Back to Blood
Haupt und lupfte ihm sanft eine kinderleichte Frage über das Netz … und Norman prügelte ihm Schmetterball um Schmetterball um Schmetterball um die Ohren.
Was vorher zwischen ihr und Norman vorgefallen war, Augenblicke, bevor die Crew von 60 Minutes eingetroffen war, quälte Magdalena noch immer. Es war irgendwie bizarr gewesen, sogar pervers. Aber mein Gott, Norman war schlau! Er war brillant! Und mein Gott, er war stark! Ein echter Mann! Er hatte auf den fiesesten, gefürchtetsten Interviewer der ganzen TV -Branche gepisst … und ihn zu einem kleinen Weichei geschrumpft.
6
Haut
Sein Büro im Französischen Institut der Universität war eine Hotellobby verglichen mit seinem Büro hier zu Hause, aber das in seinem Haus war ein kleines Juwel, ein Art-déco-Juwel, um genau zu sein, und Art déco war französisch. Es war ohnehin nur dreieinhalb mal drei Meter groß gewesen und wirkte jetzt noch kleiner, weil jemand links und rechts vom Schreibtisch brusthohe Bücherregale aus Sandelholz — Sandelholz! — absolut atemberaubend — eingebaut hatte … lange bevor er das Haus gekauft hatte, für dessen Hypothek er sich immer noch hart abrackern abrackern! musste … ein Kampf, der inzwischen unvorstellbar hart geworden war! Egal, das Büro in seinem Haus war Lantiers unantastbarer Zufluchtsort. Wenn er zu Hause in seinem Büro saß und die Tür geschlossen war, wie in diesem Augenblick, dann waren Störungen jedweder Art absolument interdites.
Er hatte den Raum absichtlich spartanisch eingerichtet … kein Schnickschnack, keine Erinnerungsstücke, kein Krimskrams, kein Nippes, und das galt auch für Lampen … keine Lampen auf dem Schreibtisch, keine Stehlampen. Der Raum wurde ausschließlich von Deckenstrahlern beleuchtet … Asketisch, aber auf die elegante Art. Das war nicht antibürger lich, es war haut bourgeois, stilvoll. Hinter Lantiers Schreibtisch befand sich ein ein Meter zwanzig breites Fenster in Form einer zweiflügeligen Glastür, die vom Boden bis zum Sims der drei Meter hohen Decke reichte. Das Gesims war wuchtig, aber glatt — stilvoll, kein lächerlicher Mischmasch aus vitruvianischen Schnecken und Kringeln, Kannelüren und Rundstäben, die im dessin haut bourgeois des neunzehnten Jahrhunderts für ELEGANCE standen. ELEGANCE im dessin haut bourgeois de l’Art déco ersetzte die große Geste durch wandhohe Fenster … durch glatte, wuchtige Simse, die das Art-déco-Motto »Eleganz durch stilvolle Strenge!« verkündeten. Der einzige Stuhl außer dem an Lantiers Schreibtisch war ein Exemplar des aus einem Stück gefertigten weißen Fiberglasentwurfs eines französischen Designers namens Jean Calvin. Wenn man pingelig sein wollte, war Calvin Schweizer, aber die Aussprache des Namens, Cal-väää, sagte schon, dass er aus der französischen Schweiz stammte und kein Deutschschweizer war, und Lantier hatte sich dafür entscheiden, ihn als Franzosen zu betrachten. Immerhin hatte Lantier, obwohl er von Geburt Haitianer war und die außerordentliche Professur für Französisch (und das abscheuliche Kreolisch) bekommen hatte, weil er Haitianer war, Belege dafür, dass er in Wahrheit ein Nachfahre der bedeutenden de Lantiers aus der Normandie in Frankreich war, deren Stammbaum mindestens zweihundert Jahre zurückreichte, wenn nicht noch weiter. Man brauchte sich nur seine helle Haut anschauen, die nicht dunkler war als, sagen wir, ein Caffè Latte, um zu wissen, dass er im Grunde Europäer war … Nun ja, er machte sich nichts vor. Ihm war klar, dass sein Bestreben, sich als Franzose zu fühlen, für seine finanzielle Schieflage verantwortlich war. Das Haus war ansonsten weder groß noch herrschaftlich. Aber es war Art déco! … ein authentisches Art-déco-Haus aus den Zwanzigerjahren! — eins von etlichen, die damals im nordöstlichen Teil von Miami gebaut worden waren, der als Upper East Side bekannt war … keine wirklich vornehme Gegend, aber solide obere Mittelklasse … viele kubanische und andere Latino-Geschäftsleute … hier und da eine weiße Familie … keine Negs und keine Haitiane r ! — außer den Lantiers, aber hier in der Gegend hat noch nie jemand die Lantiers für Haitianer gehalten … sicher nicht den Französischprofessor Lantier von der Everglades Global University und seine Familie in ihrem Art-déco-Haus … Diese Art-déco-Häuser galten als etwas sehr Spezielles. Art déco war die Abkürzung für Arts décoratifs, die erste Form moderner Architektur — und sie war
Weitere Kostenlose Bücher