Back to Blood
warum ich sage, was ich sage!«
Ein Brüllen: »Halten Sie den Mund, Sergeant! Kein Mensch gibt einen Scheiß darauf, was Sie sagen, dass Sie gesagt haben! Was Sie gesagt haben, ist jetzt im beschissenen World Wide Web, und Sie haben sich sehr klar ausgedrückt. Haben Sie überhaupt eine Ahnung, was Sie für eine Bombe mit Ihrem rassistischen YouTube-Auftritt gezündet haben? Haben Sie eine Ahnung, wie viele Webseiten, Blogs und Nachrichtenkanäle sich auf das Scheißvideo gestürzt haben?«
»Das ist nicht mein Auftritt, Chief —«
»Was ist los mit Ihnen, Hernandez? Sind Sie taub? Oder verblödet? Wissen Sie nicht, was Mund halten bedeutet?«
Das »Hernandez« ist ein Schlag in die Magengrube. Jorge Hernandez ist nicht mehr Sergeant. Das erregt seine Aufmerksamkeit, mehr als der Anschiss. Er richtet sich auf, sitzt kerzengerade auf dem Stuhl und hört dem Chief mit offenem Mund zu.
»Ich bekomme seit sechs Uhr morgens, und da war das verdammte Ding noch keine zwei Stunden draußen, Anrufe, E-Mails, SMS und Tweets — und die kommen nicht nur aus Overtown, Liberty City und Little Haiti. Die kommen aus der ganzen gottverdammten Welt! Die Scheiße kommt bis aus Frankreich. Einer schreibt, ›Ihr mit eurem frommen Gerede über Menschenrechte und Freiheit und dem ganzen Kram — jetzt sehen wir ja, wie es in eurem Rechtssystem wirklich zugeht‹ — so eine Scheiße schicken die mir, Hernandez, und was ich da zu lesen kriege —«
Hernandez — der Kerl ist unglaublich! Wieder versucht er, dem Chief ins Wort zu fallen! »Chief, das stimmt nicht, weil —«
Er kommt nicht dazu, den Satz zu beenden. Der Blick des Chiefs lässt ihn erstarren. Der Chief sagt kein Wort. Er schaut Hernandez nur mit einem unheilvollen Ich-prügel-dir-die-Scheiße-aus-dem-Hirn-Lächeln an, das besagt: »Du kleine Schwuchtel! Wenn du diese Sache informell regeln willst, brauchst du nur ein Wort zu sagen, dann gehen wir vor die Tür, und ich wickel dir dein Gedärm um den Schädel wie einen Turban.« Der Sergeant verstummt.
Der Chief sprach weiter, jetzt leiser und ruhiger. »Und was ich da zu lesen kriege, ist nichts im Vergleich zu dem, was der Bürgermeister abkriegt. Das ist eine gottverdammte Flut aus Scheiße, eine Sintflut aus Scheiße. Das sind nicht die üblichen Bilder, wo man aus zehn Metern Entfernung Polizisten sieht, die irgendein armes, auf dem Boden liegendes Schwein mit ihren Gummiknüppeln vermöbeln und keiner weiß, warum, und keiner kriegt mit, was die da sagen. Diesmal ist die Kamera ganz nah, die klebt praktisch auf Ihren Gesichtern, die nimmt jedes Wort von Ihnen auf und nicht nur das, auch Ihren Gesichtsausdruck, und der sagt mehr als euer Gebrüll.«
Der Chief machte eine Pause … eine bedeutungsvolle Pause. Er schaute erst den Sergeant an, dann Nestor, und beide Male nicht sehr wohlwollend. »Hat einer von Ihnen beiden schon mal in einem Stück mitgespielt? Ich meine … auf der Bühne?«
Keiner von beiden sagte ein Wort. Schließlich schüttelte erst der Sergeant, dann Nestor den Kopf.
»Dachte ich mir«, sagte der Chief. »Dann war das also keine große Schauspielkunst. Sie haben der ganzen Welt ein fach eine authentische Vorführung Ihrer rassistischen Borniert heit geliefert, eine hübsche unverfälschte Vorführung.«
Wütend schaute der Chief sie an, und diesmal war es Nestor, den es drängte, sich einzumischen. ::::::Das ist nicht fair! Was hab ich denn gesagt? Sie können mich nicht einfach mit dem Sergeant in einen Topf schmeißen! Wissen Sie überhaupt, wie das alles angefangen hat? Sie sind doch kein ahnungsloser Bürohengst, oder? Sie glauben doch nicht, dass der Anfang von dem Video auch der Anfang von der ganzen Geschichte ist, dass zwei kubanische Cops einfach so aus Spaß diesen großen schwarzen Fleischberg umhauen und beschimpfen?!:::::: und dann konnte Nestor nicht mehr an sich halten:
»Das ist nicht fair, Chief« — seine Stimme wurde lauter, ein kreischender Unterton machte sich bemerkbar — »Ich habe nur gesagt —«
»Sie auch, Camacho! Mund halten! Sie beide sperren jetzt die Ohren auf und merken sich sehr genau jedes meiner Worte.« Der Chief hielt inne. Er schien noch unschlüssig zu sein, ob er Nestor eine Breitseite verpassen sollte. Anscheinend hatte er sich dagegen entschieden. Denn als er fortfuhr, klang er wie jemand, der ohne Umschweife seine Gedanken formuliert. »Ich weiß, dass dieses Video alles auslässt, was erklären kann, warum es so weit gekommen ist. Ich
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