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BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)

BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)

Titel: BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Manfred Weinland / Timothy Stahl / Adrian Doyle
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konnte...
    Tatsächlich gab es niemanden, den er nicht durch jenes Tor, das er zu bewachen hatte, nach Prag hineingelassen hätte. Weil keiner der Ankömmlinge Böses im Schild führte – oder zumindest nicht so dumm war, es den Wachsoldaten bei seiner Ankunft zu verraten. Zudem wurde das Übel ohnehin nicht von draußen in die Stadt hineingetragen. Es gärte längst jenseits der Mauern, in der Stadt selbst. Und es war abzusehen, dass es schon bald schlimme Folgen zeitigen würde. Etwas lag in der Luft, das Vaclav von vielen Schlachtfeldern, auf denen er schon zugange gewesen war, her kannte: der Geruch von Tod und Gewalt...
    Doch das musste ihn nicht kümmern,
noch
nicht jedenfalls...
    So hatte Vaclav seine eigenen Regeln für den Wachdienst an der Stadtmauer aufgestellt. Und die erste lautete, jeden Fremden zu filzen und zu schikanieren, bis dass es ihm selbst zu blöde wurde.
    Auf diese Weise verging wenigstens die Zeit...
    Ein müdes Grinsen glitt über das Gesicht des längst nicht mehr jungen Soldaten, als er in seinem Unterstand im Tor das Rumpeln hölzerner Räder und den trägen Schlag von Hufen auf dem Pflaster draußen hörte. Ächzend richtete er sich auf, zog seine Kleidung halbwegs gerade. Dann trat er, auf seine Hellebarde gestützt, hinaus.
    Und sein Grinsen verflog.
    Der Alte, der da auf dem Bock des Plankarrens hockte, würde ihm nicht viel Kurzweil bereiten. Er sah mehr tot aus denn lebendig, und es schien dem Soldaten ein kleines Wunder, dass die jämmerliche Gestalt sich noch aus eigener Kraft dort oben halten konnte.
    Dennoch verstellte er ihm den Weg.
    "He da!“, rief er energisch. "Halt an, Alter!"
    Der Kutscher reagierte nicht sofort. Es dauerte eine Weile, ehe er auch nur den Kopf hob und den Blick in Vaclavs Richtung wandte, und dann noch einmal ein wenig, bis er in die Zügel seines kaum weniger gebrechlichen Gauls griff und ihn zum Stehenbleiben veranlasste.
    Der Soldat trat seitlich an den Karren heran, sah auf – und fröstelte unvermittelt.
    Die Augen in diesem uralten Gesicht dort oben – etwas wohnte ihnen inne, das nichts Gutes verhieß. Jenseits ihres trüben Schimmers brodelte es wie am Himmel, wenn ein Gewitter bevorstand...
    Vaclav musste sich die Kehle freiräuspern, bevor er zum Reden ansetzen konnte, aber auch dann klang seine Stimme noch ein kleines bisschen weniger sicher und selbstgefällig als sonst: "Wer bist du? Wo kommst du her, und was ist dein Begehr, Alter?"
    Der Angesprochene antworte nicht gleich, als müsste er sich erst darauf besinnen, dass er eine Stimme sein eigen nannte. Dann endlich sagte er, schwer und von seltsamer Trauer erfüllt: "Man nennt mich Karel. Und ich habe Ladung für Eure Herren in der Stadt."
    "Ladung welcher Art?“, fragte Vaclav.
    "Das geht dich nichts an", erwiderte der Alte.
    Vaclavs Hellebarde schoss dem Gesicht Karels zu wie ein matter Blitz. Nur Fingerbreit vor der dürren Nase des Alten kam sie zur Ruhe.
    "Was wagst du da, du Narr?“, knurrte der Torwächter.
    Das Gewitter in den Augen des Alten brach aus!
    Mit einem Aufschrei und vor allem einer Geschmeidigkeit, die niemand dem gebrechlichen Leib mehr zugebilligt hätte, stürzte Karel sich vom Bock. Seine Faust beschrieb einen flirrenden Bogen, während er auf Vaclav herabfiel. Trotzdem sein Kettenhemd ihn schützte, spürte der Soldat die wütende Kraft, die hinter dem Messerstoß des Alten lag.
    Aufstöhnend wankte er zurück.
    Mit irrem Blick und geifernd stand ihm der Kutscher gegenüber, die Klinge vorgereckt.
    "Steck das Messer weg, Alter", empfahl der Soldat. "Dann werd' ich vielleicht vergessen, was du versucht hast."
    "Du wirst gleich vergessen, dass du je gelebt hast!“, keuchte der Alte und kam näher.
    Vaclav nahm den Schaft der Hellebarde quer, wartete, bis Karel noch ein bisschen weiter heran war, dann stieß er ihm das stumpfe Stielende entgegen. Er traf ihn vor der Brust. Der Stoß ließ den Alten zurücktaumeln. Rasch hakte der Soldat ihm den Schaft zwischen die Knie, brachte ihn ins Straucheln und schließlich zu Fall. Ehe der andere sich wieder erheben konnte, schlug er ihm den Schaft der Waffe gegen die Schläfe. Mit einem seltsam erleichterten Seufzen sank Karel zurück.
    "Was mag nur in den armen Tropf gefahren sein?“, wunderte sich Vaclav schweratmend. "Scheint's, der Leibhaftige selbst..."
    Er trat neben ihn und vergewisserte sich, dass der Alte vorerst wirklich keine Gefahr mehr darstellte und ihm nicht unversehens in den Rücken fallen konnte. Dann

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