Das Lied von Eis und Feuer 1 - Die Herren von Winterfell
»Wenn Ihr es wünscht«, sagte sie verunsichert. »Ich denke, ich könnte Lady anbinden.« Doch verstand sie nicht so recht. »Ich wusste nicht, dass Ihr einen Hund habt …«
Joffrey lachte. »In Wahrheit ist er der Hund meiner Mutter.
Sie hat ihn auf mich angesetzt, damit er mich bewacht, und das tut er auch.«
»Ihr meint den Bluthund?«, fragte sie. Sie hätte sich ohrfeigen können, dass sie so langsam war. Ihr Prinz würde sie niemals lieben, wenn sie ihm dumm erschiene. »Ist es denn sicher, ihn zurückzulassen?«
Prinz Joffrey wirkte verärgert, dass sie auch nur fragte. »Habt keine Angst, Lady. Ich bin bald erwachsen, und ich kämpfe nicht mit Holz wie Eure Brüder. Ich brauche nur das hier.« Er zog sein Schwert und zeigte es ihr, ein Langschwert, das geschickt verkleinert war, damit es einem Jungen von zwölf Jahren passte, aus schimmernd blauem Stahl, mit zweischneidiger Klinge, Ledergriff und einem goldenen Löwenkopf als Knauf. Vor Bewunderung stieß Sansa einen kleinen Schrei aus, und Joffrey schien zufrieden. »Ich nenne es Löwenfang«, erklärte er.
Und so ließen sie ihren Schattenwolf und seine Leibwache zurück und streiften östlich am Nordufer des Trident entlang, ohne Begleitung bis auf Löwenfang.
Es war ein herrlicher Tag, ein magischer Tag. Die Luft war warm und duftete nach Blumen, und die Wälder dort besaßen eine sanfte Schönheit, die Sansa im Norden nie gesehen hatte. Prinz Joffreys Pferd war ein fuchsroter Renner, schnell wie der Wind, und er ritt es mit verwegener Ausgelassenheit, so schnell, dass Sansa es nicht leicht hatte, auf ihrer Stute mitzuhalten. Es war ein Tag für Abenteuer. Sie erkundeten die Höhlen am Ufer, folgten einer Schattenkatze zu ihrem Bau, und als sie hungrig wurden, fand Joffrey eine Herberge durch deren Rauch und befahl den Leuten, Speisen und Wein für ihren Prinzen und seine Lady aufzutischen. Sie speisten Forelle, frisch aus dem Fluss, und Sansa trank mehr Wein als je zuvor. »Mein Vater lässt uns nur einen Becher trinken und auch nur bei Festen«, gestand sie ihrem Prinzen.
»Meine Verlobte kann so viel trinken, wie sie will«, beteuerte Joffrey und schenkte ihr nach.
Nachdem sie gegessen hatten, ritten sie langsamer. Joffrey sang für sie mit hoher, reiner, lieblicher Stimme. Sansa war etwas benommen vom Wein. »Sollten wir nicht umkehren?«, fragte sie.
»Bald«, sagte Joffrey. »Das Schlachtfeld liegt gleich da vorn bei der Flussbiegung. Dort hat mein Vater Rhaegar Targaryen erschlagen, müsst Ihr wissen. Er hat ihm die Brust zerschmettert, knirsch, geradewegs durch die Rüstung.« Joffrey schwang einen imaginären Streithammer, um ihr zu zeigen, wie man es machte. »Dann hat mein Onkel Jaime den alten Aerys getötet, und mein Vater wurde König. Hört Ihr das? Was ist das?«
Auch Sansa hörte es, wie es durch die Wälder hallte, eine Art hölzernes Klappern, klapp, klapp, klapp. »Ich weiß nicht«, sagte sie. Doch machte es sie nervös. »Joffrey, lasst uns umkehren. «
»Ich will sehen, was es ist.« Joffrey wendete sein Pferd in Richtung der Geräusche, und Sansa blieb nur, ihm zu folgen. Das Klappern wurde lauter und deutlicher, ein Schlagen von Holz auf Holz; als sie näher kamen, hörten sie auch schweres Atmen und hin und wieder ein Stöhnen.
»Da ist jemand«, sagte Sansa ängstlich. Sie merkte, wie sehr sie an Lady dachte, sich wünschte, dass sie da wäre.
»Bei mir seid Ihr in Sicherheit.« Joffrey zog Löwenfang aus der Scheide. Der Klang von Stahl auf Leder ließ sie zittern. »Hier entlang«, wies er den Weg und ritt zwischen einer Baumgruppe hindurch.
Dahinter, auf einer Lichtung am Fluss, stießen sie auf einen Jungen und ein Mädchen, die Ritter spielten. Ihre Schwerter waren Holzstöcke, Besenstiele, wie es aussah, und sie stürmten übers Gras, schlugen heftig aufeinander ein. Der Junge war um Jahre älter, einen Kopf größer und viel stärker, und er griff an. Das Mädchen, ein dürres Ding in schmutzigem Leder, wich aus und schaffte es, mit ihrem Stock die meisten Hiebe des Jungen abzuwehren, doch nicht alle. Als sie versuchte, sich auf ihn zu stürzen, fing er ihren Stecken mit dem
seinen ab, warf ihn beiseite und schlug ihr fest auf die Finger. Sie schrie auf und verlor ihre Waffe.
Prinz Joffrey lachte. Der Junge sah sich um, mit großen Augen und erschrocken, dann ließ er seinen Stock ins Gras fallen. Wütend sah das Mädchen sie an, lutschte an ihren Knöcheln, um den Schmerz zu lindern, und Sansa war
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