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Back to Blood

Back to Blood

Titel: Back to Blood Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tom Wolfe
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kenne das Verlangen, so einen Dreckskerl zu töten, der gerade versucht hat, einen selbst zu töten, weil ich das öfter erlebt habe als Sie. Ich kenne das Verlangen, so einen Mistkerl mit jeder nur denkbaren Beleidigung zu bombardieren. Weil ich auch das oft genug erlebt habe. Aber Sie beide mussten ja unbedingt die Sau rauslassen. Sie mussten mit dem borniertesten Scheiß daherkommen, den man heutzutage in Amerika verzapfen kann. Sie mussten ein gottverdammtes Wörterbuch an Beleidigungen runterrattern und hätten damit die Gefühle von Schwarzen garantiert nicht schlimmer verletzen können. Auch das kenne ich alles. Und ich lass mir diese Scheiße nicht mehr gefallen, und jedem Idioten, der mir damit kommt, breche ich jeden Knochen im Leib, vom Oberarm über die Hüftgelenkpfanne bis zum Zungenbein. Ich mache jeden verschissenen Redneck fertig, der so einen Scheiß über mir auskippt, das schwöre ich.«
    Nestor zerriss es fast. ::::::Aber ich doch nicht! Ich habe nichts Falsches gesagt!:::::: Warum er trotzdem den Mund hielt, hatte zwei Gründe … Erstens hatte er eine Heidenangst vor dem Chief und davor, wozu er fähig sein würde. Zweitens, wenn er die Schuld auf den Sergeant schob … dann würde er geächtet — von allen, der Bruderschaft, der gesamten Polizei, von Hernandez, Ruiz, sogar von americanos wie Kite und McCorkle von der Marine Patrol und, ja, auch vom Chief selbst. ::::::So einen Anschiss würde ich mir von meinem Vater, meinem papi, nicht mehr bieten lassen, aber von dem großen schwarzen Mann hinter dem Schreibtisch, von dem schon. Die Cops sind mein Leben, die einzigen Menschen, die ich noch habe. Was, wenn sich in sechzig Sekunden herausstellt, dass der knochenzermalmende Zorn des Chiefs nur der Vorlauf war, um uns rauszuschmeißen, mich und den Sergeant, uns zu feuern, uns fallen zu lassen wie zwei heiße Kartoffeln?::::::
    Als Nächstes sagte der Chief, »Keine Angst, ich werde Sie nicht feuern, und ich werde Sie auch nicht degradieren. Ich glaube, dass ich Sie ganz gut kenne. Sie sind zwei Cops …« Er machte eine Pause, um die Worte wirken zu lassen. »Nun ja, was immer Sie sind — Sie, Hernandez, sind wahrscheinlich ein beinharter, unverbesserlicher Rassist — jedenfalls haben Sie beide Tapferkeitsmedaillen bekommen, und die bekommt man nicht einfach nur verliehen, damit die Moral der Truppe gehoben wird. Aber was wir jetzt kurzfristig zeigen müssen, das ist nicht Verständnis und Vergebung für menschliche Schwächen.«
    Als er »menschliche Schwächen« sagte, lächelte er leicht. Es war das erste leutselige Lächeln, seit er mit seinem Vortrag begonnen hatte. Okay, dachte Nestor ::::::aber was soll so komisch sein an »menschlicher Schwäche«, außer der Chief wollte uns zeigen, dass er weiß, was für eine bescheuerte Redewendung das ist? Und wer ist »wir« — oder ist das auch nur eins von diesen bescheuerten Wörtern, die Politiker immer sagen, wenn sie meinen, »Sie sitzen hier nicht nur einem einzelnen Mann gegenüber, sondern der Macht.«?::::::
    »Wir müssen Sie vom Dienst suspendieren«, sagte der Chief. »Aber wie gesagt, das ist eine kurzfristige Maßnahme, keine dauerhafte. Sie werden normal weiterbezahlt.«
    Nestor schaute den Sergeant an. Der Sergeant saß mit zusammengepressten Lippen und verkrampften Kinnmuskeln da. Er schien etwas darüber zu wissen, was »vom Dienst suspendieren« bedeutete, was Nestor nicht wusste. Nestor nahm seinen Mut zusammen und fragte, »Chief … was genau bedeutet das? Wir kommen rein und machen Büroarbeit?«
    »Nein«, sagte der Chief. »Wenn man vom Dienst suspendiert ist, dann macht man gar keine Arbeit.« Das Gesicht des Chiefs war wieder wie versteinert.
    »Man macht gar keine Arbeit?« Als er die Frage ausgesprochen hatte, schaute Nestor nicht mehr den Chief an, sondern wandte sich unwillkürlich an den Sergeant. Irgendwie hatte er das Gefühl — mehr nicht, nur ein Gefühl — dass er vom Sergeant eine direktere Antwort bekommen würde.
    Der Sergeant schaute den Chief mit einem schmalen, fast aufmüpfigen Lächeln an.
    »Nein, Sie werden keine Arbeit machen«, sagte der Chief. Das Gesicht wieder versteinert. »Und Sie kommen auch nicht rein. Sie werden sich täglich von acht Uhr morgens bis sechs Uhr abends zu Hause für Anrufe verfügbar halten.«
    »Anrufe, um was zu …« Nestor war zu kraftlos, um den Satz zu beenden.
    »Um nichts zu tun«, sagte der Chief. »Sie haben sich nur für die Anrufe verfügbar zu

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