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Das Erbe der Pilgerin

Das Erbe der Pilgerin

Titel: Das Erbe der Pilgerin Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ricarda Jordan
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ihr befohlen hatte, an den Hof des Grafen zu gehen …
    »… der Graf hat dich gesehen, als er die Festung inspiziert hat, und du hast ihm gefallen.«
    »… du schickst mich wissentlich als seine Hure nach Toulouse?«
    »Du wirst unerschütterlich treu bleiben – und du magst Einfluss ausüben.«
    Geneviève verhielt ihren Schritt. Ihrem Vater war bereits etwas eingefallen. Viel früher, als sie je daran gedacht hatte. Geneviève wusste plötzlich, was sie zu tun hatte, auch wenn ihr davor graute. Sie musste Einfluss nehmen, und es musste Gottes Wille sein. Ein Fingerzeig, nur deshalb hatte er bisher verhindert, dass sie das Consolamentum erhielt.
    Geneviève hasste ihre Aufgabe. Aber wenn sie die Menschen ihres Glaubens damit retten konnte …
    Sie atmete tief durch und wartete, bis es dunkel wurde. Dann begab sie sich zu den Gemächern des Grafen.

Kapitel 3
    B itte, Herr, Ihr könnt das nicht tun!«
    Geneviève hatte an Raymonds Tür geklopft und tatsächlich Einlass erhalten. Sie war errötet, als der Herr ihr zwar in züchtiger Tunika öffnete, die Beinkleider aber bereits abgelegt hatte. Energisch rief sie sich dann aber zur Ordnung. Wenn sie tatsächlich tun musste, was sie befürchtete, durfte sie nicht jetzt schon prüde sein. Aber vorerst versuchte sie es mit gutem Zureden.
    So sachlich wie sie eben konnte, trug Geneviève ihr Anliegen vor. Der Graf hatte sich in einen Lehnstuhl ans Feuer gesetzt, die nackten Füße dem Kamin entgegengestreckt. Er nippte an einem Becher Wein und schwieg. Geneviève blieb nichts anderes übrig, als ihn anzuflehen.
    »Ihr verurteilt uns doch zum sicheren Tod! Der Graf von Foix ist geschlagen, der König gefallen … niemand sonst kann uns beschützen. Ihr müsst bleiben, Herr, und das Land verteidigen.«
    Raymond füllte langsam einen zweiten Becher und hielt ihn ihr hin. »Hier, nimm einen Schluck, Geneviève«, sagte er milde. »Und setz dich. Hier zu mir, ans Feuer, nicht so weit weg …«
    Geneviève brauchte eigentlich keine zusätzliche Wärme, sie glühte längst von innen – und den Hocker zu den Füßen des Grafen, den Raymond ihr anwies, fand sie auch nicht gerade einladend. Aber dann dachte sie an ihren göttlichen Auftrag und zwang sich zu lächeln.
    »Ihr werdet bleiben, Herr, nicht wahr? Ihr tut uns das nicht an?«
    Raymond hob die Schultern. »Ich muss mich dem Papst ergeben, meine Schöne«, meinte er dann. »Nur so besteht die Möglichkeit, meine Besitzungen zurückzubekommen. Montfort beansprucht doch jetzt Toulouse.«
    Geneviève konnte nicht glauben, was sie da hörte. Wie konnte es sein, dass er nur an seine Besitzungen dachte? Jetzt, da so viele Menschenleben auf dem Spiel standen? Aber es würde nichts helfen, wenn sie wütend wurde. Widerwillig ließ sie sich neben ihm nieder.
    »Aber Herr, was zählt das Land?«, fragte sie und hoffte, dass ihre Stimme nicht schrill klang. »Ihr seid doch immer für uns und unser Recht auf unseren Glauben in den Krieg gezogen. Wenn Ihr uns verteidigt, wenn wir gewinnen … Ihr habt Toulouse schon einmal verteidigt.«
    Der Graf nickte gelassen. »Damals waren die Bedingungen anders. Im Moment … versteh mich richtig, ich gebe Toulouse auf keinen Fall auf! Ich komme zurück, und dann …«
    »Dann sind wir vielleicht alle tot!«, argumentierte Geneviève verzweifelt. »Herr Raymond … sind wir Euch denn gar nichts wert? Bin ich Euch nichts wert?«
    Geneviève lebte nun seit über einem Jahr am Minnehof der Gräfin. Sie wusste, wie man Männer ansprach, wenn man etwas von ihnen wollte – aber sie hasste sich selbst dafür, diese Taktik anzuwenden.
    Der Graf streichelte aufreizend langsam über ihre Schulter.
    »Meine süße Geneviève, natürlich bist du mir kostbar«, murmelte er. »Ich habe dich ausgewählt, auch wenn du es damals noch gar nicht wolltest.« Er lachte. »Aber ich wusste, dass du deine Meinung irgendwann änderst.« Seine Hand wanderte in den Ausschnitt ihres Kleides.
    Geneviève fühlte sich angewidert, obwohl ihr Körper auf die Berührung reagierte. Etwas in ihr wollte sich ihm ergeben und wünschte sich, dass er sie weiterstreichelte. Sie errötete nicht nur aus Scham. Aber begriff dieser Mann denn nicht, dass sie Verzweiflung, nicht Wollust hergeführt hatte?
    »Herr, ich … ich will gern alles tun, wenn Ihr mir nur versprecht … wenn Ihr mich nur nicht im Stich lasst …«
    Der Graf beugte sich zu ihr herab und küsste ihren Nacken. »Wie könnte ich dich im Stich lassen, meine schöne

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