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Das Lied von Eis und Feuer 1 - Die Herren von Winterfell

Das Lied von Eis und Feuer 1 - Die Herren von Winterfell

Titel: Das Lied von Eis und Feuer 1 - Die Herren von Winterfell Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: George R R Martin
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landete im Wasser und verschwand mit einem Klatschen. Joffrey stöhnte. Arya lief zu ihrem Pferd, Nymeria sprang ihr hinterher.
    Als sie fort waren, ging Sansa zu Prinz Joffrey. Er hatte die Augen vor Schmerz geschlossen, sein Atem ging unregelmäßig. Sansa kniete neben ihm. »Joffrey«, schluchzte sie. »Oh, sieh nur, was sie getan haben, sieh nur, was sie getan haben. Mein armer Prinz. Hab keine Angst. Ich reite zur Herberge und hole dir Hilfe.« Zärtlich streckte sie eine Hand aus und strich sein weiches, blondes Haar zurück.
    Er schlug die Augen auf und sah sie an, und in diesen lag nichts als Abscheu, nichts als tiefste Verachtung. »Dann geh auch«, spuckte er ihr ins Gesicht. »Und fass mich nicht an.«

EDDARD
    »Man hat sie gefunden, Mylord.«
    Eilig stand Ned auf. »Unsere Männer oder Lennisters?«
    »Es war Jory«, gab sein Haushofmeister Vayon Pool zurück. »Ihr ist nichts geschehen.«
    »Den Göttern sei Dank«, seufzte Ned. Seit vier Tagen hatten seine Leute nun nach Arya gesucht, doch auch die Männer der Königin hatten sie gejagt. »Wo ist sie? Sagt Jory, er soll sie auf der Stelle hierherbringen.«
    »Es tut mir leid, Mylord«, erklärte Pool. »Die Wachen am Tor waren Lennisters Leute, und sie haben die Königin informiert, als Jory sie hereinbrachte. Man hat sie direkt vor den König geführt …«
    »Verdammt sei diese Frau!«, fluchte Ned auf dem Weg zur Tür. »Sucht Sansa und bringt sie ins Audienzzimmer. Vielleicht ist ihre Aussage vonnöten.« Wutentbrannt schritt er die Stufen des Turmes hinab. Er selbst hatte drei Tage lang die Suche geleitet und kaum eine Stunde geschlafen, seit Arya verschwunden war. Heute Morgen war er so verzweifelt und müde gewesen, dass er kaum mehr stehen konnte, doch nun war sein Zorn geweckt und erfüllte ihn mit Kraft.
    Männer riefen nach ihm, als er den Burghof überquerte, doch Ned achtete in seiner Eile nicht auf sie. Er wäre gerannt, doch war er die Rechte Hand des Königs, und als solche musste er seine Würde wahren. Der Blicke, die ihm folgten, war er sich bewusst, und auch des Gemurmels, das sich fragte, was er tun würde.
    Die Burg war ein bescheidener Besitz, eine halbe Tagesreise südlich des Trident. Das königliche Gefolge hatte sich
zu ungeladenen Gästen seines Herrn gemacht, Ser Raymun Darry, während man zu beiden Seiten des Flusses nach Arya und dem Schlachterjungen jagte. Sie waren kein willkommener Besuch. Ser Raymun fügte sich dem König, doch seine Familie hatte unter Rhaegars Drachenbanner am Trident gekämpft, und seine drei älteren Brüder waren dort gefallen, ein Umstand, den weder Robert noch Ser Raymun vergessen hatten. Nachdem sich nun die Mannen des Königs, die Männer Darrys, Lennisters und Starks allesamt in einer Burg drängten, die zu klein war, traten die Spannungen offen zu Tage.
    Der König hatte sich Ser Raymuns Audienzzimmer angeeignet, und dort fand Ned sie. Der Raum war voller Menschen, als er hereinplatzte. Zu voll, dachte er. Allein hätten Robert und er die Angelegenheit auf friedliche Weise bereinigen können.
    Robert saß zusammengesunken auf Darrys Stuhl am anderen Ende des Raumes, mit verschlossenem und mürrischem Gesicht. Cersei Lennister und ihr Sohn standen neben ihm. Die Königin hatte ihre Hand auf Joffreys Schulter gelegt. Dicke Seidenbandagen bedeckten noch immer den Arm des Jungen.
    Arya stand mitten im Raum, ganz allein, von Jory Cassel abgesehen, und alle Blicke waren auf sie gerichtet. »Arya«, rief Ned laut aus. Er ging zu ihr, und seine Stiefel dröhnten laut auf dem steinernen Boden. Als sie ihn sah, stieß sie einen Schrei aus und begann zu schluchzen.
    Ned sank auf ein Knie und schloss sie in die Arme. Sie zitterte. »Es tut mir leid«, schluchzte sie. »Es tut mir leid, es tut mir leid.«
    »Ich weiß«, sagte er. Sie fühlte sich in seinen Armen so winzig an, nur ein mageres, kleines Mädchen. Es war nicht zu begreifen, wie sie so große Schwierigkeiten hatte verursachen können. »Bist du verletzt?«
    »Nein.« Ihr Gesicht war schmutzig, und die Tränen ließen rosafarbene Spuren auf ihren Wangen zurück. »Etwas hungrig.
Ich habe ein paar Beeren gegessen, aber etwas anderes gab es nicht.«
    »Zu essen bekommst du noch früh genug«, versprach Ned. Er stand auf und stellte sich dem König. »Was hat das zu bedeuten?« Sein Blick ging durch den Raum, auf der Suche nach wohlgesonnenen Mienen. Doch abgesehen von seinen eigenen Leuten waren es nur wenige. Ser Raymun Darry beherrschte

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