.
Als nun Stones Ausschuß einen vorläufigen Entwurf der »Denkschrift zur Analyse von Lebewesen« vorlegte, in dem dargestellt wurde, auf welche Weise jegliches Lebendige studiert werden kann, antwortete das Verteidigungsministerium mit der sofortigen Zuwendung von zweiundzwanzig Millionen Dollar für den Bau eines speziellen Isolierlabors. (Diese recht hohe Summe erschien gerechtfertigt, da das Projekt auch Berührungspunkte zu anderen, bereits eingeleiteten Untersuchungen hatte. Im Jahre 1965 wurde dem ganzen Gebiet des Sterilisierens und der Verseuchung besondere Bedeutung beigemessen. Die nasa beispielsweise baute ein Mondrückkehrlabor, eine streng geheime Einrichtung für Astronauten, die vom Mond zurückkehrten und möglicherweise für den Menschen schädliche Bakterien oder Viren mitbrachten. Jeder vom Mond heimkehrende Astronaut sollte dort drei Wochen lang unter Quarantäne gestellt werden, bis die Desinfektion abgeschlossen war. Ferner ging es dabei um das Problem »sauberer Räume«
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