Cruel World
ich nichts wusste?
Warum sagst du es mir nicht einfach, Alex? Haben wir... du weißt schon.
Seine Finger strichen mir sanft über die Wange, sodass ich Gänsehaut bekam. Es fühlte sich unbeschreiblich toll an, wenn er mich berührt.
Was würdest du tun, wenn ich es bejahe? wollte er wissen.
Eigentlich hatte ich vorgehabt ihn nicht mehr anzusehen, weil es immer peinlicher wurde, obwohl mein Herz sich wünschte, dass es so gewesen war, so blieb mir nichts anderes übrig, als meinen Blick von ihm gefangen nehmen zu lassen.
Nun... dann wäre es eben geschehen. Was soll man machen? Ich lächelte nervös.
Sein Gesicht dagegen blieb todernst. Sei bitte ehrlich zu mir. Was würdest du tun?
Ich hielt den Atem an. Seine geöffneten Lippen waren nur noch höchstens zwei Zentimeter von meinen entfernt. Tat er das mit Absicht? Wollte er mich extra reizen und erregen? Hatten wir gestern Nacht tatsächlich miteinander geschlafen? Es hätte mir überhaupt nichts ausgemacht. Im Gegenteil - Ich wäre überglücklich darüber.
Ähm... jedenfalls würde ich nicht losschreien.
Wieder grinste er. Natürlich nicht. Aber ich kann dich beruhigen. Gestern Nacht ist dank meiner überaus fantastischen Beherrschung nichts geschehen.
Aus irgendeinem Grund machte sich plötzlich Erleichterung in mir breit. Es begann in meinem Herzen und schoss dann durch meinen ganzen Körper. Ich bekam Gänsehaut dadurch.
Was hatte das zu bedeuten? Hatte ich es eben gerade nich noch gewollt? Warum war ich nun froh darüber, dass wir nicht miteinander geschlafen haben? Hätte es mich nicht eigentlich enttäuschen müssen?
Oh, gut.
Du hättest es bereut. sagte er und seine Stimme klang mehr als nur sicher. Es war, als wüsste er auch den Grund, den ich momentan selbst nicht kannte. Seine Hand legte sich auf einmal unter mein Nacken und zog mein Gesicht noch näher an ihn heran, als es ohnehin schon war. Meine Stirn berührte nun seine. Ich konnte ganz deutlich die elektrischen Schauer an dieser einen Stelle spüren, wie sie von Alex' Körper auf meinen hinüber sprangen und mich ein paar mal zusammenzucken ließen.
Er schloss seine Augen, sodass ich mal wieder ganz von der Nähe die Strukturen in seiner Haut betrachten konnte. Sie waren unglaublich faszinierend. Ich musste mich ernsthaft zwingen, nicht mit meinen Fingerspitzen über die dünnen Linien zu streichen. Es würde bestimmt ein tolles Gefühl sein, so etwas machen zu können. Allerdings wusste ich nicht so recht, wie Alex das deuten würde, wenn ich es tu.
Sag mal... begann ich langsam Du weißt, ich will eigentlich nicht weg von hier, aber ich muss wirklich zurück nach Sydney. Also-
Sein Kopf schnellte hoch. Mit unergründlichem blick schaute er mich an. Du möchtest, dass ich dich zurückbringe?
Bitte.
Bist du dir ganz sicher, Chalina-Anastasia?
Da ich weiß, dass du mich beschützen wirst, kann ich ganz beruhigt die Dinge erledigen, die ich noch tun muss. Ich lächelte breit, woraufhin er nickte.
Na schön. Du hast wahrscheinlich recht. Es gibt zurzeit Wichtigeres. Vielleicht können wir das nächste Silvester zusammen feiern.
Das würde mich sehr freuen. sagte ich ein wenig verwundert, denn das hatte ich auch völlig vergessen. Heute war der fünfundzwanzigste Dezember. Also würde in sechs Tagen der letzte Tag dieses Jahres sein. Ich konnte auf keinen Fall behaupten, dass es ein schönes Jahr gewesen ist, abgesehen von meiner Zeit mit Alex. Irgendetwas jedoch sagte mir, dass das nächste Jahr viele, gute Überraschungen mit sich bringen wird. Etwas Wundervolles würde geschehen. Da war sich mein Herz ziemlich sicher. Ich freute mich wahnsinnig auf das neue Jahr. Allerdings könnte ich nicht so lange hier warten, denn Tereshas Wut stieg womöglich von Tag zu Tag. In einer Woche würde sie mich bestimmt hassen. Vielleicht tat sie es sogar bereits. Aber ich müsste trotzdem versuchen mich, egal auf welche Weise, bei ihr zu entschuldigen.
Wann soll ich dich denn zurückbringen? wollte Alex wissen Jetzt?
Hmmm... Ich dachte nach. Also gut.
Gleich darauf erhoben wir uns, um alle Sachen, die er mir gestern geschenkt hatte, in den roten Rucksack zu packen. Ich war froh, dass ich nicht mehr diesen alten, grünen Beutel benutzen musste.
Alex ging zu seinem eigenen Rucksack und stopfte machte einfach nur den Reißverschluss zu, weil seine Klamotten und alles andere, was er brauchte, wohl bereits darin war. Der kleine Tisch, die Stühle, das Geschirr, die verrostete Stange und der alte kochtopf hätten da
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