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Bismarck 04

Bismarck 04

Titel: Bismarck 04 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl Bleibtreu
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Schwergewicht immer noch auf Armee Below. Längs der Straße Cambrai–Arras schlugen Württemberger sieben Angriffe zurück, nördlich der Scarpe behielten Westpreußen und Pommern ihre Stellung ungeschmälert nach erbittertem Ringen, südwestlich Bapaume wurde durch 2. Armee der Feind wieder zurückgedrängt, Tilloy vom 206. erneut behauptet, nördlich der Somme Hardecourt von Gardegrenadieren (Kaiser Franz) und Hessen gehalten, während eine rheinische Division sehr tapfer die Flanke deckte. Gefechte bei Curlu ohne Bedeutung, doch bogen sich 2., 18. A. noch weiter zurück, nach Fresnoy und Lihons wurde auch Vesle geräumt und Noyon nur kurze Zeit von Nachhut bewacht. Am 29., 30. lieferten Großkampftage die Linie Combles–Bapaume an Haigh aus, da Below erneut auf die einstige »Siegfriedlinie« zurückfiel, in welcher fortan der Widerstand unbrechbar werden sollte. (Der Mensch denkt und Gott lenkt.) Südöstlich Arras harter Kampf bei Bullecourt. Am Westufer der Somme bewegten sich Debeney und Humbert gegen die Straße nach Ham und gegen den Südhang des Simonsbergs vor, der die Straße nach Noyon beherrscht. Dagegen erlitten Mangin und Desgouttes, deren Operation die Pariser Weisen als »sehr interessant« voraussahen, eine sehr interessante Niederlage bei Chavignon und Pont St. Mard. Magdeburger, Thüringer, Hannoversche und Gardeteile warfen zehn französische und amerikanische Divisionen, die in erster Linie anrannten, über den Haufen und nahmen ihnen allen Gefangene ab.
    Der Ententeverlust war in diesen Tagen ungewöhnlich schwer, besonders bluteten wieder Australier und Neuseeländer in weitem Trichterfeld der Einöde, die Hindenburgs einstmaliger Rückzug hinterlassen hatte. Die Kanadier wollen in einem Wald vor Bapaume erfolgreich gekämpft und 3000 Gefangene gemacht haben, wodurch die Zahl aller seit 21. Aug. gemachten Gefangenen auf 26 000 gestiegen sei. Daß die Franzosen seither wenig Gefangene machten, gaben sie selber zu, obschon die Entente teilweise mit Recht behauptete, die Deutschen schlügen sich viel matter als im Frühjahr und streckten gern die Waffen.
    Nun, daß die Stimmung keine siegesgewisse mehr war, läßt sich denken, doch bewahrten die Nachhuten überall die festeste Haltung, viele Beispiele von stolzem Opfermut verbürgen dies. Rätselhaft blieb der jähe Zusammensturz so überschwenglicher Offensivhoffnung des deutschen Hauptquartiers, das zuvor (Kühlmanns Absetzung, weil er diplomatisch verhandeln wollte) sogar den Reichstag mit solcher Zuversicht ansteckte und so bitter enttäuschte. Am 29., 30. begann die deutsche Front sich zu straffen. Die Angriffe an der Aisne erlahmten, das Aufgebot der Tanks führte zu nichts als zu Abschießen von 70 Stück, wovon 20 allein auf die 165er und 5 auf eine Kompagnie des 1. Garderegiments entfielen.
    Noyon war keineswegs wie Foch berichtete, erst nach verzweifeltem Widerstand erstürmt, sondern kampflos geräumt worden und jenseits kam man nicht weiter. Allerdings näherte man sich Peronne, aber nur zögernd. Unsere Loslösung von der Somme erfolgte ordnungsmäßig, der Feind merkte immer erst zu spät den Abzug. Gegen Armee Below ging freilich die Schlacht erbittert fort. Mit großen Massen brach der Feind aus dem Troneswald vor. Die Kanadier nahmen Haucourt, die Divisionen von London und Lancashire hatten bei Bapaume und auf der Straße Arras–Cambrai anfangs Raumgewinn, dagegen gab Haigh selber zu, daß er bei Bullecourt und Rincourt zurückgeschlagen wurde. 28 englische Divisionen (dabei Garde und 63. Marinedivision) waren im Feuer und 40 französische an der Somme und Aisne, gegen welche wohl höchstens 50 deutsche längs der Kampffront eingesetzt wurden. Sie verloren inkl. Gef. wahrscheinlich 155 000, der Feind sicher 350 000. An der Lys begann der feindliche Druck auch fühlbar zu werden, während zwischen Fismes und der Ostchampagne der Kampf ebenso einschlief, wie seit lange auf der übrigen Front zwischen Verdun und Hartmannsweiler.

VIII. September-Retirade
    Natürlich stellt Buat die Septemberkämpfe ungünstiger dar als sie waren, und meint, nur Ludendorffs Hochmut habe ihm die Erkenntnis verwehrt, daß schleuniger Rückzug auf eine kurze Front zwischen Metz und Belgien von Nöten sei. In den Hundstagen auf den Hund gekommen, sollte der Sommerkranke sich also vom Brechdurchfall erholen! Doch darf man L. nicht verargen, daß er die Wirklichkeit anders einschätzte und mindestens so lange standhalten wollte, bis seine

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