Coaching - Eine Einfuehrung fuer Praxis und Ausbildung
Führungsrolle möglichst variabel und menschlich akzeptabel auszugestalten.
Zusammenfassung
Dieser Coaching-Ansatz zielt zum einen auf die Steigerung beruflicher Qualifikationen, zum anderen auf die Entwicklung menschlicher
Gestaltungspotenziale. Eine Steigerung beruflicher Qualifikationen wird in der Erhöhung beruflicher Effizienz gesehen, die
in Verbesserungen von technischen, konzeptionellen und sozialen Managementkompetenzen ihren Ausdruck findet. Zur Erhöhung
der beruflichen Qualifikation gehört aber auch die Steigerung von Humanität im Beruf; sie sollte sich gegenüber anderen und
gegenüber dem Gecoachten selbst realisieren. Das zweite Zielbündel von Coaching gruppiert sich um die Entwicklung individueller
und sozialer Gestaltungspotenziale im Beruf. Wo sie verloren gingen, sollen sie durch Coaching wiedergewonnen werden, und
wo sie bereits gut entwickelt sind, dient Coaching ihrer Fortentwicklung.
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|173| Kapitel 7
Der konzeptionelle Rahmen zur Anwendung von Methoden beim Coaching
In einer qualifizierten Beratung werden methodische Maßnahmen nie beliebig appliziert, sondern ihre Anwendung steht idealerweise
in einem ausformulierten konzeptionellen Rahmen. Dieser sollte Orientierungen bieten, wie die infrage stehenden Anliegen von
Klienten in Beratungssituationen zu
rekonstruieren
und damit überhaupt erst zu präzisieren sind. Ein konzeptioneller Rahmen zur Anwendung von Methoden sollte auch Leitlinien
enthalten, welche
Wirkungen
durch die Methoden beabsichtigt sind. Außerdem muss der konzeptionelle Rahmen Angaben enthalten, mit welchem
Interaktionsstil
der Coach die Methoden konzeptgerecht appliziert. Die spezifische Art der Rekonstruktionen, Wirkungen und des Interaktionsstils
bestimmt sich in einem expliziten Handlungsmodell nach zwei Gesichtspunkten: nach den faktischen Intentionen, die das Modell
verfolgt, und nach anthropologischen Prämissen, die dem Gesamtmodell zugrunde liegen.
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1. Rekonstruktionen im Coaching
Jede konkrete Coaching-Sequenz beginnt mit einer Präzisierung des Anliegens, das der Klient in die Beratung hineinträgt. In
vielen Fällen stellt es nämlich auch für den Klienten selbst ein nur diffus umschreibbares Anliegen dar. In der Beratung muss
dann in einem ersten Schritt rekonstruiert werden, um was es dem Coaching-Klienten genau geht bzw. wie seine Fragestellung
bündiger als bisher formuliert und zugeordnet werden kann. Für den Coach und sein Konzept ist hier relevant, welche Bedeutung
einer Rekonstruktion der Kliententhematik überhaupt zukommt und wie sie im Speziellen anzulegen ist.
|174| 1.1 Die Bedeutung von Rekonstruktionen
Es lässt sich behaupten, dass Klienten meistens deswegen in einen Coaching-Prozess eintreten, weil sie für eine aktuell erlebte
Thematik über keine ausreichenden Deutungs- und/oder Handlungsmuster verfügen. Das äußert sich im Allgemeinen als diffus erlebtes
Unbehagen und als Gefühl des Unvermögens, die berufliche Situation angemessen zu verstehen oder in ihr adäquat zu handeln.
Wie wir im Zusammenhang mit den feldspezifischen Themen von Coaching schon gesehen haben, artikulieren Klienten ihre Fragestellungen
immer auf der Folie eines beruflichen Hintergrundes, der als kulturelles Sinnsystem jeweils nur bestimmte Perspektiven freigibt.
Das führt dann oft zur Artikulation von relativ stereotypen oder
verengten Problemformulierungen
.
So vermochte der Manager einer »analytischen Projektkultur« (
Deal, Kennedy
1982), der sich seinen Erfolg in diesem Milieu mit harter Disziplin erkauft hatte, manche Reaktionen und Handlungsweisen seiner
Mitarbeiter nicht zu verstehen. So konnte er z. B. die plötzlich auftretende »Trödeligkeit« seiner »im Allgemeinen ausgezeichnet
funktionierenden« Sekretärin nur als Ausdruck von »Faulheit« begreifen. Auf dem Hintergrund eigener lebensweltlichen Gewissheiten
war es der Führungskraft unvorstellbar, dass die Mitarbeiterin trotz seiner Appelle an ihre Selbstdisziplin nicht anders reagierte.
Seine Zuordnungsschemata und seine Handlungsstrategien erwiesen sich jetzt als untauglich. Die Lage der Sekretärin war für
ihn nur begrenzt zu erfassen, und er konnte mit ihr auch nur begrenzt über ihr Befinden und dessen Ursachen kommunizieren.
Da ihn aber gerade diese Mitarbeiterin bei seinen Erfolgen der letzten Jahre immer begleitet hatte, beunruhigte ihn ihr Zustand
mehr, als er sich
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