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Das Erbe der Pilgerin

Das Erbe der Pilgerin

Titel: Das Erbe der Pilgerin Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ricarda Jordan
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herüberzublicken. Ein entschiedener Fehler: Von Steinbach gab einen letzten röchelnden Schrei von sich, als Hansis Klinge seine Kehle durchbohrte, und stürzte von seinem Pferd.
    »Von wegen, ergeben!«, sagte der Sohn des Wegelagerers zufrieden und blickte kalt in die brechenden Augen seines Opfers. »Ich hab mir geschworn, dass ihr zwei Saubärn bluten sollt – für den Franz. Noch lieber hätt ich euch ja gehenkt!«
    Florís sah zu dem Steinbacher hinunter, der sich in Todesqualen wand. »Näher könnt Ihr dem Aufhängen im ritterlichen Kampf nicht kommen«, meinte er gelassen. »Habt Dank, Herr Jean de Bouvines, für die Rettung meines Pflegesohnes. Lieber hätte ich den Kerl allerdings lebend gekriegt. Ich hätte ihm gern ein paar Fragen gestellt.«
    Hansi wischte sein Schwert ab. »Ihr habt das Leben vom Herrn Dietmar«, erklärte er dann. »Und ich hab das Leben von dem Saubärn. Das nenn ich Gerechtigkeit, Herr Florís.«
    Florís lächelte. »Ich wünschte nur«, sagte er, »es wäre immer so einfach. Aber nun kommt, meine Herren, feiern wir unseren Sieg. Ach ja, und sendet jemanden nach Neuenwalde. Meine Frau wird die Wunden ihres Sohnes selbst verbinden wollen. Sie ist lange genug mit einem Medikus gereist.«
    Gerlin machte ihrem Sohn heftige Vorwürfe, während die älteren Ritter sich weitgehend darüber einig waren, dass Dietmar in eine Falle getappt war.
    »Würde mich nicht wundern, das Mädchen wäre gar nicht auf der Burg«, meinte Florís. »Und wenn, dann lebt sie wie eine Gefangene, damit sie keiner zu sehen bekommt. Wir sollten zusehen, dass wir das beenden, Dietmar. Von morgen an Dauerbeschuss, vielleicht auch mal Bogenschützen, damit sie Angst kriegen, sich auf den Zinnen blicken zu lassen. Zwingen wir sie, noch enger zusammenzurücken.«
    »Feuer in die Kornspeicher!«, schlug Gerlin bösartig vor. Sie war bislang dagegen gewesen, irgendetwas auf der Burg zu zerstören, aber als sie ihren Sohn verletzt gesehen hatte, waren bei ihr alle Dämme gebrochen. Sie wollte Rache! Für Dietrich und für jeden Tropfen Blut, den Dietmar bei diesem perfiden Zweikampf verloren hatte. Für Salomon, der letztlich nur gestorben war, weil Roland Lauenstein okkupiert hatte. Für all die Jahre, in denen sie den Frieden in Loches nicht genießen konnte, weil sie den Krieg um Lauenstein plante. Für die Zeit, die sie jetzt von ihren anderen Kindern getrennt war, die am Hof des Königs von Frankreich aufwuchsen. »Man kann doch so genau zielen, oder? Ich werde euch aufzeichnen, wo sie liegen.«
    Dietmar schüttelte jedoch entschieden den Kopf. »Nein, Mutter! Auf gar keinen Fall. Ich werde Sophia weder bombardieren noch verbrennen noch länger aushungern, als es unbedingt nötig ist. Wir müssen vorsichtig sein, wir müssen sie schonen. Wenn ihr etwas zustieße … was wäre mein Leben wert ohne sie?«
    Rüdiger und Hansi hatten Mühe, sich ein Grinsen zu verkneifen.
    »Also schön«, sagte Florís schließlich, mühsam beherrscht. »Wir denken uns etwas anderes aus. Aber du, Dietmar, wirst dich von jetzt an nicht mehr in Gefahr bringen. Keine Erkundungsritte in Bogenschussweite der Burg – wer weiß, ob da nicht doch einer einen Langbogen bedienen kann. Jeder Ausritt nur voll gerüstet und in Begleitung.«
    »Ich bin doch kein Kind mehr!« Dietmar fuhr auf. »Was sollen die anderen Ritter von mir denken?«
    Jetzt grinste Florís. »Das ist nicht wichtig«, bemerkte er. »Aber wenn dir etwas zustößt, was wäre denn Sophias Leben wert ohne dich?«
    Die neue Strategie der Belagerer zielte allein auf Demoralisierung des Gegners. Da die Ritter von Herrn Gisbert wussten, dass man auf Lauenstein zwar noch nicht hungerte, aber darbte, begannen sie, in Sichtweite der belagerten Feste zu feiern. Sie brieten Ochsen am Spieß, luden Musikanten ein und prosteten Rolands Männern lachend zu, wenn wieder ein Fass Bier angestochen oder ein Schlauch Wein geöffnet wurde. Mitunter luden sie die Bewohner des Dorfes Lauenstein dazu ein, führten Schaukämpfe vor und bewirteten die Bauern und Handwerker fürstlich. Dietmar, Florís und Gerlin machten ihre regelmäßigen Rundritte durch die Lauensteiner Dörfer, um Gericht zu halten und über die Abgaben zu verhandeln. Rüdiger lud den Hurenwirt eines Gasthauses ein, sie mit seinen Hübschlerinnen zu besuchen.
    »Hoffentlich sind sie halbwegs sauber«, seufzte Rüdiger, als sich die Ritter johlend mit den Mädchen vergnügten. »Gerlin bringt uns um, wenn sich die Leute was

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