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Bismarck 04

Bismarck 04

Titel: Bismarck 04 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl Bleibtreu
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großen Vorräte und Parks im Raum zwischen Hindenburg- und Hermannslinie geborgen waren. Übrigens wird wohl nicht viel solcher Art im August verloren gegangen sein, da die Depots schwerlich über St. Quentin und Peronne vorgeschoben sein dürften. Wäre dem nicht so, müßte man solche Unvorsichtigkeit beklagen. Proviant- und Munitionskolonnen retteten sich wohl meist, dagegen ging natürlich viel eingebautes Artilleriematerial verloren, obschon wir die Ententeangabe dafür nicht wörtlich nehmen. Überhaupt muß man die Reservatio mentalis , die sogar einem Toten Mann bei Verdun zu mehrfacher Resurrectio mentalis verhalf, in Ententeberichten durchschauen und näher besehen, wobei wir ebensowenig ausschließen, daß der H. B. nicht den wahren Umfang des deutschen Mißerfolges aufdeckte. Doch die Tatsachen reden, denn der Raumgewinn, den sich die Verbündeten im September holten, war nicht danach angetan, schon von unausbleiblichem Zusammenbruch der deutschen Linien zu schwärmen. Erst die letzte Septemberwoche sah fortschreitenden Angriff: am 26. der jetzt zahlreich als Armee Pershing auftretenden Amerikaner zwischen Maas und Argonnen, am 27. der Engländer bei Cambrai, am 28. zwischen Lys und Dixmuiden, am 29. der Franzosen auf St. Quentin. Erst am 12. Oktober waren die Deutschen so weit, ihre Küstenstützen Zeebrügge und Ostende zu räumen, die neue vorgesehene Linie Antwerpen–Namur–Maas, unterhalb Verdun mit der übrigen Front Gallwitz–Albrecht verknotet, war aber immer noch sehr stark. Wie darf man sie »verzweifelt« nennen! Militärisch war sie es nicht, sie konnte es nur werden durch die Verzagtheit daheim, die nach Frieden um jeden Preis lechzte. Sie sollte ihn haben, diesen Frieden um einen Preis, den selbst der wütendste Friedensschreier nicht bezahlt hätte, wenn er ihn geahnt hätte. Frankreich befand sich vier Jahre lang in viel schlimmerer Lage und verzagte nicht, obschon auch dort und in England das Elend anwuchs und die frivole Prahlerei »business as usual« längst erstickte.
    Alle Welt zerbrach sich den Kopf, was Hindenburgs fortwährender Rückzug bedeute und ob er anderwärts zu einem neuen Schlag ausholen werde. Noch sprach kein Anzeichen dafür und es ließ sich nichts voraussehen. Anfangs September blieb von allen Eroberungen der früheren Offensiven nichts als der Damenweg und Armentieres noch sein. Der Materialverlust war sehr bedeutend, was doch auch ins Gewicht fiel. Es stand schlimmer als nach der ersten Sommeschlacht. Die Schlacht am 30. August fiel freilich zu Ungunsten der Ententeoffensive aus, alles Herausbrechen aus Crozatkanal und an der Ailette blieb fruchtlos, indessen räumten die Deutschen den Sommebogen und die Vorstädte von Peronne lagen unter Feuer. Hinter und beiderseits Bapaume wiesen Preußen, Bayern und Sachsen jeden Andrang ab, sowohl am rechten Flügel der 2. A. als längs der Cambraistraße Württemberger und Rheinländer. Südlich Bapaume kämpften Kavallerie und Gardebrigaden bei Haucourt glänzend, Westpreußen und Allensteiner, insbesondere 175er, standen fest. Die englischen Verluste wuchsen ins Ungeheure, obschon die 3. Armee mit wilder Zähigkeit sich im Norden an die sogenannte Wotanstellung bei Queant heranarbeitete. Haigh will im ganzen August 57 000 Gef. erbeutet haben, wahrscheinlich sehr übertrieben. Was er sich bei den rasenden Sturmversuchen dachte, läßt sich nicht ermitteln, da er doch einsah, die deutsche Linie sei keineswegs im Gleiten oder Wanken, sondern lasse ihn jetzt festen Fußes anrennen. »Wir werdens schon schaffen«, telegraphierte Hindenburg zur Beruhigung der Gemüter, was freilich sehr nötig schien. Leider war auch in den ersten Septembertagen Raumverlust zu verzeichnen: Frimencourt, Beaucourt, Riencourt, unbegreiflicherweise auch schon Kemmel und Bailleuil. Auch weiterhin betraten englische Sturmschritte die rückwärtigen deutschen Linien bei Etrepigny und Richtung Queant, Schotten und Kanadier brachen mehrfach ein und machten ein paar tausend Gefangene. Bis zur Ailette dehnte sich die 150 Kilometer-Schlacht erneut aus, dort fiel Chavignon den Amerikanern zu. Auf der übrigen Front an der Somme bis Norden hin besonders heftiges Ringen um Transloy. Die vereinte 7., 9. Armee hielten ihre Stellungen, die 2., 18. verloren immer noch Boden unter furchtbarem Kämpfen, die 6. wich an der Lys bei Etaires und Neuve Eglise. Ein Ende war nicht abzusehen.
    Stegemanns Phrasen über »Wandelschlacht« und neue strategische

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