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Das Phantom im Netz

Titel: Das Phantom im Netz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kevin Mitnick , William L. Simon
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einer Sondereinheit in Las Vegas und muss wissen, wofür hier ›440‹ steht.«
    »Eine Person, nach der gefahndet wird.« Scheiße! Die Leitstelle wollte also sicherstellen, dass der Gesuchte auch nicht mithören konnte, wenn gesagt wurde, weswegen der Haftbefehl erlassen worden war. Die Polizei von Las Vegas hatte Anweisung, mich festzunehmen.
    Wenn ich jetzt zur Bewährungshilfestelle ging, würde man mir sehr wahrscheinlich Handschellen anlegen und mich ins Gefängnis bringen. Ich war unendlich erleichtert, dem noch einmal entkommen zu sein, aber ich war natürlich voller Angst.
    Ich fuhr gerade auf die Zufahrt des Sahara Hotels zu, bog auf den Parkplatz ab, parkte und entfernte mich vom Wagen.
    Das Sahara. Nichts kam mir gelegener. Meine Mutter arbeitete dort als Kellnerin im Café. Ich schlenderte durch das Glitter-Casino, vorbei an eifrigen Spielern, die mit unterdrückter Rauflust an den Würfeltischen saßen, und den Horden silbergrauer Damen, die mit leerem Blick die Automaten fütterten.
    Ich blieb an einem der Tische sitzen, bis die Schicht meiner Mutter zu Ende war und sie mich zu sich nach Hause fahren konnte. Als ich ihr und meiner Großmutter erzählte, dass ich wahrscheinlich auf dem Weg zurück ins Gefängnis sei, geriet die Familie in Aufruhr. Thanksgiving sollte ja eine fröhliche und festliche Angelegenheit sein, aber für uns gab es keinen Grund, zu feiern oder dankbar zu sein.
    In den kommenden Tagen ging ich weiterhin nicht zur Bewährungshilfestelle, sondern rief zweimal nach Büroschluss dort an und hinterließ eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter: Meine Mutter sei krank, ich könne sie nicht alleinlassen und müsse mich deshalb telefonisch melden.
    Hatte mein Bewährungshelfer schon aus Los Angeles angerufen und angewiesen, mich in Gewahrsam zu nehmen? Die elektronische Ansagestimme auf dem Anrufbeantworter der Bewährungshilfestelle in Las Vegas hatte ich erkannt und kam so darauf, welches Gerät sie benutzten. Die Fabrikeinstellung des Herstellers zur Abfrage der Nachrichten war bei diesem Gerätetyp »000«. Ich versuchte es damit, und tatsächlich hatte sich wieder einmal niemand die Mühe gemacht, die Standardeinstellung zu ändern. Ich rief alle paar Stunden an und hörte die Nachrichten ab. Glücklicherweise war keine von meinem Bewährungshelfer dabei.
    Meine Großmutter, meine Mutter und ihr Freund Steve Knittle fuhren mich zurück nach Los Angeles. Ich wollte natürlich nicht mit meinem eigenen Auto fahren. Wir kamen spätabends am 4. Dezember an – dem Tag, an dem meine Reiseerlaubnis erlosch. Ich betrat meine Wohnung, ohne wissen zu können, dass U.S. Marshal Brian Salt am frühen Morgen dort gewesen war, um mich zu verhaften. Ich verbrachte die kommenden drei Tage angespannt und verängstigt, weil ich jede Minute damit rechnete, das FBI würde auftauchen. Frühmorgens verließ ich die Wohnung und ging jeden Abend ins Kino, um mich abzulenken. Andere hätten vielleicht getrunken und wären jeden Abend feiern gegangen, aber meine Nerven lagen blank. Ich nahm an, diese Tage wären vorerst die letzten in Freiheit.
    Aber ich wollte L.A. nicht noch einmal verlassen, bevor meine Bewährungsfrist zu Ende wäre. Ich hatte für mich entschieden: Wenn sie kämen, sollte es eben so sein, dann könnten sie mich ruhig verhaften. Wenn sie aber bis zum Ablauf meiner Bewährungsfrist nicht auftauchten, hatte ich schon einen Plan für die Zukunft: Ich würde meine Identität wechseln und verschwinden. Ich wollte in einer anderen Stadt leben, weit weg von Kalifornien. Kevin Mitnick sollte es nicht mehr geben.
    Ich dachte meine Fluchtpläne durch. Wo würde ich wohnen, wenn ich mir eine neue Identität aufbaute? Welche Stadt sollte mein neues Zuhause werden? Wie würde ich meinen Lebensunterhalt verdienen?
    Die Vorstellung, in weiter Entfernung von meiner Mutter und Großmutter zu leben, war für mich niederschmetternd. Ich liebte die beiden sehr und wollte ihnen auf keinen Fall noch mehr Kummer bereiten.
    Schlag Mitternacht am 7. Dezember 1992 endete meine Bewährungszeit.
    Keine Anrufe mehr vom Bewährungshelfer, keine frühmorgendlichen Durchsuchungen. Welche Erleichterung. Ich war ein freier Mann.
    Zumindest dachte ich das.
    Meine Mutter, Großmutter und Steve hatten bei meiner Cousine Trudy gewohnt. Jetzt tauschten wir die Wohnungen. Meine Mutter und Steve zogen bei mir ein und packten meine Sachen zusammen, und ich ging zu meiner Großmutter bei Trudy. Jetzt, da meine Bewährungszeit

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