Das Dorn-Projekt: Der frühe Homanx-Zyklus, Bd. 3
enervieren. Das war nur ein nützlicher Nebeneffekt. Er war hier, um mit den ansässigen Menschen Gespräche zu führen, um eine ganze Reihe von Möglichkeiten abzuwägen und, mit etwas Glück, mehr als ein bisschen Schaden anzurichten. Er machte sich große Hoffnungen. Trotz all der Lügen, die die Thranx den Menschen über die AAnn aufgebunden hatten, trotz der beispiellosen und sich seither nicht wiederholenden Zusammenarbeit von Mensch und Thranx während des Pitar-Krieges, befanden sich die Beziehungen zwischen den beiden mächtigen Spezies immer noch in einem unsicheren, sich stets verändernden wie veränderlichen Stadium. Die Beziehungen konnten sich entwickeln, ins Positive wie ins Negative, und das alles mittels sehr kleiner Korrekturen. Um diese geringfügigen Korrekturen zu beeinflussen, war Preed nach Hivehom gereist. Seine hoch motivierten und Unruhe stiftenden Kollegen waren, wie er wusste, an anderer Stelle ebenso aktiv.
Die trockene Luft, die in seine Nüstern drang, als er aus dem Luftfahrzeug stieg und den örtlichen Terminal betrat, war eine große Erleichterung, nachdem er den feuchten Mist hatte einatmen müssen, der in Chitteranx als Luft bezeichnet wurde. Sofort nahm er den plumpen Entfeuchter ab und verstaute ihn in seinem Gepäck. Dann suchte er sich eine Einzelhygienekabine, nahm die nötigen Säuberungen vor und zog die leichte, aber dennoch die Bewegungsfreiheit einengende Spezialkleidung über, die die Luft über seinen Schuppen fünfzehn Grad wärmer hielt als die der Umgebung. Nur sein Kopf, sein Schwanz und seine Hände würden der kalten Luft ausgesetzt sein. Als er die Kabine verließ, fühlte er sich erfrischt und bereit, mit der Arbeit zu beginnen.
Eine Stimme in etwas holprigem Kaiserlich begrüßte ihn, als er aus der Kabine trat. »Gesandter Preed! Hier drüben, Sir!«
Der AAnn entdeckte einen Menschen, den einzigen, der in seine Richtung blickte und ihm zuwinkte; also näherte er sich diesem Individuum und grüßte es seinerseits in nahezu perfektem Terranglo. Diese Sprache war für seinen Kehlkopf einfacher als Hoch- oder Niederthranx. Noch etwas, sinnierte er, das mein Volk und diese Säuger gemein haben. Er streckte eine Hand aus, bemerkte aber die offensichtliche Überraschung des Menschen, als sich die klauenbewehrte Rechte um dessen Hand mit der weichen Haut schloss und diese schüttelte.
»Merken Ssie?«, sprach der Gesandte sein inoffizielles Empfangskomitee an. »Keine Berührung mit Antennen! Ihre Art hat zwar einen Finger zu viel, und Ihre Klauen ssind äusssersst stumpf, aber anssonssten gibt ess sso gut wie keine Unterschiede.«
Angenehm überrascht von dem schmeichelhaften Vergleich, trat der Mensch einen Schritt zurück. »Ich werde Ihr Hauptansprechpartner während Ihres Aufenthaltes hier in Azerick sein, Gesandter Preed. Täglich wird sich jemand von unserem Personal zur Besucherbetreuung um Ihre jeweiligen Wünsche kümmern. Wann immer Sie bereit zu formellen Gesprächen sind, lassen Sie es mich bitte wissen! Ich möchte Ihnen gestehen, dass ich mich persönlich schon seit einiger Zeit auf diese Gespräche freue.«
»Alss Möglichkeit, mit jemand anderem zu sprechen alss mit einer Schabe?«, wagte Preed zu fragen.
Erfreulicherweise versuchte der Mensch ein halbes Lächeln. »Das habe nicht ich gesagt!«
Ein ausgezeichneter Anfang, fand Preed. Dieser Mensch, ein wichtiges Mitglied des örtlichen diplomatischen Korps, war bereits für die AAnn und gegen seine Gastgeber hier auf Hivehom eingenommen. Sollte es mehr solch günstiger Entwicklungen geben, würde viel in den kommenden Tagen erreicht werden können.
»Darf ich Ihnen Ihr Gepäck abnehmen, Gesandter?« Der Mensch streckte schon hilfsbereit die Hand aus. Allerdings schien es Preed, als müssten die Riemen seiner Tasche sogleich durch das weiche, ungeschützte Fleisch schneiden. »Übrigens, mein Name ist Jorge Sertoa.«
»Ich wurde bereitss informiert darüber, dasss Ssie mich hier empfangen würden. Aber nein danke, Jorge. Ehrlich, ich ziehe esss vor, mein Gepäck sselbsst zu tragen. Die Übung tut mir gut.«
Außerhalb des kleinen Terminals ließ das alles beherrschende Grün des Waldes hier auf der Hochebene Preed leicht zurückschrecken. Er sehnte sich nach den vertrauten Erdfarben: nach Gelb- und Rottönen, nach leuchtendem Orange und feurigem Zinnober. Solche Farbtöne fanden sich nirgends auf Hivehom, und sicherlich auch nicht hier, an diesem Ort menschlicher Wahl. Preed keuchte auf,
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