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Dämonen-Reihe Bd. 4 Traumsplitter

Dämonen-Reihe Bd. 4 Traumsplitter

Titel: Dämonen-Reihe Bd. 4 Traumsplitter Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tanja Heitmann
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Weile
    beisammenstehen, dann muss ich los.«
    Auch jetzt hatte sie ihre Kamera dabei, allerdings nur als Alibi. Sie hatte Eike erzählt, sie wolle von oben aus ein paar abendliche Impressionen einfangen – eine Notlüge. In
    Wirklichkeit mochte sie Esoline nicht einmal anrühren und legte sie rasch auf der
    Fensterbank des Spiegelzimmers ab, dann schaute sie sich um, wohl wissend, dass es hier nichts zu sehen gab. Nicht einmal in der kleinsten Ecke hatte sie einen Holzspan oder ein Blättchen Lack entdeckt. Der Rahmen war spurlos verschwunden, genau wie sein Besitzer.
    Das Zimmer wirkte leer, aber nicht bloß in dem Sinn, dass sich keine Möbel darin befanden.
    Der Eindruck ging weit darüber hinaus, als hätte das Zimmer seine Seele verloren. Und dieser Verlust schmerzte Ella, obwohl sie in diesen Tagen nur wenig spürte. Ihre Gefühle waren nach wie vor gedämpft.
    Unentwegt starrte Ella auf die Stelle, wo einst der Spiegelrahmen gegen die Wand gelehnt hatte. Schließlich musste sie zugeben, dass ihr Leben aus lauter Leerstellen bestand und sie selbst völlig ausgebrannt war, ohne einen Funken, der sie wärmen konnte. Ihr fehlte nicht bloß ihr innerer Kompass, nein, ihr fehlte viel mehr. Und sie hatte nicht die geringste Ahnung, wie sie die Leere wieder auffüllen sollte.

Kapitel 41
    Mondscheinbad
    Die Nacht war nicht nur schwarz. Genauso wenig, wie sie still oder gar unbelebt
    war. Von ihrer erhobenen Warte aus beobachtete Ella, wie sich die Dunkelheit über Bäume und Blumen im Garten legte. Lauschte dem müde werdenden Vogelgesang, der von leisem
    Rufen und Fiepen abgelöst wurde. Die Gerüche des Tages wichen mit dem Licht, und andere Düfte hielten Einzug. Kleine Blüten, die Wärme und das Verborgene brauchten, um ihre schweren Noten zu verströmen. Ella hatte sich immer für eine ausgemachte Beobachterin gehalten, mit ihrer Kamera stets im Anschlag. Dabei war sie die ganze Zeit über eine Träumerin gewesen, eine, die mit offenen Augen träumte.
    Und jetzt?
    Jetzt sah sie einen Garten, einen wunderschönen Garten, der sie allerdings nicht mehr rief.
    »Wem gehörst du? Mir ja offenbar nicht mehr … oder?«, wisperte sie und glaubte zu spüren, wie ihre Worte durch das geöffnete Fenster geweht wurden.
    Ein Schatten kreuzte ihren Blick, nicht größer als eine Kinderfaust. Ein Nachtfalter, der vor dem Fenster tanzte, als würde er darauf hoffen, dass jemand eine Kerze entzündete, an der er sich verbrennen konnte. Dich kenne ich doch, erinnerte Ella sich und verfolgte seinen taumelnden Flug. Ehe sie sich’s jedoch versah, verschwand der Nachtfalter, ohne dass sie eine Ahnung hatte, in welche Richtung. Irritiert lehnte sie sich aus dem Fenster, doch er war nicht mehr zu sehen. Sorgfältig suchte sie mit den Augen den Garten ab, die Baumreihen und die Rabatten, die verwilderten Rasenabschnitte, den überwucherten Rosengang und …
    den im Mondschein schimmernden Teich.
    Dort war doch etwas, ein Flügelschlag!
    Ob nun eingebildet oder nicht, der Flug des Nachtfalters löste eine Veränderung aus, denn er hatte sie schon einmal auf dem Gartenfest zu Gabriel geführt. Es konnte unmöglich ein Zufall sein, dass er ausgerechnet in dem Moment erschien, in dem sie die Hoffnung
    aufzugeben und anzuerkennen bereit war, dass sie Gabriel nur befreit hatte, um ihn in einen Traum zu sperren, den sie nicht mit ihm teilen konnte. Jetzt war sie sich sicher: Es gab einen Weg, genau wie der Inkubus angedeutet hatte – sie musste ihn nur finden.
    Der Garten hatte zwar seine magische Anziehungskraft verloren, aber die aus
    Mondsplittern zusammengesetzte
    Oberfläche des Teichs lockte sie plötzlich über alle
    Maßen. Ein von Steinen umkränzter Spiegel, erkannte Ella und wollte schon nach ihm
    greifen, bis ihr einfiel, dass sie auf der Fensterbank saß. Erschrocken ruderte sie mit den Armen, fing sich im letzten Moment und sprang auf den Boden.
    »Himmel, das war knapp.«
    Dann machte sie kehrt. Im Esszimmer lief sie an ihrem Vater vorbei, den der Schlaf im Ledersessel überwältigt hatte. Die Neues aus Sandfern , in der er gelesen hatte, lag aufgeschlagen auf seinem Bauch. Sie hielt kurz inne, um Eike die bereits verdächtig schief sitzende Brille abzunehmen und in Sicherheit zu bringen. Dabei fiel ihr Blick auf einen Artikel mit der Überschrift »Nach Jahren im Sandferner Hafen lichtet der berühmte Dirigent Leander Rerrick den Anker seine Segeljacht«. Auf einem Foto war ein älterer Herr mit schulterlangem Haar und

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