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Ausgekocht: Ein Mira-Valensky-Krimi

Ausgekocht: Ein Mira-Valensky-Krimi

Titel: Ausgekocht: Ein Mira-Valensky-Krimi Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Eva Rossmann
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gemeinsam gekocht oder so. Der hat für das Gourmetlokal einen Chefkoch gesucht. Damit ich keine Probleme bekomme, hat Demetz gesagt, soll ich ganz still gehen. Freundin hat das verstanden, sie besucht mich manchmal. Mutter ist stolz auf mich. Ich verdiene mehr als im Apfelbaum. Nicht viel mehr, aber für Tschechien ist es sehr viel.«
    Wir versuchen ihn auszuhorchen, warum Demetz das getan hat und ob er für ihn auch einige der »Streiche« ausgeführt hat. Peppi bleibt dabei: Demetz hat Billy eben gut gekannt und wollte ihm helfen. Zum Schluss gibt er zu, dass er es war, der Salz und Zucker vermischt hat. Aber mit den anderen Dingen habe er nichts zu tun, nie würde er so was machen.
    »Demetz hat gesagt, Billy haltet alle für dumm. Wenn man Salz und Zucker vermischt, dann glaubt sie auch, das fallt mir nicht auf. Ich soll es nur probieren, dann werde ich sehen. Sie glaubt, dass nur sie gut ist.«
    »Und du hast das dann einfach getan?«
    »Weil sie mich immer kommandiert hat. Weil ich sehen wollte, ob … Demetz hat gesagt, das ist wie ein Test, ob ich gehen soll.«
    »Was sollte sie denn glauben? Immerhin hast du tatsächlich so getan, als würdest du nicht bemerken, dass Salz und Zucker vermischt sind. Hätte sie lieber glauben sollen, du fällst ihr absichtlich in den Rücken?«
    Sein Gesicht verschließt sich wieder.
    »Wenn du sonst noch etwas angestellt hast, jetzt hast du die Möglichkeit, es zu sagen«, fauche ich ihn an. »So oder so – es kommt heraus!«
    »Gibt es nicht mehr zu sagen. Und was ich tue, ist in Ordnung. Wondra heißt meine Mutter, kann ich mich auch so nennen. Kann mir niemand etwas tun.«
    »Wie wäre es mit zweifachem Mord? Mit schwerer Körperverletzung? Hausfriedensbruch? Sachbeschädigung? Rufschädigung?«
    »Habe ich nichts zu tun damit. Bin ich Chefkoch hier.«
    Jetzt sieht er richtig selbstgefällig drein. Trotzdem, aus irgendeinem Grund glaube ich dem Einfaltspinsel.
    »Beim nächsten Mal machst du die Weißweinsauce gefälligst so, wie du es gelernt hast. Nicht weiße Sauce aus dem Tetra Pak, gemischt mit etwas Wein und Schlagobers. Pfui Teufel!«
    »Die Sauce war …«
    »… Scheiße!« Ich stutze. »Apropos Scheiße: Was hat Demetz gegen Capriati?«
    Er sieht mich mit großen Augen an, als hätte ich chinesisch mit ihm geredet.
    Ich stehe auf, Vesna ebenfalls. »Ich habe Essen nicht so schlecht gefunden«, sagt sie. »Man bleibt in Kontakt.«
    Josef Dvorak bleibt am Tisch stehen und sieht aus wie einer dieser scheußlichen lebensgroßen Köche aus Plastik, die man hin und wieder vor Lokalen sieht.
    Wir zahlen am Ausgang. Der Ober ist zu höflich, um zu fragen, was vorgefallen ist. Aber er platzt fast vor Neugier.
    »Der Dame hat Essen nicht besonders geschmeckt«, sagt Vesna und deutet auf mich.
    Nichts wie weg.
    Wir kurven durch Prag zurück auf die Autobahn und kündigen via Mobiltelefon an, Neuigkeiten zu haben. Genaueres will ich nicht sagen, vielleicht werde ich, was Mobiltelefone angeht, schon langsam neurotisch. Wenn alles gut geht, sind wir zwischen eins und zwei im Apfelbaum. Billy verspricht zu warten.
    Wir sind viel zu aufgekratzt, um unsere Müdigkeit zu spüren. Demetz, der sich an Billy rächen will, weil sie ihn als Küchenchefin ablösen sollte. Jemandem den Koch auszuspannen ist wirklich böse. Aber sind ihm die anderen Dinge auch zuzutrauen? Er war ein guter Koch und ein hervorragender Organisator, hat Billy gesagt. Aber jetzt ist er in erster Linie alkoholkrank. Wohl kein Zustand, in dem man präzise planen kann. In welcher Beziehung stand er zu Bachmayer? In welcher zu Baumann?
    Bachmayer hat das Lokal verrissen, in dem Demetz jetzt Chefkoch ist. Aber Bachmayer hat bald einmal jemanden verrissen, der keine Inserate zahlen wollte. Das wissen wir inzwischen. Ob er Baumann gekannt hat? Vielleicht haben die beiden früher einmal gemeinsam gekocht. Aber Baumann war gut zehn Jahre jünger. Demetz war ein Star, als Baumann noch ein Niemand war. Groß geworden ist er erst in den deutschen Fernsehstudios.
    Daniel hat erzählt, dass sich nicht nur er, sondern auch Demetz und eine Reihe anderer als Fernsehkoch beworben haben. Aber auch das ergibt noch kein Mordmotiv. Vesna stimmt mir zu.
    Ich überlege weiter. »Was ist, wenn Demetz das eine gemacht hat und Manninger das andere? Böse Streiche von Demetz und ganz Böses von Manninger? Warum ist er so plötzlich nach New York? Da erbt er den Apfelbaum, lässt das Luxusrestaurant in Wien dafür sausen, und nicht

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