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Das Erbe der Pilgerin

Das Erbe der Pilgerin

Titel: Das Erbe der Pilgerin Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ricarda Jordan
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Wange, aber der Ritter kannte nun kein Halten mehr. Er glitt noch einmal aus dem Sattel – für den Ritt trug er nur sein Kettenhemd, die Rüstungen der Kämpfer wurden auf Packpferden mitgeführt – und nahm das Mädchen in die Arme, so vorsichtig, als berühre er feinstes Glas. Flambert zog Sophia an sich, und als er spürte, dass sie sich nicht wehrte, suchten und fanden seine Lippen die ihren, und er öffnete sie sanft mit seiner Zunge. Sophia war noch niemals so geküsst worden. Sie sah den Ritter mit großen Augen an, als er sich schließlich von ihr löste.
    »Ich liebe Euch, Sophia von Ornemünde«, flüsterte Flambert mit zitternder Stimme.
    Sophia sah zu ihm auf, sein Gesicht spiegelte reines Glück, vollkommene Seligkeit. Sophia dagegen wusste nicht, was sie fühlte. Es war etwas Großes, zweifellos. Aber kein Brennen wie damals bei Dietmar. Eher Wärme, Zärtlichkeit – und fast etwas wie Bedauern.
    »Ich … ich liebe Euch auch«, sagte sie schließlich dennoch und hoffte, dass es keine Lüge war.
    Flambert nahm ihre Worte wie ein Geschenk. Er zog Sophia noch einmal an sich und küsste ihre Stirn, bevor er sie verließ.
    »Ich komme zurück«, versprach er. Dann bestieg er sein Pferd.
    Sophia folgte den anderen Frauen wie willenlos auf den Burgfried, um den Rittern nachzuwinken. Die Mädchen neckten sie, Geneviève strafte sie mit Nichtachtung, aber Sophia nahm nichts davon wirklich wahr. Jetzt, da Flambert sie nicht mehr in den Armen hielt, wusste sie genau, was sie fühlte. Schmerz, Schuld – und vage Angst. Sie hatte gegen keine Regel verstoßen, aber irgendwie hatte sie Dietmar dennoch verraten.

Kapitel 7
    E s muss etwas geschehen.«
    Luitgart von Ornemünde wandte sich entschlossen an ihren Mann. Seit einigen Wochen gab es keinen Wein mehr auf der Burg, und sie war seitdem ausgesprochen reizbar. Allerdings war die Stimmung schon vorher schlecht gewesen. Rolands Ritter murrten, und so mancher setzte sich bei Nacht und Nebel ab, statt auf den Mauern Wache zu halten. Sie hatten ihrem Burgherrn jahrelang die Treue gehalten, schließlich war Lauenstein eine behagliche Burg. Aber bei Wassersuppe und Brei aus uraltem Getreide mochten sie nicht ausharren.
    »Wir haben lange genug darauf gewartet, dass diesem Dietmar endlich die Geduld ausgeht.«
    »Ihm und seinen Rittern!«, verteidigte sich Roland. »Eineinhalb Jahre … wie viele der Leute bleiben da bei der Stange?«
    Luitgart schnaubte. »Alle, die auf ein gutes Lehen hoffen, wenn wir aufgeben – zumal sich die Belagerung ja sehr angenehm gestaltet. Schau es dir doch an: eine Trutzburg, damit die Herren nicht frieren müssen, Ochsen am Spieß an jedem Feiertag, Kampfspiele, bei denen die Sieger womöglich noch honoriert werden! Sogar für Huren ist gesorgt!«
    Seit einigen Monaten kampierten ein paar Marketenderinnen in einem Planwagen im Wald jenseits der Trutzburg.
    »Als Alternative winkt ein Kreuzzug in Okzitanien, wo sich raubeinige Grafen mit Zähnen und Klauen an ihre Scholle klammern. Katholische Grafen – der Papst kann den Kirchenbann gegen sie jederzeit aufheben, wenn die Ketzer erst mal ausgemerzt sind. Und dann werfen sie als Erstes die ›Kreuzritter‹ von ihren mühsam erkämpften Burgen. Dietmars Ritter müssten dumm sein, wenn sie das vorzögen!«
    Roland rieb sich die Stirn. Er konnte das nicht wirklich abstreiten. Dietmar und seine Leute konnten noch Jahre vor ihren Toren kampieren – während Lauenstein am Ende war. Die Vorräte gingen aus, in spätestens zwei Monaten würde auch das letzte Getreidekorn gegessen sein, sämtliche Nutztiere waren ohnehin längst geschlachtet.
    »Was also schlägst du vor?«, fragte er widerwillig. Roland hasste es, Luitgart um Rat zu fragen, aber wenn sie nüchtern war, erwies sie sich oft als überraschend scharfsinnig.
    Luitgart zuckte die Schultern. »Na, was wohl? Kämpfen. Mach einen Ausfall. Liefere ihnen ein richtiges Gefecht.«
    »Aber das gewinnen wir doch nie«, gab Roland zu bedenken. »Sie sind in der Überzahl.«
    »Dann überfall gezielt ihre Patrouillen. Und nicht dann, wenn sie ein Rüdiger von Falkenberg anführt oder ein Florís de Trillon. Konzentrier dich auf schwächere Gegner. Und vergiss all diese ritterlichen Tugenden. Dies ist ein Krieg, kein Turnier! Schick die Kerle in die Hölle, lass endlich mal wirklich Blut fließen.«
    »Aber auch damit können wir nicht siegen«, meinte Roland. »Wir machen sie nur wütend, und sie haben immer noch das Katapult.«
    »Und wir

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