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Back to Blood

Back to Blood

Titel: Back to Blood Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tom Wolfe
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americana macht? Mit einem anständigen Kleidchen aus der Ramschkiste im Kaufhaus?«
    Magdalena stutzte. Sie war sprachlos … und ging im Kopf wie ein Buchhalter alle ihre Möglichkeiten durch. »Ich weiß nicht … Ich weiß einfach nicht …« Frustriert ballte sie ihre kleinen Fäuste. »Und jeden Moment taucht Norman auf, und das im Chez Toi ist wirklich wichtig.«
    »Du musst das Beste aus dir machen«, fuhr Amélia fort. »Und zwar a la moda cubana! Nur noch ein paar Kleinigkeiten. Hast du eine goldene Halskette? Eine ganz normale, nichts Protziges.«
    »Ich habe eine. «
    Magdalena drehte sich um und öffnete die Schublade einer Kommode. Sie nahm eine Halskette heraus, an der ein kleines goldenes Kreuz hing.
    »Ein Kreuz!«, sagte Amélia. »Das ist perfekt! Du weißt gar nicht, wie perfekt das ist. Na also, alles erledigt«, sagte Amélia. »Zieh den Rock an, schlüpf in das Bustier, ich mache dir hinten den Reißverschluss zu, und schon bist du startklar.«
    Magdalena stieß einen verzweifelten Seufzer aus, gehorchte aber trotzdem. Amélia zog den Reißverschluss am Rücken hoch, der so tief ausgeschnitten war, dass man bis etwa fünfzehn Zentimeter oberhalb der Taille nackte Haut sehen konnte.
    »Jetzt die Halskette.« Magdalena legte sich die Halskette um.
    »Perfekt!«, sagte Amélia. »Los, schau in den Spiegel.«
    Magdalena war schockiert. Das Bustier hatte ihre Brüste so weit nach oben gedrückt, dass sie sich leicht wölbten und das Dekolleté sehr sichtbar war.
    »Oh, mein Gott«, sagte Magdalena. »Wie groß sie aussehen.«
    »Genau das war der Sinn der Sache, oder?«, sagte Amélia. »Du siehst fantastisch aus. Und, das Kreuz? Ich hab’s dir gesagt. Perfekt. «
    Das Kreuz lag genau da, wo das Dekolleté begann.
    »Die Jungfrau auf dem Hügel, Magdalena, und des Teufels Spielfeld zu deinen Füßen! Du musst nur Selbstvertrauen zeigen. Das ist dein Abend, Magdalena! Du musst viel lächeln. Wenn es sein muss, lächle die leeren Wände an, aber lächle. Alle im Chez Toi werden auf dich zukommen, nicht umgekehrt. Und weißt du, was das Geheimnis ist? Dein Entree ist a la moda cubana . Du brauchst nicht zu schauspielern! Du wirst der lockerste, selbstbewussteste Mensch in dem ganzen Laden sein!«
    Der Pfeifer auf Magdalenas Kommode fing an zu pfeifen, und Amélia erschrak sich fast zu Tode … Magdalenas Klingelton … Nestor hatte ihn für sie hochgeladen — ein Mann, der eine Melodie pfeift, die aber niemand kannte. Er liebte solche Spielereien. Auf sein eigenes Handy hatte er irgendeinen Hip-Hop-Song hochgeladen. Wie hieß der noch mal? Ja, richtig. »Caliente! Caliente baby … Got plenty fuego in yo’ caja china« — was aber nicht die Spur von Wehmut in Magdalena hervorrief. Ihr kam nur der Gedanke, was für Babys sie gewesen waren … immer auf der Suche nach dem leeren Bett eines Freundes, wo sie niemand überraschen konnte, wenn sie ihr verstohlenes Rein-und-raus-und-rein-und-raus-und-rein-und-raus-Spielchen spielen wollten … Sie konnte nicht glauben, was für Kinder sie gewesen waren … immer nur rein und raus und rein und raus und rein und raus — »Hallo?«
    »Magdalena, ich dachte, du würdest unten auf mich warten!« Norman, natürlich. »Ich kann hier nicht parken.« Norman, gereizt und sauer.
    »Bin gleich unten!« Magdalena drehte sich schnell wieder um und begutachtete sich noch einmal im Spiegel. »Ich weiß einfach nicht, Amélia …«
    »Aber ich«, sagte Amélia. »Das Chez Toi braucht dich. Die brauchen ein bisschen Sex, und der kommt in sehr hübscher Verpackung! Du hast ein Kreuz auf deinem Busen. Du bist ein reizendes, einfaches Mädchen, zu jung für Affektiertheiten. Und du bist ja eigentlich gar nicht nackt, du siehst nur so aus.«
    Magdalena betrachtete immer noch das Wesen im Spiegel. Sie war wie gebannt von sich. » Oh Dios mío , Amélia!« Ihre Stimme zitterte leicht. »Ich hoffe, du hast recht! Jetzt habe ich sowieso keine Zeit mehr zum Umziehen. Norman bringt mich um!«
    »Du bist eine Vision, Magdalena, eine Vision. Zwei Dinge darfst du nicht vergessen. Du hast dich in eine Jungfrau zurückverwandelt. Du bist eine Jungfrau mit einem Kreuz auf deinem Herzen! Du bist jünger, schöner und reiner als jede andere Frau im Chez Toi. Und zweitens — sei selbstbewusst. Du bist besser als diese … diese Snobs …«
    Als sie unten aus dem Lift trat und zu Normans Wagen ging, war ihr Mumm, den sie ja überhaupt nur diesem Fummel zu verdanken hatte, schon wieder

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