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Auf ewig und einen Tag - Roman

Titel: Auf ewig und einen Tag - Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Joy Arnold Angelika Felenda
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Sie schüttelte den Kopf. »Ich weiß, du verstehst es nicht, aber es ging nicht um dich. Nicht darum, dich zu verletzen.« Sie streckte die Hand aus, um den Kragen von Daddys Bademantel zu berühren, und zog sie wieder zurück. Einen Moment verharrte ihr Arm wie erstarrt in der Luft, dann strich sie mit den Fingern über ihr Gesicht und zwickte sich in die Wangen.
    Ich beobachtete sie, strich mit der Zunge über meine ungeputzten Zähne und zog Eve schließlich neben mich aufs Bett. Schniefend holte sie kurz Luft und gab dann mit geschlossenen Lippen einen Klagelaut von sich, ein Wimmern, wie ich es bisher nur bei ganz kleinen Kindern gehört hatte. Was bedeutete das? Eine Entschuldigung? Oder hatte sie Angst vor sich selbst? Ich stellte mir ihre Eifersucht als ein Geschwür vor, das sie erst jetzt sehen konnte, nachdem der Deckmantel, den Brad Carrera gebildet hatte, weggerissen war. Ich stellte mir vor, dass sie das Geschwür ganz unvermittelt sah, und legte den Arm um sie. Ich bettete ihren Kopf an meinen Hals, wir wiegten uns und versteckten uns beide in ihrem Schluchzen.

17
    Justin und ich gingen zu den Mohegan Bluffs hinaus, die Luft duftete nach Äpfeln und Salz, und Kieselsteine schlüpften in meine Sandalen. In einem Monat wäre dieser Parkplatz mit Autos überfüllt. Touristen würden zum Meer hinunter wandern, um den Ausblick zu genießen, sich anzusehen, wie die Klippen abfielen und sich auffalteten, bevor sie ins Wasser eintauchten, und Hartriegelblüten wie Farbkleckse den Hang übersäten. Aber jetzt waren die Klippen kahl, außer uns war niemand hier, wir redeten nicht, hielten uns nicht an der Hand, konzentrierten uns nur auf das Geräusch unserer Schritte.
    Wir stiegen die wackligen Holzstufen hinab, zogen die Schuhe aus und setzten uns auf einen großen Felsblock am Wasser. Ich hoffte darauf, dass mich die rhythmischen Wellen wegspülten, mich an den Ort brachten, wo die einzige Bewegung Ebbe und Flut, der immerwährende Strom der Gezeiten, war. »Diese Kleider waren Eves Idee«, sagte ich schließlich.
    »Was du nicht sagst.« Er drückte mein Knie. Die Geste wirkte irgendwie herablassend, und ich riss mich los. Unter uns stieß ein Kormoran herab, landete auf einem Felsen und breitete seine Flügel zum Trocknen aus.
    »Irgendwas ist anders bei ihr«, sagte ich. »Seit der Geschichte mit Brad, schätze ich. Manchmal liegt sie morgens einfach so im Bett. Mit offenen Augen, ohne wirklich etwas zu sehen.«
    Justin blickte mit ausdruckslosem Gesicht aufs Meer hinaus.
»Und es sind auch noch andere Dinge, Justin. Neulich hab ich ihre Schublade durchgesehen und diese … neue Unterwäsche, diese Stringtangas gefunden.«
    »Stringtangas?« Justin lächelte schief.
    »Und eine Tüte mit Schnapsflaschen. Also hab ich mich gefragt, woher sie das Geld dafür hat und wie sie überhaupt in ihrem Alter an Schnaps kommen konnte, und dann kam ich drauf, dass sie ihn gar nicht gekauft hat.«
    »Was meinst du damit?«
    »Was werde ich wohl meinen? Sie hat ihn geklaut, Justin.« Ich drückte meine nackten Zehen gegen den Felsen. »Sie hat ihn gestohlen.«
    Justin sah mich an, dann blickte er wieder zum Horizont hinaus. »Und du hast diese Kleider gestohlen.«
    Ich schüttelte den Kopf.
    Justin beugte sich hinunter, um eine Handvoll Steine aufzuheben, die er nacheinander ins Wasser warf.
    Ich blickte auf die Klippen, zum südöstlichen Leuchtturm, den wir an dunstigen Sommerabenden mit Daddy bestiegen hatten, um uns anzusehen, wie die Lichtbänder langsam über den Himmel strichen. Damals kam er uns wie der höchste Ort auf der ganzen Welt vor. »Ich wollte es gar nicht, Justin. Aber sie wollte unbedingt, und wie es in letzter Zeit so zwischen uns stand …«
    »Ich muss dir was sagen«, begann er mit unsicherer Stimme. Er warf seinen letzten Stein und beobachtete, wie er übers Wasser hüpfte. »Es geht um Eve.«
    Eine Welle schwappte zwischen unsere Füße und rüttelte an den Steinen, was wie vereinzeltes Händeklatschen klang. Ohne zu antworten, wischte ich mir den Schmutz von den Füßen und
schlüpfte dann wieder in meine Sandalen. Ich musste mir die Schuhe anziehen, weil er mir sagen würde, dass sie versucht hatte, ihn zu küssen, und dann müsste ich entweder weglaufen oder ihm einen Tritt versetzen.
    »Die Sache ist die, ich finde, sie sollte nicht mehr in Dads Werkstatt arbeiten.«
    »Was?«
    »Es geht um Geld …« Er räusperte sich. »Das fehlte. Geld hat gefehlt. Ich erzähle dir das nur für den

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