Das Geheimnis des Templers - Collector's Pack
auftauchten, setzte er sie ab.
„Wo wohnt deine Tante?“, fragte er ins Halbdunkel hinein. Es hatte noch nicht zur Nacht geläutet. Im Schein der fast herabgebrannten Feuerkörbe orientierte er sich kurz. Die Taverne hatte im Norden der Stadt gelegen. Nun waren sie im Westen gelandet. Warda blieb auf einem Bein stehen und suchte erneut Schutz bei ihm, als ein paar betrunkene Passanten die Straße entlangtorkelten und Beleidigungen lallten, auf die Gero erst gar nicht einging. Er hielt Warda abermals fest, nicht nur, um ihr Halt zu geben, sondern auch, um ihr aufreizendes Äußeres vor den Blicken der Männer zu verbergen. So, wie sie gewandet war, konnte jeder sofort erkennen, dass sie eine Hure sein musste. Eine Edelhure genau genommen. Kein billiges Flittchen. Jedoch beides erschien Gero in Anbetracht der Lage nicht von Vorteil. Er entledigte sich kurzerhand seines knielangen Leinenhemdes und bot ihr an, es über den Kopf zu ziehen.
„Das musst du nicht tun“, erwiderte sie und berührte beinahe schüchtern seine nackte Brust.
„Zieh es an“, forderte er. „Sonst sieht jeder sofort, dass du in diesem Aufzug nicht auf die Straße gehörst. Ein Mann mit freiem Oberkörper hingegen ist zu dieser Jahreszeit nichts Ungewöhnliches.“
„Danke!“, hauchte sie und warf sich ihm erneut an den Hals.“ Wieder dachte er an Lissy, und einen Moment lang genoss er das Trugbild und das Gefühl, sie wieder in seinen Armen zu halten.
„Was wird aus uns werden?“ Wardas dunkle Stimme riss ihn aus seinen Träumen. Nichts , hätte er am liebsten gesagt, doch das erschien ihm zu hart.
„Darüber kannst du in Ruhe nachdenken, wenn du in Sicherheit bist“, erwiderte er stattdessen, und genau genommen entsprach es dem, was er dachte. „Ich werde dich jetzt zu deiner Tante bringen, die dich hoffentlich aufnimmt. Ich würde dir selbst gerne helfen. Leider kann ich dir weder eine Unterkunft bieten, noch kann ich dir Geld geben. Ich habe selbst nichts. Aber vielleicht kann deine Tante dich unterstützen?“
„Du hast schon genug für mich riskiert“, erwiderte sie mit verschnupfter Stimme und schlüpfte rasch in sein Hemd, das ihr bis fast zu den Waden reichte. Flüchtig deutete sie auf ihre schmale Taille. „Ich habe in der Eile meinen Geldgürtel erwischen können. Mit dem Inhalt komme ich eine Weile aus. Aber was ist mit dir?“
„Was soll mit mir sein? Ich gehe zur Ordensburg zurück, sobald ich dich in Sicherheit weiß. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Razzia in der Taverne den Orden unberührt lässt. Außerdem muss ich herausfinden, was mit Hugo geschehen ist.“
„Was hab ich nur getan?“, wisperte Warda. „Es ist meine Schuld, dass du schon wieder in einen solchen Schlamassel hineingeraten bist.“
„Red keinen Unsinn“, brummte er. „Zeig mir lieber, wo deine Tante wohnt.“
„Ich finde allein hin“, wehrte sie ab.
„Kommt gar nicht in Frage. Du denkst doch nicht ernsthaft, dass ich dich nach allem, was geschehen ist, allein durch die Nacht laufen lasse?“
Sie lächelte schwach. „Es ist beinah schade, wie exakt du meinen Vorstellungen von einem idealen Ehemann entsprichst. Es wäre besser, wenn du nicht so verdammt ehrenvoll wärst und auf deine Berufung zum Mönchskrieger verzichten würdest. Aber so, wie es aussieht, ist dir diese Rolle geradezu auf den Leib geschneidert.“
Gero ersparte sich einen Kommentar und versuchte zu ignorieren, dass sie die Gelegenheit nutzte, um mit sanfter Hand über seine Brust zu streicheln, was ihm trotz seiner inneren Abwehr eine Gänsehaut bescherte.
Irgendwie war er froh, als sie über Seitengassen, in denen ihnen lediglich ein paar weitere Betrunkene begegneten, endlich das besagte Haus der Tante erreichten. „Hier ist es“, sagte sie leise und deutete auf einen orientalisch anmutenden, dreistöckigen Bau.
Gero fühlte sich nicht wohl bei dem Gedanken, Warda vor der Tür abzuliefern und dann einfach davonzugehen. Außerdem traute er ihr nicht. Hatte sie ihm bei ihrer ersten Begegnung nicht erzählt, sie habe gar keine Verwandten mehr? Also übernahm er die Führung, zumal sie noch zögerte, und klopfte in gemäßigter Lautstärke auf das Holz.
Es dauerte eine Weile, bis jemand reagierte. „Wer da?“, fragte eine krächzende Stimme von drinnen. Gero schaute Warda fragend an. Die Frau würde wohl kaum öffnen, wenn er eine Antwort gab.
„Ich bin’s, Warda.“ Sie klang nervös.
Die Tür öffnete sich knarrend und nur so weit, bis ein
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